Übertretung von Gottes Gebot durch Eva

Eva, die Ahnfrau des Menschengeschlechtes

Eva übertritt das Gebot Gottes

Das erste Menschenpaar war von Gott mit allen Gaben und Vorzügen ausgerüstet, um seine leibliche und geistige Natur dem Willen Gottes gemäß zu entwickeln. Die Bäume des Paradieses boten ihnen die nötige Nahrung zur Erhaltung des Lebens, die Bebauung und Hütung des Paradieses waren das Arbeitsfeld zur Übung ihrer Kräfte, die Pflanzen- und Tierwelt enthielt ein weites Gebiet zur Entwicklung ihrer Geisteskräſte. Eine seiner Natur entsprechende Gehilfin und Genossin stand dem ersten Menschen zur Erfüllung seines Berufes zur Seite. Rings um sie war ein wahrhaft paradiesischer Zustand, welcher in dem seligen Frieden ihres unschuldvollen Herzens den schönsten Wiederhall fand. Es war das Reich Gottes, der Himmel auf Erden, welchen selbst die heidnischen Dichter mit sichtlichem Wohlgefallen und nicht ohne stille Wehmut über ihre veränderte Gegenwart in so kräftigen Farben schildern. Da des Menschen Geist nach Gottes Ebenbild erschaffen, war er ein freipersönliches Wesen; die Idee der freipersönlichen Stellung des Menschen bringt es aber mit sich, daß das Verhältnis zu Gott ein Verhältnis freier Liebe sei, daß er in dieser seiner Stellung aus freiem Entschluss seine Treue und Liebe zu Gott betätige, ja selbst gegen größere Angriffe verteidige. Es musste ihm daher ein Anlass werden, sich seiner Freiheit bewußt zu werden und sich so entweder für Gott oder gegen Gott zu entscheiden. Eine solche Freiheitsprobe bietet Gott dem Menschen im Verbot, von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen. Der Zweck dieses Verbotes war, den Menschen zum Bewusstsein und zur Betätigung seiner Wahlfreiheit zu bringen, und zwar im Gehorsam gegen Gott durch Entscheidung für das Gute; er sollte das dem göttlichen Willen Entgegengesetzte als das zu meidende Böse erkennen und durch freiwilliges Meiden des Bösen die Wahlfreiheit zur aktuellen Freiheit der selbstbewußten Entscheidung für das Gute ausbilden (1). „Und es befahl Jehova Elohim dem Menschen: Von allen Bäumen des Paradieses darfst du essen, aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn am Tage deines Essens von ihm wirst du sterbend sterben.“ (2) Obgleich dieses Gebot direkt an Adam gerichtet ist und erst hernach die Schöpfung des Weibes berichtet wird, so scheint es keineswegs unwahrscheinlich (3), daß die Bildung des Weibes früher stattgefunden habe und somit Eva auch Augen- und Ohrenzeugin dieses göttlichen Verbotes gewesen sei. Da Adam das Haupt, Eva nur seine Genossin und seine Hilfe war, geziemte es sich, das Gebot an ihn zu richten, obgleich es nicht bloß ihn, sondern auch das Weib mit verpflichtete; waren ja Beide nur Ein Fleisch, wie wir gesehen haben.

Wenn wir aber genau dem Text folgend die Worte nur an Adam gerichtet uns denken (4), so hat doch ohne Zweifel das Weib von ihm belehrt werden müssen; daß ihr dieses Gebot wohl bekannt war, bestätigt ihre eigene Rede: „Praecepit nobis Deus“ (5). Dieses göttliche Gebot, von dem genannten Baum nicht zu essen, wurde dem ersten Menschenpaar nicht bloß persönlich auferlegt, sondern es war auch ein universelles, es verpflichtete alle Nachkommen desselben, wenn Adam und Eva im Stande der Unschuld geblieben wären; mithin war es dem Adam als dem Haupt des Menschengeschlechtes gegeben, es war ein praeceptum humanae naturae datum, wie dies besonders aus den Worten des Apostels (6) erhellt: „Omnes in Adam peccaverunt“, und aus den Folgen der Übertretung, dem allgemein in der Menschenwelt herrschenden Tode. Obgleich die Materie des Verbotes eine geringe zu sein scheint, so war doch dasselbe ein schwer bindendes, aus den oben genannten Gründen; das Verbot bezweckte nämlich, den Gehorsam, die Mäßigkeit und die Gerechtigkeit des ersten Menschenpaares gegen Gott zu erproben.

