Unterricht von der guten Meinung

Goffine: Unterricht von der guten Meinung

Worin besteht die gute Meinung?

Darin, daß man alle seine Gedanken, Worte und Werke im Namen Gottes, d.h. zu seiner Ehre und nach seinem heiligsten Willen verrichte. „Ihr möget essen oder trinken oder etwas anderes tun, so tuet alles zur Ehre Gottes!“ (1.Kor. 10,31)

Was nützt die gute Meinung?

Sie macht, wie der hl. Anselm sagt, alle, auch die geringsten Werke zu Gold, alle Worte, Gedanken und Werke verdienstlich und bewirkt, daß wir in der Todesstunde, gleich den fünf klugen Jungfrauen, den himmlischen Bräutigam mit Freuden erwarten dürfen, um von Ihm reichlich für alles belohnt zu werden.

Wann soll man die gute Meinung verrichten?

Jeden Morgen und öfters am Tage, besonders in Kreuz und Leid, beim Beginn schwerer und wichtiger Arbeiten.

Wie soll man die gute Meinung machen?

Man soll alles Gott aufopfern, als ein Opfer schuldiger Anbetung Ehre und Liebe, als ein Dankopfer für die empfangenen Wohltaten, als ein Versöhnungsopfer zur Genugtuung für eigene und fremde Sünden, endlich als ein Bittopfer, um neue Gaben und Gnaden für sich und andere zu erlangen durch die Verdienste Jesu und in Vereinigung mit seinen Werken, weil unsere Werke nur von diesen Wert und Verdienst erhalten. Diese Meinung erneuere man oft im Laufe des Tages, z.B. beim Stundengebet, beim Anfang einer neuen Arbeit etc., etwa mit den Worten: Herr, Dir zuliebe! – Alles Gott zu Ehren! – In der Meinung, die ich heute gemacht, will ich dieses tun etc. – und hüte sich, dieselbe durch Ungeduld oder sündhafte Werke zu vereiteln. Wäre es dennoch geschehen, so fasse man sich schnell und erwecke dieselbe neuerdings.

Wie kannst du alles nach dem heiligen Willen Gottes tun?

Etwa auf folgende Weise:

Am Morgen sollst du sagen: Ich will aufstehen, weil es Gott haben will, daß ich Ihm an diesem Tage diene und mein Heil wirke. Ich will Ihm danken, daß er mich diese Nacht bewahret hat, weil es so sein Wille ist.
Ich will in die Kirche gehen, weil es der Wille Gottes ist, daß ich Ihm diene, danke und durch Gebet seine Gaben und Gnaden erlange.
Ich will arbeiten, weil Gott will, daß ich im Schweiße meines Angesichtes mein Brot esse und dadurch für meine Sünden genugtue.
Ich will essen, weil Gott will, daß ich meinen Leib durch mäßiges Essen und Trinken zu seinem Dienst erhalte.
Ich will mich erholen, weil Gott will, daß ich dadurch meine Leibeskräfte zu seinem Dienst stärke.
Ich will schlafen und ruhen, weil Gott will, daß ich durch die nächtliche Ruhe meine abgematteten Kräfte zu seinem Dienst ersetze.
Eltern und Lehrer sollen die Jugend wohl unterrichten, weil es der Wille Gottes ist.
Arbeiter und Handwerker sollen ihre Arbeit darum verrichten, weil Gott sie ihnen auferlegt hat.
Knechte und Mägde sollen so treu ihren Herren dienen, als täten sie es nicht Menschen, sondern Gott selber.
O wie wohl wird es demjenigen sein, der in seiner Sterbestunde sagen kann: Ich habe alles nach dem Willen Gottes getan!
Möchten doch besonders Arme, Kranke, Arbeiter, Leidende aller Art die gute Meinung nicht vergessen, damit sie, da sie auf Erden Armut und Entbehrung gelitten, sich wenigstens für den Himmel einen großen Reichtum sammeln.

Gute Meinung. (Täglich zu beten)

Mein Gott und Alles! Ich opfere Dir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke, mein Leiden, Leben und Sterben, zu deiner größeren Ehre, zur Freude der gebenedeiten Mutter Gottes und aller Heiligen, zur Danksagung für alle dein Wohltaten, zur Genugtuung für meine Sünden, zur Erlangung deiner Gnaden und zum Trost der armen Seelen, in Vereinigung mit der reinsten Meinung und den unendlichen Verdiensten Jesu Christi. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 39-40; S. 11 – S. 12

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