Heiliger Servatius Bischof von Tongern

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

13. Mai

Der heilige Servatius Bischof von Tongern

Der heilige Servatius ward im Anfang des vierten Jahrhunderts geboren, von seinen adeligen Eltern standesgemäß erzogen und erwarb sich durch Tugend und Gelehrsamkeit einen solchen Ruhm, daß man ihn für würdig hielt, der Kirche von Tongern (Lüttich) als Bischof vorzustehen. Er zeigte in dieser Würde eine unermüdliche Sorgfalt. Manche Tage brachte er zu, ohne die mindeste Speise oder Trank zu sich zu nehmen. In allen, sowohl öffentlichen als besonderen Anliegen nahm er seine Zuflucht zum Gebet. Er hatte einen recht apostolischen Eifer, die Reinheit des wahren Glaubens bei seinen Untergebenen zu erhalten. Verschiedenen Kirchen-Versammlungen, welche zur Aufrechthaltung der katholischen und Vertilgung der ketzerischen Lehre des Arius gehalten wurden, wohnte er mit großem Nutzen bei. Als damals die wilden Hunnen in Deutschland eingefallen waren und auch Frankreich bedrohten, begab er sich, auf Ersuchen mehrerer Kirchenfürsten, nach Rom, um bei den Gräbern der heiligen Apostel Petrus und Paulus deren Fürbitte bei Gott um Abwendung der bevorstehenden Drangsale der Kirche wirksamer anzuflehen. Nach langem Gebet überfiel in dort der Schlaf, und während desselben hatte er eine Erscheinung. In diesem Gesichte sprach der Apostel Petrus zu Servatius also: „Du Mann Gottes! Warum hörest du nicht auf, zu bitten und zu weinen? Du sollst wissen, Gott habe fest beschlossen, daß Frankreich samt anderen Ländern und Städten in Europa wegen ihrer Sünden von den Hunnen verheert werden sollen. Auch der Stadt Tongern (Lüttich in Belgien) wird dies wegen ihrer Laster widerfahren. Dir aber verleiht Gott die Gnade, daß du dieses Elend nicht ansehen müssest. Eile nun nach Hause, nimm daselbst mit dir, was zu deinem Begräbnis notwendig ist, und gehe nach Maastricht; denn diese Stadt wird Gott deinetwegen vor dem Einfall der Hunnen bewahren, damit du ein ruhiges Begräbnis habest.“ Der heilige Servatius war über eine so unerwartete Botschaft anfangs sehr bestürzt; doch ergab er sich in den göttlichen Willen, und kehrte in sein Bistum zurück.

Bereits waren die Hunnen in Frankreich eingebrochen; auf dem Heimweg fiel ihnen der Heilige in die Hände und wurde von denselben in einen finsteren Kerker geworfen, am folgenden Tage aber wieder losgelassen, weil Gott der Herr ein himmlisches Licht über dem heiligen Bischof erscheinen ließ. Die Barbaren, dadurch erschreckt, ließen ihn also gleich los. Er kündigte sowohl in Frankreich, als besonders in seinem Bistum die bevorstehende Strafe Gottes mit weinenden Augen an und ermahnte alle zu einer ernstlichen Buße, damit die Einwohner wenigstens die göttliche Züchtigung sich zu Nutzen machen könnten, um nicht ewig zugrunde zu gehen. Dann begab er sich nach Maastricht und ließ dort sein Grab bereiten; „Denn“, sagte er, „ich muss bald sterben“. Was er sagte, traf auch ein. Es ergriff ihn ein Zehrfieber, das für ihn den Tod herbeiführte am 13. Mai 384, im Alter von 96 Jahren. Was der heilige Petrus ihm angekündigt hatte, ward alles erfüllt. Frankreich und andere Länder wurden durch die Hunnen schrecklich verheert; die Stadt Maastricht aber blieb in Ansehung des heiligen Servatius befreit. Die vielen Wunder, welche in der Folge bei dem Grabe desselben geschahen, machten ihn bei der ganzen Christenheit berühmt.

aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 352-353

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