Heiliger Dunstan Erzbischof von Canterbury

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

19. Mai

Der heilige Bischof Dunstan von Canterbury

Der heilige Dunstan, Erzbischof von Canterbury in England, wurde im Jahre 924 aus einer edlen Familie zu Gladstonebury geboren. Seine Mutter Kinedrid war der heiligen Mutter Gottes vom herzen ergeben. Als sie ihn noch unter dem Herzen trug, wohnte sie am Fest Mariä Lichtmess in der Kirche U. L. Frau dem heiligen Gottesdienst mit ihrem Gemahl Herstan bei. eine Menge Volkes war in der Kirche. Bereits waren die Kerzen zur Prozession angezündet; schon hatten die Geistlichen einen Teil des Chorgebetes vollendet und bereits waren sie zur Stelle gekommen, wo es heißt, daß die Eltern Maria und Joseph den Knaben Jesus zum Tempel führten, als plötzlich die Majestät des Herrn im Tempel erschien, alle Lichter auslöschte und das ganze Gotteshaus mit Finsternis bedeckte. Gewaltiger Schrecken erfaßte alle, wie versteinert standen sie da. Plötzlich aber erglänzte ein himmlisches Licht und ein Strahl zündete die Kerze an, welche die Mutter des heiligen Dunstan in der Hand trug. War zuerst groß der Schrecken, so war jetzt groß die Freude; ein Zeichen war es vom Himmel, daß das Kind, welches Kindrid unter dem Herzen trug, ein Licht sein werde für Viele zu ewigen Heil.

Kaum hatte Dunstan das Alter der Vernunft erreicht, so übergaben ihn seine Eltern den schottischen Mönchen im Kloster seiner Vaterstadt zur Erziehung. Hier wurde seinem Herzen innige Liebe zu Gott und der Lieben Frau eingepflanzt und hier erwarb er sich durch seinen Fleiß die seltensten Kenntnisse in den geistlichen sowohl als schönen Wissenschaften so daß ihn der König Athelstan zu sich nahm. –

Doch nicht lange weilte Dunstan am Hof des Königs; Verleumder, die ihn der Zauberei beschuldigten, entzogen ihm dessen Gunst. Er begab sich nun zum Bischof von Wentone, seinem Verwandten, der ihm den Rat gab, die Welt zu verlassen und Mönch zu werden. Doch Dunstan sträubte sich längere Zeit dagegen, und wußte nicht, was er tun sollte. Da ergriff ihn ein heftiges Fieber, das ihn an den Rand des Grabes brachte. In dieser Not faßte er endlich den Entschluss, der Welt zu entsagen. Er erinnerte sich, daß ihn seine Mutter schon unter ihrem Herzen der heiligen Jungfrau geweiht habe, und gelobte nun der unbefleckten Gottesmutter jungfräuliche Reinigkeit sein Leben lang. Er ließ den Bischof herbei rufen und bat ihn um seinen Segen. Der Bischof, hoch erfreut, über diese Umänderung des Jünglings, gab ihm sogleich das Ordenskleid, erteilte ihm hierauf die Priesterweihe, und stellte ihn an der Kirche der Lieben Frau zu Gladstonbury an. –

Bei dieser Kirche wohnte er in einer grabähnlichen Zelle, dem Gebet und strengen Bußwerken obliegend, und Viele kamen, um sich an seinem Leben zu erbauen. Unter andern kam auch ein Weib, Namens Elvigia, aus königlichem Geblüt, von großem Reichtum, an dem ihr Herz hing. Kaum hatte sie aber den heiligen Dunstan gehört, als sie so sehr von der Süße des ewigen Lebens ergriffen wurde, daß sie beschloss, nicht mehr nach Hause zurück zu kehren, sondern in der Nähe des Heiligen zu bleiben und Gott in den Armen und in Übung der Buße zu dienen. –

Der Verehrung der seligsten Jungfrau war dieses gottselige Matrone so ergeben, daß sie an ihrer Kirche sehr viele Mönche mit größter Freigebigkeit unterhielt, auf daß sie die Himmelskönigin lobpreisen und ihre Verehrung verbreiteten, daher sie denn auch bei der Lieben Frau so hoch in Gnaden stand, daß sie in jedem Anliegen Hilfe bei ihr fand. Eines Tages machte König Athelstan eine Wallfahrt zur Lieben Frau nach Gladstonbury. Elgiva wollte den König bewirten und lud ihn zum Mahl ein. Der König, der nicht wußte, was Elgiva den Armen tat, nahm die Einladung an. Elgiva sagte vor dem Mahl den Dienern desselben, sie möchten sich umsehen, ob Alles zur Bewirtung des Königs bereitetet sei.

