Die Bekehrung ist niemals zu spät

Bedenke: Die Bekehrung ist niemals zu spät

Der Sünder hat keine Ursache zu verzweifeln

Bonifacius und Aglaë, zwei große Sünder, die in dem Laster der Unzucht lange gelebt, bekehren sich von ganzem Herzen zu Gott, leben heilig, und Bonifacius wird sogar ein Märtyrer. Wahr ist es, die Bekehrung eines Menschen, der lange in Sünden, besonders in der Unlauterkeit gelebt, wird von den heiligen Vätern für ein Wunder angesehen, welches sich nur selten ereignet. Dennoch hat der unendlich barmherzige Gott ein solches an Bonifacius und und an allen, die der Bußgnade ernstlich und treu folgen, gewirkt, damit kein Sünder Ursache habe, wegen seiner Sünden zu verzweifeln. „Die Sünden“, sagt der heilige Augustin, „haben ihre gewisse Zahl und ihr bestimmtes Maß; die Barmherzigkeit Gottes aber ist unendlich. Daher hat kein Sünder Ursache zu verzweifeln, sondern er soll die Barmherzigkeit Gottes erkennen und für die Sünden Buße tun.“ – „Bist du gottlos“, schreibt der heilige Chrysostomus, „so denke an den öffentlichen Sünder. Bist du unkeusch, so gib acht auf jenes unzüchtige Weib im Evangelium. Bist du ein Mörder, so stelle dir vor den mit Christus gekreuzigten Schächer. Bist du ein großer Sünder, so denke an Paulus, anfangs ein Verfolger, dann ein Apostel Christi.“

Denke auch an Bonifacius und Aglaë. Durch diese Beispiele soll ein Sünder, der vom bösen Geist wegen der Größe seiner Sünden zur Verzweiflung angereizt wird, sich zum Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit aufmuntern. Durch das Beispiel des mit Jesu gekreuzigten Schächers aber soll er sich insbesondere aufmuntern, wenn er lange in Sünden gelebt und deswegen von Gedanken der Verzweiflung angefochten wird. Denn der heilige Hieronymus schreibt: „Die Bekehrung ist niemals zu spät. Der Schächer ist ja von dem Kreuze in das Paradies gelangt.“ Der heilige Augustin sagt. „Gott verachtet niemals einen wahrhaft Büßenden. So lange wir in diesem Leben sind, können wir Verzeihung unserer Sünden durch die Buße erlangen.“ Sündige nicht vermessentlich, verschiebe deine Buße nicht, weil Gott barmherzig ist; weil du nicht weißt, wie lange Gott noch auf deine Buße wartet. „Gott hat uns den sicheren Hafen der Buße gegeben“, sagt abermals der heilige Augustin, „damit wir wegen unserer Sünden nicht verzweifeln. Wer hat aber auch einen uns unbekannten Tag des Todes bestimmt, damit wir durch vermessenes Hoffen die Sünden nicht vermehren sollen.“ –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 357

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