Unterricht über das heiligste Altarsakrament

Zu Fronleichnam und zur allgemeinen Anbetung: Auf dem durch drei Bögen aufgeteilte Bild sieht man in der Mitte den Altar, auf dem Monstranz mit dem allerheiligsten Altarsakrament steht sowie vier brennende Kerzen; links knien zwei Nonnen in anbetender Haltung, rechts kniet ein Mönch; über ihm sieht man Engel in dem Bogen

Unterricht über das allerheiligste Altarsakrament

„Gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altares!“

Wie ist Jesus Christus im heiligsten Altarsakrament gegenwärtig?

1) Er ist gegenwärtig, wie das Konzil von Trient lehrt, unter den Gestalten von Brot und Wein, und zwar a) wahrhaft, nicht bloß wie in einem Bilde oder Zeichen, wie Zwingli lehrte; – b) wirklich, nicht bloß für den Glauben des Empfangenden, wie Calvin lehrte; – c) wesentlich, nicht bloß der Kraft und Wirkung nach, wie Luther meinte; sondern das wahre und wirkliche Wesen des Leibes und Blutes Jesu Christi ist gegenwärtig.

2) Christus ist im heiligsten Altarsakrament unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, wie es im tridentinischen Glaubens-Bekenntnis heißt: „Ich bekenne, daß in dem heiligsten Sakrament des Altares wahrhaft, wirklich und wesentlich der Leib und das Blut unseres Herrn Jesu Christi mit seiner Seele und Gottheit zugegen ist.“

In der heiligen Eucharistie ist zugegen der am Kreuz hingeopferte Leib Christi; denn Christus sagt: „Dies ist mein Leib, der am Kreuze für euch dahin gegeben wird“, aber nicht der bloße Leichnam ist hier zugegen, sondern Christi verklärter und verherrlichter Leib. Dieser in der Eucharistie gegenwärtige, getötete, aber wieder auferweckte und verklärte Leib Christi ist seiner Wesenheit nach ganz derselbe, welchen die Jungfrau Maria geboren hat, und der auf Erden herum gewandelt ist. Da Christus nicht mehr stirbt, so ist, wo sein Leib, auch sein Blut, und, wo sein Blut, auch sein Leib, und, wo Leib und Blut, auch die Seele, also die ganze menschliche Natur Christi, und, wo diese, auch die mit ihr vereinigte Gottheit.
Es ist einleuchtend, daß auf diesen verklärten Leib Christi im heiligsten Sakrament die gewöhnlichen Naturgesetze und Verhältnisse keine Anwendung finden, daß Er daher nicht in irgend welcher Ausdehnung, in irgend welcher Größe, sondern der Substanz nach gegenwärtig ist. Diese aber kann sowohl in einem kleinen wie in einem großen Raum gegenwärtig sein, wie z.B. das Wesen des Wassers sowohl in einem großen als in einem kleinen Behälter sein kann.

3) Hieraus folgt, daß Christus gegenwärtig ist in jedem Teil einer jeden Gestalt, und daß Er nicht gebrochen oder verändert wird, wenn die Gestalten gebrochen oder verändert werden. Dieses alles lehrt uns der hl. Thomas, der englische Lehrer so schön in dem herrlichen Hymnus „Lauda Sion“, den die Kirche in der Fronleichnams-Oktav singt:

Lauda Sion Sequentia – Gregorian

„Wundergroßes ist enthalten
Unter zweierlei Gestalten,
Die jedoch nur Zeichen sind:
Blut und Fleisch zu Trank und Speise,
Da sich doch in beider Weise
Christus ungeteilt befind`t.

Wer zu diesem Mahle eilet,
Nimmt Ihn ganz und unzerteilet,
Unzerbrochen, unversehrt.
Einer kommt und tausend kommen,
Keiner hat noch mehr genommen,
Und Er bleibt doch unversehrt.

Wird die Hostie auch gespalten,
Zweifle nicht an Gottes Walten,
Daß die Teile das enthalten,
Was das ganze Brot enthält.
Niemals kann das Wesen weichen,
Nur gebrochen wird das Zeichen,
Sach` und Wesen sind die gleichen,
Beide bleiben unentstellt.“

Alle diese Geheimnisse sieht der menschliche Verstand nicht ein.

