Wanderbuch Wer die Wahrheit tut

Wer die Wahrheit tut kommt ans Licht

„Ich glaube an Jesum Christum, den eingebornen Sohn Gottes, unsern Herrn.“ (Grund- und Schlußstein)

„Wer die Wahrheit tut, kommt ans Licht, damit es kund werde, daß seine in Gott gewirkt worden.“ Ich will dir das auslegen. Ein Mensch, der ordentlich und ehrbar lebt, und sich nicht zu fürchten braucht vor dem Sohne Gottes, der kommt leicht zum Glauben an ihn; er hat ein redliches und offenes Herz, das der Wahrheit nicht Feind ist. Wenn er daher vielleicht auch unglücklicher Weise im Unglauben und Unwissenheit und Irrtum auferzogen worden ist, wird er doch früher oder später, sobald sich ihm die christliche Wahrheit zeigt, sein Herz nicht absichtlich verschließen; er wird suchen sie zu erkennen und hat er sie gefunden, mit Freuden aufnehmen. So ist Nikodemus, der Jude, leicht zum vollen Glauben an Christus gekommen, weil er ordentlich nach Vorschrift des Gesetzes Moises gelebt und die Wahrheit gesucht hat. Von einem Heiden will ich weitläufiger erzählen.

Bekehrung eines Heiden

Vor dreihundert Jahren war in Amerika drüben bei den wilden Brasilianern ein Jesuitenpater Glaubensprediger. Wie er nun einmal so durch einen großen Wald geht, findet er unter einem Baume einen steinalten Mann, einen Wilden. Er fängt mit ihm ein Gespräch an, und fragt ihn so über dies und das von seinem bisherigen Leben. Zu großer Verwunderung erkennt der Geistliche bald, daß der Mann sein ganzes Leben sich brav aufgeführt und sich nie schwer in Etwas versündigt hat, was er mit der bloßen Vernunft als schlecht erkannt hat; daß er zum Beispiel ganz im Gegensatz zu andern Heiden nur eine Frau hatte, daß er nie jemand, außer um sein Leben zu verteidigen, umgebracht, daß er nie Stein, Holz und dergleichen als Gott angebetet hat. Jetzt erzählt ihm der Geistliche Einiges vom Christentum und wie Gott selber in Christus unter den Menschen gelebt habe und so weiter. Und sieh! Mit größter Freude und ohne alle Schwierigkeit nimmt der Greis alle diese Wahrheiten an und glaubt sie gern; sie machten ihm keine Ängsten, im Gegenteil, er wurde durch sie erst recht aufgeklärt über Alles, was ihm die Vernunft nur so im Halbdunkel hatte sehen lassen; und so freute er sich des vollen Lichtes des Glaubens und nahm ihn freudig an und ließ sich taufen. Dabei weinte er voll Freude, schaute zum Himmel auf, um Gott zu danken für das Glück, katholischer Christ zu sein, und dann schaute er auf den Priester und dankte auch ihm und starb dann bald darauf in der Unschuld des Herzens und im Frieden Christi.

Bekehrung eines Sünders

Es kann auch geschehen, daß ein Mensch unglücklicher Weise Jahre lang in Sünde und Laster dahin lebt, und dabei in Gottvergessenheit oder im Unglauben fällt, aber einmal von der Gnade Gottes gerührt und angestachelt wird zu einem besseren Leben. Wenn er nun nichts hören will von Aufgeben der Sünde, wenn er absichtlich und hartnäckig in seiner Schlechtigkeit bleiben will. So wird er immer mehr in seinem Unglauben oder in falscher Lehre verfinstert und verhärtet werden. Tut er dagegen der Gnade Gottes sein Herz auf, möchte er gern und ernstlich seiner Sünde los werden, kann er aber aus alter Gewohnheit und Schwäche sie nicht lassen, und wäre er froh, wenn ihm Jemand zu Hilfe käme, und hört er jetzt von Jesus Christus und von dem göttlichen Ausweg aus Sünde und Laster, so wird er mit Freuden glauben an der Erlöser; denn was man wünscht, das glaubt man gern. So haben die alten Heiden zu den Zeiten der Apostel zahlreich auf die ersten Predigten hin geglaubt an Jesus Christus, den Sohn Gottes, unsern Herrn. Und so war es mit Augustin ergangen; er führte eine Weile ein schlechtes Leben und verfiel darüber in falsche Lehre. Gott aber, durch die Bitten und heißen Tränen der Monika gerührt, fing an gewaltig hinein zu leuchten in die dunkle Seele des jungen Mannes. Eine Weile wehrte er sich; aber endlich ergibt er sich doch – und im selben Augenblick, wo er fest entschlossen ist, sein schlechtes Leben aufzugeben, ist er auch schon katholischer Christ.

