Über die Tagesordnung des Christen

Die Tagesordnung des Christen

Im Leben des heiligen Schlossermeisters Baldomer wirst du auch finden, daß er all sein Tun und Lassen in größter Ordnung getan hat. Alles hatte bei ihm seine Zeit und jede Stunde des Tages verwandte er zu Gottes Ehre und Wohlgefallen, kurz er lebte nach einer gewissen Tagesordnung. Wenn du ein wahrer Christ, ein frommer, treuer Diener Gottes sein willst, so solltest du dir auch eine gewisse Tagesordnung entwerfen und festsetzen, nach welcher du dein Leben einrichtest.
Ich will dir nun eine solche kurze Tagesordnung entwerfen, die du leicht beobachten kannst, in welchem Stand du auch sein magst.

1) Stehe frühzeitig auf und sobald du erwachest und dein Bett verlassest, so denke a Gott und sage etwa, indem du dich mit dem heiligen Kreuz bezeichnest: „Im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesus stehe ich auf.“
2) Hast du dich angekleidet und gewaschen, dann verrichte dein Morgengebet. Unterlasse es ja nicht, auch wenn die Arbeit notwendig ist; du wirst mit deiner Arbeit doch noch fertig, und wirst gesegnet von Gott. Vergiß aber niemals beim Morgengebet die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe zu erwecken und die gute Meinung oder Aufopferung zu verrichten. Stelle dich auch unter den Schutz der lieben Frau und mache den Vorsatz: „Ich will dich, o mein Gott, an diesem Tag mit keiner Sünde beleidigen.“
3) Jetzt gehe frisch an die Arbeit und vergiß nicht des schönen Spruches: „In Gottes Namen denn, oder im Namen Jesu!“ Bei der Arbeit mache öfters einen frommen Seufzer, z. B. „Alles dir zu lieb, o Jesus“, oder: „Jesus, dir schenke ich mein Herz.“
4) Erlaubt es dein Stand, daß du an Werktagen dem heiligen Messopfer beiwohnen kannst, so unterlasse es ja nicht. O wie viele Gnaden kannst du dadurch erlangen!
5) Vor und nach dem Essen bete recht andächtig und erneuere, darnach wieder die gute Meinung und deinen Vorsatz.
6) Jetzt gehe wieder in Gottes heiligem Namen an die Arbeit, und hast du am Abend die Arbeit geendet, dann vergiß nicht des schönen Spruches: „Gott sei Dank allezeit.“
7) Ehe du schlagen gehst, knie nieder und verrichte andächtig dein Nachtgebet. Hast du Gott für alles Gute gedankt, dann erforsche jedesmal ernstlich dein Gewissen und frage dich: Welche Gedanken und Begierden du heute gehegt, welche Worte du geredet, was du heute Böses getan oder Gutes versäumt hast, und hast du eine Sünde gefunden, dann erwecke eine recht innige Reue und erneuere deinen Vorsatz; bitte Maria um ihre Fürbitte, deinen heiligen Schutzengel um Beistand, vergiß auch der armen Seelen nicht und lege dich dann im Namen Jesu zur Ruhe. Im Bett denke an den Tod, und schlafe ein im Namen Jesus, Maria und Joseph!

Wie wäre es, christliche Seele, wenn du von heute an diese Tagesordnung einhieltest? Glaube mir, es würde dich nicht reuen, und gewiß würdest du großen Nutzen für dein Seelenheil daraus schöpfen.

Gebet.
O mein Jesus, der du alle Stunden deines Lebens auf Erden deinem himmlischen Vater geweiht und durch lauter gute Werke geheiligt hast, gib mir die Gnade, daß ich jeden Tag zu deiner Ehre anfange, nach deinem heiligsten Willen zubringe und vollende! –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 289 – S. 290

Category: Christenlehre, Ott
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