In der Pflanzenwelt steht der Gegenstand der Versuchung, aus der Tierwelt kommt der Versucher, also aus den beiden Reichen, die der erste Mensch beherrschte und welche ihm untertänig sein sollten. Die Versuchung kommt von Außen, nicht aus dem eigenen Innern des ersten Menschenpaares, wie Letzteres bei den gefallenen Engeln der Fall war, und in diesem Unterschied liegt auch zugleich die Erlösbarkeit des Menschen. Der erste Mensch, welcher von Gott gut erschafſen wurde, macht nicht aus sich selbst sein eigenes Ich empörerisch gegen das Göttliche geltend, wie Satan, sondern er wird verführt. Der Satan, welcher in hoffärtiger Selbstüberhebung seine Willensfreiheit zur Empörung gegen Gott mißbraucht hat und deshalb aus seiner himmlischen Glorie in den ewigen Abgrund der Hölle herab gestürzt wurde, sieht sich den Menschen gegenüber gestellt, welcher in Gehorsam gegen Gott den Sieg des Guten über das Böse zur Entscheidung bringen soll; er sieht den aus Erdenstaub gebildeten Menschen als Bewohner des Paradieses, den seligen Frieden des ersten Menschenpaares und dessen Anwartschaft auf das ewige Leben, während er selbst von seiner himmlischen Höhe herab gestürzt ist und zwar auf ewig. Wie hätte da nicht in der teuflischen Brust der Neid (7) sich regen sollen!

Auch standen ihm, wie Ambrosius (8) bemerkt, viele Wege zu Gebote, um den Menschen in sein Verderben mit hinab zu ziehen. Konnte ich, der ich einer höheren Geisterwelt angehörte, der Versuchung und dem Falle nicht entgehen, um wie viel weniger wird der Erdensohn , dessen Mutter die Erde ist, der Versuchung widerstehen, welche ihm ja das Höchste bietet, was das Fleisch nur verlangen kann. Um seinen Zweck um so sicherer zu erreichen, kleidet sich der Satan in die Hülle der glatten, geschmeidigen und listigen Schlange. Allerdings war die Versuchung der Stammeltern von Gott geordnet, weil sie für ihre geistige Entwicklung und Selbstentscheidung notwendig war, anderseits auch ihm die Mittel zu Gebote standen, die Folgen der Versuchung zu heilen (9); allein weil Gott keine Verführung zur Sünde wollte, so gestattete er dem bösen Geist die Versuchung nur in einer solchen Weise, welche nicht über die menschlichen Kräfte hinausging. Seine Verderbens-Macht ist auf die paradiesische Pflanzen- und Tierwelt beschränkt; er bedient sich Beider, um den Menschen zu betören und so auch die ganze Schöpfung in das schließliche Verderben und ihre Knechtung hinab zu ziehen. Er greift Besitz von einer tief untergeordneten Kreatur, über welche der Mensch zu gebieten und zu herrschen hatte und von welcher er sich nicht beherrschen lassen durfte. Der listige Versucher bedient sich der listigen Schlange, so daß seine äußere Erscheinungsform der Abglanz seines arglistigen Herzens war. Mit wohl berechneter Klugheit wendet er sich zuerst an das schwächere Weib (10). Arglist ist seine ganze Rede. Tropfenweise sucht er das Gift seines Herzens in unverfänglicher Form dem armen arglosen Menschenkind einzuimpfen, damit es um so sicherer und furchtbarer seine Zerstörung äußere. „Und die Schlange sprach zum Weibe: Hat denn Gott wirklich gesagt: ihr sollt nicht essen von allen Bäumen des Paradieses?“ (11) Eva fühlte beim Anblicke der Schlange keine Furcht, — war sie ja mit Adam die Herrin über die Natur, welche ihr doch keinen Schaden zufügen könne. (12) Musste aber nicht eine sprechende Schlange sie in Erstaunen setzen, da sie wie auch Adam doch eine so genaue Kenntnis der Tierwelt beſaß und unter diesen kein mit Vernunft und Sprache begabtes Geschöpf gefunden hatte!

