Kurze Auslegung des Vaterunser

Goffine: Kurze Auslegung des heiligen „Vater unser“

Warum beginnt dieses Gebet mit den Worten: „Vater unser“?

Um uns dadurch zu kindlichem Vertrauen auf Gott, als unsern Vater, der alle liebt und allen zu helfen bereit ist, zu ermuntern und zugleich an die Ihm schuldige Ehrfurcht zu erinnern, welche, wie oben gesagt worden, notwendige Erfordernisse beim gebet sind.

Warum heißt es: „Der Du bist in dem Himmel“, da Gott doch überall ist?

Um uns zu ermahnen, daß wir unsere Herzen mit Sehnsucht zum Himmel erheben, wo unser Vaterland ist, wo Gott den Thron seiner Herrlichkeit aufgeschlagen hat.

Um was bitten wir in diesem Gebet?

In der ersten Bitte: „Geheiligt werde dein Name!“
drücken wir den sehnlichen Wunsch aus, daß Gott von allen Menschen erkannt, geliebt und sein Name durch ein christliches Leben verherrlicht werde.

In der zweiten Bitte: „Zukomme uns dein Reich!“
bitten wir Gott, daß Er mit seiner Gnade in uns einkehre und herrsche, seine Kirche auf der ganzen Erde verbreite und nach unserm Tode uns die ewige Seligkeit erteilen wolle.

In der dritten Bitte: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!“
opfern wir uns ganz Gott auf uns erklären uns bereit, den Anordnungen seines göttlichen Willens uns auf solche Weise zu unterwerfen, wie die Engel im Himmel, und bitten um die Gnade, dies tun zu können. –

In diesen drei Bitten lehrt uns also Jesus, zuerst das Reich Gottes (Luk. 12, 31) suchen, damit das Übrige uns zugegeben werde.

In der vierten Bitte: „Gib uns heute unser tägliches Brot!“
bitten wir um alles, was uns täglich für den Leib (Nahrung, Kleidung, etc.) und die Seele (die Gnade, das göttliche Wort etc.) notwendig ist; daß Gott also auch Misswachs, Hagel und jeglichen Schaden von uns abwenden und gedeihliche Witterung etc. geben wolle. Das Wörtchen „heute“ erinnert uns, daß wir täglich, aber nur um das Notwendige für uns und andere bitten, alle übermäßige Sorge für die Zukunft vermeiden und die tägliche Nahrung mit Vertrauen von Gott erwarten sollen.

In der fünften Bitte: „Vergib uns unseres Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!“
erklären wir uns als Sünder und bitten Gott um Verzeihung unserer Sünden – aber nur insofern wir selbst unsern Beleidigern verzeihen. Wir sollen also hierbei wohl bedenken, daß wir von Gott keine Verzeihung erhalten, wenn wir bei dieser Bitte noch Feindschaft gegen jemand im herzen haben. (Mark. 11, 25)

In der sechsten Bitte: „Führe uns nicht in Versuchung!“
bekennen wir unsere Schwachheit und bitten im Gefühl derselben, daß Gott die Versuchungen von uns hinweg nehme oder, wofern Er sie zulassen wolle, uns in den Versuchungen, welche uns von der Welt, dem Fleisch und dem Teufel bereitet werden, mit seiner Gnade stärke, damit wir nicht einwilligen, sondern kämpfen, siegen und uns Verdienste und die Krone der Gerechtigkeit erwerben.

In der siebenten Bitte: „Sondern erlöse uns vom Übel!“
bitten wir Gott, daß Er uns vor Irrtum, Sünde und der nächsten Gelegenheit dazu, vor einem bösen Tod und der Hölle bewahre und auch die zeitlichen Übel als Pest, Hunger, Krieg etc., gnädig von uns abwenden wolle, sofern es unserm Seelenheil zuträglich ist.

Mit dem Wort „Amen“ – „Es geschehe“ bitten wir Gott zu erfüllen, um was wir zu Ihm gefleht haben. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 292 – S. 293

Category: Christenlehre, Goffine
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