Diese gaben zur Antwort, es sei genug, wenn nur der Trank nicht fehle, den der König gerne trinke. Elgiva entgegnete: „Meine Herrin, die Mutter meines Herrn Jesu Christi, wird nicht mangeln lassen, was dem König geziemt“, und in die Kirche eilend flehte sie zur Gottesmutter, ihre Güte möge doch vermehren, was sie für den König zu wenig besitze. Der König kommt mit einem großen Gefolge; die Diener des Königs füllen den Becher mit dem gewünschten Trank und siehe, das Gefäß, aus welchem sie schöpfen, wird nicht leer. Den ganzen Tag schöpfen sie und reichen zum Trunk die Becher, und immer ist das Gefäß gefüllt. Darob staunte der König und rief aus: „Was haben gegen diese Dienerin Gottes gefehlt, daß wir sie so sehr beschwert haben“, und kehrte staunend nach Hause zurück.

Längere Zeit noch führte Elgiva unter der Leitung des heiligen Dunstan ein gottgefälliges Leben. Nach ihrem heiligen Tod errichtete Dunstan aus ihrem Vermögen fünf Klöster. – Unterdessen starb König Athelstan und sein Bruder Edmund gedachte alsbald des heiligen Dieners Gottes, seiner Frömmigkeit und Weisheit und erhob ihn zum Abt des Kloster zu Gladstonbury. Nach dem Tod Edmunds kam die Krone an Edwin, der ein ausschweifendes Leben führte. Am Krönungstage verließ derselbe plötzlich die versammelten Großen des Reiches, um in einem nahen Zimmer mit zwei Weibern sündhafter Lust zu frönen. Der heilige Dunstan aber folgte ihm dahin nach, und stellte ihm freimütig seine Pflichten gegen Gott und die Menschen vor. Darob schwur ihm Eines der Weiber Rache und bald musste Dunstan dieselbe fühlen. Er wurde in die Verbannung geschickt und ging nach Gent in Flandern; doch nicht lange weilte er dort. Edwin wurde vom Thron gestürzt, seine Buhlerin ermordet, und König Edgar, dessen Nachfolger, rief Dunstan zurück und erhob ihn zum Bischof von Worcester und Loudwet.

Jetzt zeigte sich die Weisheit und die geistige Kraft des heiligen Dunstan in ihrer ganzen Größe. Vor Allem verbesserte er die Sitten der Priester, Allen an Tugend voran leuchtend.- Er führte in den Klöstern die Regel des heiligen Benedikt auf ihre alte Strenge zurück, und bewog den König Edgar, überall solche Klöster, wahre Pflanzschulen des Glaubens, der guten Sitte und der Wissenschaft, zu errichten. Unerschrocken widersetzte er sich den Lastern der Großen; und dem König Edgar, der eine Jungfrau schändete, legte er eine Buße von sieben Jahren auf, innerhalb deren er die Krone nicht tragen, zweimal in der Woche fasten, reichliches Almosen geben und ein Kloster für Jungfrauen stiften musste. Der König bereute seine Tat, und übernahm willig die harte Buße. Dunstan arbeitete unermüdlich am Heil der Seelen steuerte den Missbräuchen, bekämpfte die herrschenden Irrtümer und predigte überall gleich einem Johannes dem Täufer. Zuweilen zog er sich in das geliebte Kloster nach Gladstonbury zurück, um dort bei der Lieben Frau durch Gebet und Betrachtung sich wieder Kraft und Stärke zu seinem heiligen Amt zu holen; auch weilte er gerne in der Kirche des heiligen Augustin bei der Stadt Canterbury, wo ihn eines Tages eine Krankheit befiel. Obwohl krank, predigte er doch am Fest der Himmelfahrt Christi dreimal das Wort Gottes, und empfahl sich am Ende seiner dritten Predigt dem Gebet der Zuhörer, indem er bemerkte, daß er bald von ihnen werde getrennt werden. Nachmittags kehrte er in die Kirche zurück, wählte da den Ort, wo er begraben werden wollte, und legte sich hierauf zu Bett, um den Tod zu erwarten. Bereits hatte er die heiligen Sakramente empfangen; in tiefe Betrachtung versenkt, ward er im Geiste in den Himmel erhoben, sah dort unter den Scharen der Engel seine selige Mutter und hierauf hatte er das große Glück, diejenige zu sehen, die er mehr als seine leibliche Mutter liebte. Es erschien ihm Maria, die Himmelskönigin, von einem Kranz der glänzendsten Jungfrauen umgeben, die da mit süß tönender Stimme ein Loblied auf den göttlichen Heiland sangen. –

Bis zum Samstag am 19. Mai des Jahres 988 brachte er die Zeit im beständigen Gebet zu, und seine letzten Worte, als er den geist aushauchte, waren eine herzinnige Dankbarkeit für alle Gnaden, die ihmGott so reichlich verliehen hatte. (Ex Bollando.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1248 – Sp. 1250

Category: Bischöfe, Ott
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