Allerdings. Sie musste glauben, daß die Schlange auf außergewöhnliche Weise (13) die Sprachfähigkeit erlangt habe, und daß somit ein höheres Wesen durch sie spreche. (14). Konnte sie aber in dem Erscheinen der sprechenden Schlange einen guten Geist vermuten? Gewiß, da sie ja sonst sich in kein Gespräch mit einem bösen Geist würde eingelassen haben. (15) Obgleich sie die Kenntnis von der Existenz höherer Geister hatte, so scheint es doch kaum wahrscheinlich, daß sie auch bereits von dem Fall der Engel unterrichtet gewesen sei. Allein der Inhalt der ganzen Rede musste ihr zur Genüge beweisen, daß der aus der Schlange redende Geist kein guter, sondern ein böser, Gott feindlicher sei. Damit entfällt zugleich jeder Entschuldigungs-Grund. Die sprechende Schlange im Paradies ist also ein dämonisches Wunder. Mit wohl berechneter Hinterlist sucht der Satan zuerst im Herzen des arglosen Weibes Mißtrauen gegen Gott und Zweifel an der Wahrheit seines Wortes zu erregen. In seinen Worten entfaltet sich der ganze tiefe Abgrund teuflischer Bosheit. Zunächst drückt die Schlange ihr Befremden aus: Ist etwa gar Elohim so weit gegangen, zu sagen, daß ihr nicht von allen Bäumen des Paradieses essen sollt? Um seinen Zweck zu erreichen, muss der Versucher den lebendigen persönlichen Gott (Jehova) in den allgemeinen Begriff (Elohim) zu verwandeln suchen, da ja sein Angriff auf den paradiesischen Bund Jehova’s mit dem ersten Menschenpaare gerichtet iſt; deshalb gebraucht er den Namen Elohim und sucht das göttliche Gebot zu übertreiben; er fragt daher, ob Gott überhaupt und jedes Essen von den Bäumen des Paradieses verboten habe, läßt aber zugleich durchblicken, daß ein so hartes Gebot mit der göttlichen Liebe und Güte nicht gut vereinbar sei. Nur in augenblicklicher Abwendung von dem Versucher kann das Weib ihr Heil finden. Sie bleibt, und ihr Eingehen auf die Rede der Schlange, und daß sie den Stachel der Versuchung nicht merkt, ist der Anfang des Falles und der Sünde. (16) Auf diese an sich unverfänglich und gleichgültig scheinende Frage antwortet das Weib: „Von der Frucht der Bäume des Gartens essen wir (d. h. dürfen wir essen und essen auch), aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Paradieses ist, hat Elohim gesagt, ihr sollt nicht davon essen und sie nicht berühren, auf daß ihr nicht (etwa) sterbet.“ (17) Das Weib ist nach ihren Worten sich des göttlichen Verbotes wohl bewußt. Was den Zusatz betrifft: „und sie nicht berühren“, ist es unbestimmt, ob er in dem Gebote Gottes an Adam gleichfalls schon enthalten, von Moses aber nicht angeführt wurde, oder von Adam bei der Mitteilung des Gebotes an sein Weib, oder aber von dem Weib eigenmächtig hinzugefügt wurde.

Nehmen wir nach dem Wortlaut des Textes Letzteres an, so liegt darin zwar gerade keine Übertreibung, wohl aber der Ausdruck der Rigorosität, mit welcher das Gebot zu beobachten sei. Es beginnt also jetzt schon das Gefühl einer harten Strenge dieses Gesetzes sich ihrer zu bemächtigen, und somit auch die Liebe und das Vertrauen zu Gott wankend zu werden. Oder wollte Eva damit nur sagen: Gott hat uns verboten, auch selbst den Baum nicht zu berühren, damit wir davon nicht essen, und so andeuten, wie gefährlich überhaupt die Berührung einer verbotenen Sache sei? Gewiß ist, daß der Anblick und die Berührung eines verbotenen Gegenstandes der erste Schritt oder die nächste Veranlassung zur Sünde sein kann. Wie dem immer sei, das Weib ist daran, wankend zu werden, und betritt bereits die abschüssige Bahn. Dies bekunden zweifelsohne die Worte: „daß ihr nicht etwa sterbet“, durch welche die göttliche Todesdrohung abgeschwächt, in ihr der Zweifel an der Wahrheit des Gotteswortes, oder wenigstens, wie Suarez (18) meint, über den Sinn der göttlichen Worte sich zu regen beginnt, und das Motiv des Gehorsams vorzugsweise in die Furcht des Todes gelegt wird. Sie nennt daher Gott auch nicht Jehova als Bundesgott, sondern, wie die Schlange, Elohim.

