Heiliger Emmeram Bischof und Märtyrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

22. September

Der heilige Emmeram Bischof und Märtyrer

Der heilige Bischof und Märtyrer Emmeram wurde zu Poitiers in Frankreich aus edler Familie geboren und in der Furcht Gottes erzogen. Er wählte den Priesterstand aus Liebe zu Gott und zum Nächsten und wurde wegen seiner Kenntnisse und Tugenden bald zum Bischof geweiht. Er scheint ein sogenannter Regionarbischof gewesen zu sein, d. h. ein solcher, der noch keinen bestimmten Sitz hatte, sondern in verschiedenen Gegenden den christlichen Glauben verbreitete und befestigte. Im Jahre 649 wollte er nach Ungarn gehen, um dort die noch heidnischen Bewohner (Avaren) zu bekehren. Gott hatte ihn aber zum Glaubensprediger für Bayern bestimmt. Als er nach Regensburg kam, suchte ihn der damalige Herzog Theodo I. bei sich zu behalten. Emmeram verstand sich dazu, da er hörte, daß in Ungarn ein Krieg alles verwirre, und ihm der bayerische Herzog den großen Mangel an Geistlichen in seinem Lande auf eine rührende Weise vorgestellt hatte. Denn Theodo wußte aus Erfahrung, daß er durch die Segnungen des Christentums für das zeitliche und ewige Wohl seiner Untertanen am besten sorgen könne.

Drei Jahre wanderte der heilige Emmeram unter vielen Beschwerden mit großer Geduld als Prediger der Lehre Jesu durch die Dorfschaften und Flecken Bayerns und bewirkte durch seine Lehre und seinen heiligen Wandel viele Bekehrungen und Segnungen, auch in Regensburg, wo er oft predigte.

Als der heilige Bischof drei Jahre mit unermüdlichem, apostolischem Eifer segensreich gewirkt hatte, unternahm er wichtiger Geschäfte wegen eine Reise nach Rom. Er gelangte aber nicht dahin; denn er musste sein Leben durch ein schreckliches Martyrium beenden. Die Veranlassung hierzu war folgende: Uta, eine Tochter des Herzogs, hatte sich mit Sigibald, einem frechen jungen Adeligen, durch Unzucht versündigt. Bald zeigten sich die Folgen; da kam Uta voll Reue und Angst zu dem Bischof, der, wie sie bereits wußte, sich zur Reise nach Rom anschickte, bekannte unter vielen Tränen ihre Schandtat, und bat den heiligen Mann um Hilfe und Rat. Der Heilige ermahnte sie vor allem zu einer ernstlichen Buße und riet ihr, sie solle in der Stille sich vom Hofe entfernen und ihm nach Italien folgen; er wolle dort so lange für sie sorgen, bis er sie mit dem Vater wieder versöhnen könnte. Diesen Rat, der er ihr aus wohl meinender Absicht gegeben hatte, offenbarte er einem frommen Priester, damit derselbe sich seiner Ehre annehmen könnte, wenn etwa die Nachreise der Uta übel ausgelegt werden sollte. So wird behauptet; jedenfalls riet und tat er, was seines Amtes würdig war. Sobald der heilige Bischof die Reise angetreten hatte, ergriff Uta die Flucht, wurde aber sogleich eingeholt und zur Rede gestellt. Sie gestand, was sie zur Flucht veranlaßt hatte, setzte aber aus Eingebung des bösen Geistes hinzu, daß Emmeram ihr Verführer gewesen sei. Sie meinte wohl, auf diese Weise würde Sigibald der Gefahr des grausamen Todes, den er sonst zu befürchten hatte, entzogen, und dem frommen Bischof würde dennoch kein Leid zugefügt werden können, weil derselbe schon weit genug entfernt wäre und wegen seiner hohen geistlichen Würde von ihrem Vater nicht zur Strafe gezogen werden könne. Sie dachte vielleicht auch, auf diese Weise desto eher die Verzeihung ihres Vaters zu erlangen. Allein die Sache nahm eine ganz andere Wendung.

Landbert (Lambert), ein Bruder der Uta, voll Grimm und Wut, entschloss sich auf der Stelle, die seiner Schwester und dem ganzen herzoglichen Hause zugefügte Schmach zu rächen. Er setzte sich zu Pferde, nahm einige verwegene Diener mit sich, eilte dem heiligen Bischof nach und traf ihn zu Helfendorf, noch auf bayerischem Gebiet, als er gerade mit seinen Gefährten die kirchlichen Tagzeiten verrichten wollte. Beim ersten Anblick des heiligen Bischofs brach der rachgierige Landbert in einen Strom von Schmäh- und Lästerworten aus. Der heilige Bischof wußte bereits durch göttliche Offenbarung, was ihm bevor stünde; er wollte sich zwar verantworten und seine Unschuld an den Tag legen und berief sich auch auf das Urteil und den Ausspruch des Papstes, von dem er gerichtet werden müsse; allein man gab ihm kein Gehör. Landbert befahl, den heiligen Emmeram an eine Leiter zu binden, und ein Glied nach dem andern von seinem Leibe abzuschneiden, damit er eines langsamen und recht schmerzlichen Todes sterben müsste. Die unbarmherzigen Mörder kamen dem gottlosen Befehl nach. Sie stachen dem Heiligen zuerst die Augen aus, schnitten ihm einen Finger nach dem andern ab, dann die Ohren und die Nase, hieben ihm die Hände und Füße ab und ließen ihn so in seinem Blute liegen, in der Meinung, daß er bald sterbe. Dies geschah am 22. September im Jahre 652.

Der heilige Bischof zeigte während dieser grausamen Martern eine unüberwindliche Geduld, bat Gott für seine Peiniger und rief ihn, solange er konnte, um seinen Beistand an. Als Landbert mit den Seinigen sich wieder auf den Rückweg begeben hatte, kamen die Gefährten des heiligen Bischofs, welche die Flucht ergriffen hatten wieder herbei, legten mit Hilfe der Einwohner von Helfendorf den heiligen Bischof auf einen Wagen, überbrachten so den heiligen Leib nach Aschheim und bestatteten ihn dort mit großer Ehrenbezeigung zur Erde. Die Unschuld des heiligen Bischofs machte Gott bald darauf bekannt; denn die vielen Wunder, welche gleich nach dem Tode des Heiligen bei seinem Grabe geschahen, waren unleugbare Zeugnisse für dieselbe. Der Herzog Theodo erkannte dieselben gar wohl, und tief reute ihn das Geschehene. Um die dem heiligen Bischof zugefügten Unbilden einigermaßen zu ersetzen, ließ er den heiligen Leib desselben nach Regensburg überbringen und in seiner Gegenwart in der Kapelle des heiligen Georg begraben. Später (etwa 697) wurde daselbst das herrliche und berühmte Kloster (jetzt Schloß des Fürsten Taxis) samt einer ansehnlichen Kirche zu Ehren des heiligen Bischofs Emmeram erbaut, und der Leib des Heiligen dorthin übertragen. Uta, die Verleumderin, wurde vom Herzog enterbt und nach Italien verbannt und brachte ihr Leben in vielen Leiden zu. Landbert entfloh nach Ungarn, wo er ein elendes Ende nahm.

Der selige Emmeram ist der Patron der Stadt und Diözese Regensburg. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 756 – S. 758

Category: Bischöfe
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