Den Teufel darf der Christ nicht fürchten

Warum der Christ den Teufel nicht fürchten soll

Die Macht und Ohnmacht des Teufels

Die wirkliche Macht des Teufels

Diese ist an und für sich sehr groß aus zwei Gründen: einerseits weil der Teufel, oder besser die Teufel ihrer Wesenheit nach von Gott erschaffen, mit vorzüglichen Kräften und Fähigkeiten begabte Engel sind, an natürlicher Begabung der Erkenntnis und des Wissens alle Menschen, die gelehrtesten und weisesten weit übertreffen und folglich eine ihren Vorzügen vor den Menschen entsprechende sehr große Macht besitzen; anderseits weil ihre Zahl eine ungeheure ist und die der lebenden Menschen weit übertrifft. Denn die Meinung der heiligen Kirchenlehrer spricht sich dahin aus, daß der dritte Teil aller erschaffenen Engel im Stolz wider Gott sich empört habe und aus dem Himmel verstoßen worden sei. Ist nun die unsichtbare Geisterwelt unvergleichlich größer als die sichtbare Körperwelt; ist in dieser Körperwelt unsere Erde einer der kleinsten Planeten und auf diesem Planeten die Zahl der Menschen viel kleiner als die der übrigen Geschöpfe, der Tiere, der Pflanzen oder der Mineralien, so muss der dritte Teil der gefallenen Engel eine unermeßliche Summe ausmachen. Diese satanische Macht, welcher die Heiden huldigen und göttliche Verehrung erweisen, nennt Jesus (Joh. 16) „den Fürsten dieser Welt“ und der hl. Petrus (1. Petr. 5) „den brüllendenLöwen“, welcher der König der Tiere ist.
Gottes unendliche Güte, Weisheit und Gerechtigkeit jedoch gestattet dem Teufel nur in beschränktem Maße mit seiner ungeheuren Macht die Menschen zu hassen: entweder um die Guten zu prüfen oder die Bösen zu züchtigen. So durfte der Teufel den hl. Job prüfen, aber nicht töten, weil er gottesfürchtig war und durch diese Prüfungen verherrlicht wurde; die sieben Bräutigame der Tochter Raguel`s durfte er erwürgen, weil sie unkeusch waren und in böser Absicht die Ehe geschlossen hatten.

Die Ohnmacht des Teufels

Diese ist den Getauften und in der heiligmachenden Gnade Verharrenden gegenüber eine vollständige. Es ist katholische Glaubenslehre, daß Jesus als Mensch durch seinen Opfertod am Kreuz den Teufel besiegt hat, daß jeder Mensch durch die heilige Taufe wieder geboren und Christo einverleibt wird und folglich in Christus (so lange er in dieser Gnaden-Verbindung mit Christus bleibt) auch über den Teufel herrscht. „Dieser ist dem wahren Christen gegenüber ganz ohnmächtig wie ein angebundener Kettenhund“, sagt der hl. Augustin: „er kann schmeicheln und locken, große Versprechungen machen und Freundschaft heucheln, oder auch toben und bellen, wüten und grauenhaft drohen; aber seine Kette zu zerreißen vermag er niemals, und beißen kann er nur denjenigen, welcher sich freiwillig und boshaft durch die Sünde von Jesus entfernt und ihm naht, in seine Versuchung einwilligt.“ Diese Lehre bekräftigt der hl. Petrus durch seine apostolische Ermahnung: „Brüder, seid nüchtern und wachsam; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne; dem widersteht standhaft im Glauben.“ (1. Petr. 5) Denn die kleinste übernatürliche Gnade ist ja unendlich stärker und mächtiger als die größte natürliche Macht. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 152 – S. 153

Kein Christ sollte den Teufel fürchten

Daß der Teufel die Menschen, besonders jene, welche das ernste Verlangen haben, ein gottgefälliges Leben zu führen, durch sein Versuchungen ängstigt und durch seine Blendwerke beunruhigt, und von ihrem Vorhaben abzuhalten sucht, ist eine ausgemachte Sache. Selbst den göttlichen Heiland hat er versucht und kein Heiliger hat je gelebt, der gegen seine arglistigen Angriffe nicht kämpfen musste. Seitdem Jesus am Kreuze gestorben ist, ist aber seine Macht gebrochen; mit der Gnade Gottes, durch das Kreuz des Herrn, kann jeder Christ den Versuchungen des bösen Feindes widerstehen. Kein Christ sollte daher den Teufel mehr fürchten; er kann dir nur dann schaden, wenn du seinen Versuchungen Gehör gibst, in seine Vorspiegelungen einwilligst und nach seinem Willen handelst. Der Teufel, sagt ein heiliger Kirchenvater, ist seit dem Tode Jesu einem Kettenhunde gleich, der zwar jeden Menschen anbellen, aber nur den beißen kann, der sich ihm naht, das heißt, der in seine Versuchungen einwilligt. Übrigens musst du nicht jede Versuchung alsbald dem Satan zuschreiben; gar oft ist der Mensch sich selbst ein Teufel; besonders wenn der Mensch seinen bösen Neigungen gar nicht Widerstand leistet und seinen bösen Gewohnheiten nicht absagt, oder wenn der Mensch selbst Gelegenheit zum Bösen aufsucht und dieselbe nicht meidet. Solche Menschen braucht der Teufel nicht viel zu versuchen, die versuchen sich selbst, und stürzen sich selbst in das Verderben. Wenn du also, christliche Seele, öfters in deinem Innern verschiedene Anregungen zu bösen Gedanken oder Werken empfindest, oder wenn allerhand garstige, böse Bilder vor die Augen deiner Seele treten, so fürchte dich nicht, setze dein Vertrauen auf Gott, rufe die heiligen Namen Jesus und Maria an, bezeichne dich mit dem heiligen Kreuze, erwecke die drei göttlichen Tugenden und die Versuchung wird fliehen. Dauert sie aber länger fort, so werde nicht kleinmütig, und merke dir: So lange dir die Versuchung zuwider ist, so lange du keine Freude daran hast, so lange du nicht einwilligst, hast du keine Sünde, ja dein Kampf gefällt Gott, ist verdienstvoll und wird einst belohnt werden. Willst du recht fromm leben, so werden die Versuchungen nicht ausbleiben; das Gold muss im Feuer geprüft und gereinigt, der Fromme muss durch das Feuer der Versuchungen für das Himmelreich tauglich gemacht werden!!!

Gebet.
O mein Gott, du kennst meinen guten Willen, dir zu gefallen, aber auch meine Schwachheit im Kampfe: gib mir nur die Gnade, daß ich den Versuchungen nicht unterliege, und bei jeder Versuchung sogleich zu dir meine Zuflucht nehme. Amen. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 292 – S. 293

Category: Christenlehre
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