Das Wanken und der Zweifel des Weibes machen den Verführer um so dreister. Von der Arglist, welche Mißtrauen und Zweifel erregte, schreitet er zur dreisten Leugnung der Wahrheit des göttlichen Gebotes und zur boshaften Verdächtigung der göttlichen Liebe fort. „Ihr werdet keineswegs sterben, denn Elohim weiß wohl, daß am Tage eures Essens von ihm eure Augen werden geöffnet werden und ihr wie Elohim sein werdet, wissend, was gut und böse ist.“ (19) Der Satan, der Vater der Lüge, welcher mit allerlei Kraft und Wundern der Lüge und mit allerlei Verführung zur Bosheit operiert (20), geht nun zur offenen Lüge über, indem er alle üblen Folgen des verbotenen Genusses negiert, dagegen die besten und herrlichsten Folgen von demselben verspricht. Die Nachahmung des göttlichen Ausspruches im Munde Satans enthält etwas Spöttisches. Nicht als ob die Frucht euch schaden würde, hat euch Gott den Genuss derselben verboten, sondern aus Neid und Missgunst, um euch die Teilnahme am höchsten Gute vorzuenthalten; Elohim will nämlich nicht, daß ihr ihm ähnlich werdet, das Gute und Böse zu unterscheiden, wie er selbst. Durch den Genuss werden eure Augen geöffnet werden, d. h. ihr werdet dadurch zu einer höheren Erkenntnis gelangen. Durch die Verzerrung des Bildes Gottes, welchen er der Missgunst und Lieblosigkeit zeiht, sucht er das Gottesbewusstsein im Weibe zu verdüstern.

Wie schlau ist in dieser satanischen Amphibolie die Lüge mit der Wahrheit gemischt! Durch das Essen der verbotenen Frucht gelangt der Mensch allerdings zur Erkenntnis des Guten und Bösen und zur Gottähnlichkeit; das ist die Wahrheit, durch welche die Lüge: „ihr werdet nicht sterben“, verhüllt wird, allein zu einer Erkenntnis und Gottähnlichkeit ganz anderer Art, als wozu er nach göttlicher Absicht durch die Enthaltsamkeit von dem Baum gelangen sollte; denn die Erkenntnis des Guten und Bösen, welche der Mensch durch den Genuss erlangte, ist von der wahren Gottähnlichkeit, welche er durch Meidung des Bösen erreichen sollte, himmelweit verschieden. Das Geöffnetwerden der Augen ist somit die Befähigung zu einem höheren, erleuchteten Wissen, zu einem höheren geistigen Schauen. Durch den Genuss, will Satan sagen, werdet ihr auf die schnellste und unabhängigste Weise zur Gottähnlichkeit gelangen.

Die Vorspiegelung der Gottähnlichkeit verfängt im Herzen des Weibes. Die verlockende Verheißung verdrängt die göttliche Drohung aus ihrem Herzen. „Da sah das Weib, daß der Baum gut zu essen sei und daß er eine Lust für die Augen sei und begehrungswürdig, Einsicht zu erlangen.“ (21) Dadurch, daß das Weib den satanischen Worten Glauben schenkt, beginnt bereits nach der fast einstimmigen Meinung der Väter (22) die Sünde in ihrem Herzen zu keimen. Der Baum, dem sie früher mit heiliger Scheu sich näherte, erscheint nun in ihren Augen in einem anderen, lieblichen Licht; sie betrachtete ihn jetzt mit ganz anderen Augen (23), da bereits in ihrem Seelenleben eine Änderung vorgegangen; er erscheint ihr reizend und wird eine Lust ihrer Augen, und diese Lust empfängt und gebiert die Sünde. Der übermütig wirkende Reiz des Baumes wird in drei Gliedern beschrieben. Der Baum erscheint nicht bloß dem Anblick und dem Geschmack des Weibes reizend (24), sondern ist besonders dadurch begehrenswert, weil er das zu leisten schien, was die Schlange in Aussicht gestellt hatte, nämlich die Erteilung göttlicher Erkenntnis. So vereinigt sich hier das sinnlich lüsterne Interesse mit dem geistigen dämonischen Moment, die Neugier mit dem Hochmut, um das Weib zum Fall zu bringen. Der Lust folgte unmittelbar der Entschluss ihrer Befriedigung und die Tat selbst. „Und sie nahm von der Frucht und aß.“ (25)