„Was dabei das Aug` nicht siehet,
Dem Verstande selbst entfliehet,
Sieht der feste Glaube ein.“

(St. Thomas)

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Wie wird Jesus Christus in solcher Weise im heiligsten Altarsakrament gegenwärtig?

Wir bekennen mit dem Konzil von Trient, daß die ganze Wesenheit des Brotes in den Leib und die ganze Wesenheit des Weines in das Blut Christi verwandelt wird, welche Verwandlung die katholische Kirche Transsubstantiation (d.i. Verwandlung einer Substanz in die andere) nennt.

Christus wird also in der Eucharistie gegenwärtig durch Verwandlung des Brotes in seinen Leib und des Weines in sein Blut, dergestalt, daß nach geschehener Verwandlung von wein und Brot nichts mehr übrig ist als die äußeren Gestalten mit den in die Sinne fallenden Eigenschaften und Merkmalen, als: Farbe, Geruch, Schwere, Form etc. Diese Lehre gründet sich auf das Wort des lieben Heilandes selbst; denn Er sagte: als Er den Jüngern das gesegnete Brot darreichte, nicht: „Nehmet und esset! Dieses enthält meinen Leib“, sondern: „Dieses (was ihr da sehet) ist mein Leib“; es muss deshalb das Wesen des Brotes in das Wesen des Leibes Christi verwandelt worden sein. So hat die Kirche es stets verstanden und gelehrt.

Wann wird und ist Jesus Christus in der heiligen Eucharistie gegenwärtig?

Er wird und ist gegenwärtig in dem Augenblick, in welchem ein rechtmäßig geweihter Priester in der heiligen Messe die heiligen Konsekrationsworte über die Opfergaben spricht. Er ist also vor, in und nach dem Genuss gegenwärtig und nicht, wie die Irrlehrer des sechzehnten Jahrhunderts behaupteten, nur beim Genuss. Das Sakrament des Altares ist also ein fortdauerndes Sakrament, weil Christus der Herr vor, in und nach dem Genuss darin gegenwärtig ist, solange die Gestalten dauern. Durch diese fortdauernde Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie erhalten unsere Kirchen einen unschätzbaren Wert, weil Christus in denselben seinen bleibenden Thron der Liebe und Barmherzigkeit aufgeschlagen hat. O wie heilig sind doch unsere Kirchen! O wie gut ist dieser Gott, daß Er beständig bei uns wohnt! O wie undankbar sind wir, daß wir Ihn so viel allein in unsern Kirchen lassen!

Wozu hat Jesus Christus das heiligste Altarsakrament eingesetzt?

1) Um beständig bei seiner Kirche zu sein;
2) um sich stets für uns als Hoherpriester in geheimnisvoller Weise zu opfern, und
3) um uns als göttlicher Hirte zum ewigen Leben zu ernähren.

Welch liebevolle, erhabene Absichten! O daß wir doch denselben besser entsprechen würden!

Wer sind die Verwalter dieses heiligen Sakramentes?

Die Apostel und ihre rechtmäßigen Nachfolger, die Bischöfe und die von ihnen geweihten Priester. „Tuet dies zu meinem Andenken!“ sagte der göttliche Heiland zu den Apostel und übergab ihnen damit die Gewalt, dasjenige zu tun, was Er eben selbst getan hatte, die Gewalt der Wesensverwandlung. Welch eine unaussprechliche Würde haben die Priester! O daß weder sie noch die Gläubigen dieselbe vergäßen!

Welche Pflichten haben wir gegen die Gegenwart Jesu im heiligsten Altarsakrament?

Wir sind dem im heiligsten Altarsakrament gegenwärtigen Heiland Anbetung schuldig, und zwar:

1) bei der heiligen Messe;
2) bei der heiligen Kommunion;
3) wenn das allerheiligste Sakrament zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt oder in Prozession herum getragen wird;
4) wenn die allerheiligste Wegzehrung zum Kranken gebracht wird; und
5) so oft es uns möglich ist, wenn nicht dem Leibe, so doch dem Geiste nach.

Der hl. Alphons von Liguori sagt: „Das unterliegt keinem Zweifel, daß von allen Andachtsübungen, den Empfang der heiligen Sakramente allein ausgenommen, – die Anbetung Jesu im hochwürdigsten Gute die erste, Gott angenehmste und für uns nützlichste ist.“ –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem., Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 341 – S. 344

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