Ein Christ im rechten Glauben

Endlich ist Christi Wort erst recht und voll wahr beim Menschen, der bereits im rechten Glauben steht und darnach auch christlich lebt; ein solcher tut seine Werke in Gott, aus Gott, nach Gottes Willen und hat darum nichts zu fürchten, aber alles Gute und Herrliche zu hoffen von Jesus Christus, dem eingebornen Sohne Gottes unserm Herrn; und darum glaubt er leicht und gern an ihn, wie das Kind an seinen Vater, wie der erlöste Gefangene an seinen Befreier, wie der Geheilte an seinen Arzt, wie der gute Dienstbote an seinen getreuen freigebigen Dienstherrn. Und jedes Almosen, das ein solcher Christ Gott zu lieb gibt, und jedes Leiden, das er geduldig für ihn leidet, und jede Arbeit, die er in guter Meinung und in Gottes Namen tut, und jedes sündige Vergnügen, das er ihm zu lieb haßt und läßt, alles das stärkt seinen Glauben, seine Hoffnung, seine Liebe zu dem Sohne Gottes. Er wird alle Tage immer mehr einsehen, wie schön und wahr das Wort Christi sei: „Wer meine Lehre hat und sie hält, der wird es erfahren, daß sie von Gott kommt.“

Und darum, lieber Leser! Halt fest am Glauben an Christi Gottheit. Nur Gott allein führt aus der Sünde heraus, nur der Gottmensch allein ist der Weg, Wahrheit und Leben. Leugnest du ihn dir selber blödsinnig oder boshaft weg, so hast du keinen zweiten Weg zur Wahrheit und zum seligen Leben; es bleibt dir nur bodenloser Abgrund von Sünde, Laster und Schlechtigkeit, Lug und Trug und endlich ewiger Tod.

Damit diese ernste, strenge aber heilsame Wahrheit desto fester in deinem Herzen und in deinem Kopf halte, lies noch diese paar Verse allda nebst dem Bibelspruch:

Aus irdischem Getümmel,
Wo Glück und Lust vergeht,
Wer zeigt den Weg zum Himmel,
Dahin die Hoffnung steht?
Wer leitet unser Streben,
Wenn es das Ziel vergißt?
Wer führt durchs trübe Leben?
Der Weg ist Jesus Christ.

Wenn Irrtum uns befangen,
Kein Strahl die nacht durchbricht
Wie mögen wir gelangen
Zu der Erkenntnis Licht?
Getrost! Es strömt die Klarheit
Von Gottes ew`gem Thron:
Denn Christus ist die Wahrheit,
Der eingeborne Sohn.

Wer schenkt in Not und Leiden,
Wenn bang das Herz verzagt,
Die Hoffnung ew`ger Freuden,
Daß einst der Morgen tagt?
Wer stillt der Seele Beben?
Gewährt im Tode Ruh?
Heil! Christus ist das Leben,
Führt uns dem Vater zu.

„Der Vater liebt den Sohn, und Alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Wer aber dem Sohne den Glauben verweigert, der wird das Leben nicht sehen, sondern es bleibt auf ihm – der Zorn Gottes.“ (Die Stimme in der Wüste Joh. 3, 36)

aus: Franz Ser. Hattler SJ, Wanderbuch für die Reise in die Ewigkeit, I. Band, Erster Teil. Wo gehst du hin?, 1883, S.61-79

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