Unterricht über die Heiligsprechung

Der heilige Joseph trägt das Jesuskind auf den Schultern, umringt von den Heiligen aus allen Ständen

Kurzer Unterricht über die Heiligsprechung

Die heilige Kirche verehrt nur jene als Heilige, welche entweder den Martertod erlitten haben, oder deren Heiligkeit durch unzweifelhaft erwiesene Wunder bestätigt ist. Um letzteres festzustellen, wird eine äußerst strenge Untersuchung vom Papst angeordnet.

Worin besteht diese Untersuchung?

1) Es wird von den hierzu bestellten päpstlichen Behörden genau untersucht, ob der Verstorbene Tugenden im heldenmütigen Grade geübt habe. Läßt sich dies sicher nachweisen, so wird der Verstorbene als „venerabilis“ (ehrwürdig) erklärt.

2) Werden wenigstens zwei Wunder, die auf die Fürbitte dieses Verstorbenen geschehen sind, klar nachgewiesen, so erklärt ihn der Papst als „beatus“ (selig), und es ist eine beschränkte öffentliche Verehrung desselben gestattet.

3) Können später wieder mindestens zwei Wunder, die auf die Fürbitte des Seligen nach der Seligsprechung geschehen sind, genau nachgewiesen werden, so wird er vom Papst als „sanctus“ (heilig) erklärt und ist dann dessen unbeschränkte Verehrung in der ganzen Christenheit gestattet.

Wie geschieht die Untersuchung der Wunder?

Sie geschieht von eigens hierzu aufgestellten Gelehrten und wird so streng und genau gepflogen, daß oft die Mehrzahl der vorgebrachten Wunder nicht anerkannt wird. Es bedarf nicht der leiseste vernünftige Zweifel über die Wirklichkeit und Übernatürlichkeit der gemeldeten Tatsachen obwalten. Freilich Menschen, die nicht an die Gottheit Jesu, an die Göttlichkeit der von Ihm gestifteten katholischen Kirche glauben wollen, wollen auch an keine Wunder glauben, und es kann sie ihnen kein Gerichtshof der Welt beweisen, weil man eben dem freien Willen nichts aufdrängen kann. Die oft gehörte Bemerkung, als werde jemand um Geld heilig gesprochen, ist eine boshafte Erfindung. Wie bei jeder Untersuchung müssen auch hier deren Kosten bestritten werden. –
aus: Leonhard Goffine, Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 680

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