Fragen wir nach der Natur der Sünde Eva`s, so erscheint das ungeregelte Streben nach der Gottähnlichkeit, also der Hochmut, als das Wesen und der Anfang derselben. Dies bestätigt die heilige Schrift selbst, und zwar die Worte Gottes an die Gefallenen: „Der Mensch ist geworden, wie Unsereiner, zu wissen Gutes und Böses“ (26); die Worte des Tobias an seinen Sohn: „Laß die Hoffart niemals in deinem Sinne oder in deinen Worten herrschen; denn alles Verderben hat in derselben seinen Anfang genommen“ (27); und der Siracide (28): „Der Anfang der Hoffart des Menschen ist Abfall von Gott .…. und die Hoffart ist der Anfang aller Sünde.“ Dies ist auch die Ansicht der heiligen Väter (29). Beide, Lucifer und das Weib, strebten eine übernatürliche Höhe an: jener die der göttlichen Macht, diese die der göttlichen Erkenntnis. Zwar ist das Streben nach Gottähnlichkeit in Beziehung der Erkenntnis an und für sich noch keine Sünde, wohl aber das ungeregelte Streben, wie Gott zu sein, wissend das Gute und Böse, und zwar über das Maß seiner Natur hinaus und durch eigene Kraft die göttliche Seligkeit zu erreichen (30). Auch der Ungehorsam war nicht die erste Sünde, wie dies Manche aus den Worten des Apostels schließen (31): „Per inobedientiam unius hominis peccatores constituti sunt multi“; denn Adam und Eva wollten nicht den Ungehorsam an und für sich, wohl aber die ungeordnete Gottähnlichkeit, welche notwendiger Weise den Ungehorsam zur Folge hatte.

Die zweite Sünde Eva`s war die der Ungläubigkeit; nachdem der Hochmut in ihrem Herzen bereits Platz gegriffen, glaubte sie den Worten der Schlange mehr, als den Worten Gottes, ohne dieselben aber geradezu für Lüge zu halten. Diese im Herzen Eva`s bereits gereiften Sünden führten zur aktuellen Sünde, zum Genuss von der Frucht des Baumes; der Genuss ist eigentlich nur die aktuelle Vollendung, oder die Frucht der in der Seele bereits empfangenen Sünden, die in die äußere Erscheinung tretende Sünde. (32) Der Stufengang der ersten Sünde ist daher folgender:
Aus der hoffärtigen Gesinnung entsprang eine gewisse Ungeduld und ein Unwille, durch das Gebot in der Freiheit beengt zu sein; darauf folgte die Neugierde, sodann die Begierlichkeit, der Irrtum im Erkenntnis-Vermögen, aus diesem fließt der Beschluss (Vorsatz) des Ungehorsams und diesem folgt der tatsächliche Ungehorsam, der Genuss.

Anmerkungen:

(1) Aug., de Gen. ad lit. 1. 8. ep. 6.; auch ep. 13. ; Greg. 1. 35. Mor. ep. 10.
(2) Gen. 2, 16.
(3) Rupertus 1. 2 in Gen.; Cajetanus u. Pererius 1. 6 in Gen. q. 6.
(4) So Ambros., de lib. par. ep. 12.; Aug., Gen. ad lit. 1. 8 ep. 17.; Chrysost. hom. 10 in Gen.
(5) Gen. 3, 3.
(6) Röm. 5, 12.
(7) Sap. 2, 24.
(8) Lib. de par. ep. 12.
(9) Chrysost., hom. de laps. pr. Hom.
(10) 1 Petr. 3, 7.; Aug., Civ. Dei 1. 14. ep. 11.
(11) Gen. 3, 1.
(12) Chrysost. hom. 16 in Gen.; Basilius in hom. de Par.; Johannes Damasc. 1. 2. c. 10.
(13) So Thomas 1. q. 94. a. 4 ad 2.; Bonaventura 2. d. 21. ep. 2.
(14) Rupertus 1. 3 in Gen. ep. 3.
(15) Bonaventura 1. c. a. 1. q. 2 ad 1 ait.
(16) Chrysost., hom. 16 in Gen.
(17) Gen. 3, 3.
(18) L. c, l. 4 de amiss. stat. in ep. 2, 8.
(19) Gen. 3, 4. 5,
(20) 2. Thess. 2, 9. 10.
(21) Gen. 3, 6.
(22) Aug., Gen. ad lit. 1. 11. ep. 30 u. lib. 65; quaest. ad Oros. q. 4.; Thomas, 2. 2. q. 163. a. 1 u. 2. u. A.
(23) Rupertus 1. 8 in Gen. ep. 9. Gregor., 21. 1. Mor. ep. 2.
(24) Gaudentius , tract. 15 de Machab.
(25) Gen, 3, 6.
(26) Gen. 3, 22.
(27) Tob. 4, 14.
(28) Eccli. 10, 14. 15.
(29) August., de Gen. ad lit. 11. ep. 30. u. ep. 14. Desgleichen Thomas, 2. 2. q. 163. a. 1 u. 2.; Bonaventura in 2. dist. 22 u. A. m.
(30) Thom. 1. e.; Aug. in gloss. ord.
( 31) Röm. 5, 19.
(32) Ambros. Exp. in Luc. 1. 4, 34.

aus: Hermann Zschokke, Die Biblischen Frauen des alten Testamentes, 1882, S. 14 – S. 20

Category: Genesis, Zschokke
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