Evolution Wie der Affe Mensch wurde

Eine neue Art der Evolution: Wie der Affe Mensch wurde

Ein Affe schlug aus seiner Art

Bisher hat die Welt geglaubt, der Affe sei unter allen Tieren den Menschen noch am ähnlichsten; diese Hochgelehrten aber finden das Gegenteil, daß nämlich unter allen Geschöpfen nicht der Affe dem Menschen, sondern der Mensch dem Affen am ähnlichsten sehe. Das war jetzt ein gewaltiger Fortschritt des menschlichen Wissens; – es kam Alles darauf an, zu riechen und schmecken, wie der Mensch zu dieser Affenähnlichkeit gekommen; und siehe da, wer sucht der findet, und es fand sich, daß vor ungezählten unvordenklichen Millionen von Jahren eines schönen Morgens ein Affenkind aus der Art schlug, so wie im Garten draußen der Weißkohl in Braunkohl umschlägt.
Mach der Leser hierzu nur kein erstaunliches Gesicht; das können diese studierten Herren nicht leiden, noch weniger so einfältige Fragen, woher sie das wüßten, da vor undenklichen Zeiten weder sie noch irgend ein Mensch da gewesen. Die Herren sagen`s und so muß es sein, und wäre es auch ein Unsinn. –

Aber kommen wir auf unsern Affen. Also er schlug aus der Art, – er variierte, wie man hochstudiert sagt. Das war aber kein Kinderspiel, oder wie man einen Sonntagsrock auszieht; es kostete Schweiß und Tränen. Aber was half es der gesamten Familie der edlen Affen aus dem Hause Pavian, daß sie weinten und schluchzten, weil ein teures Haupt nicht länger mehr bleiben wollte, was die Ahnen gewesen, ein edler Affe? Der verlorne Sohn ließ sich durch keine Bitten und Tränen abhalten; er desertierte, rasierte sich auf Leibeslänge die Haare, steckte die Arme um eine gute Spanne weiter in den Leib, verschob sich vor dem Spiegel das Nasenbein und die Stirne, bis sie gerade aufstand, – hielt starke Turnübungen alle Tage, bis sich die steifen Beine gefälliger, das heißt menschlicher darstellten; ein Barbier erwies ihm die Gefälligkeit, den Schweif zu kassieren; hierauf setzte er sich ruhig hin und wartete, und wartete nochmal, bis ihm der erste gescheite Gedanke käme. Weil selbiger aber von Geschäften verhindert nicht zur rechten Zeit da war, ergab sich der Affe der Wißbegierde, studierte mehrere Millionen Jahre auf der hohen Schule (ich habe den Namen derselben nirgends finden können, sonst hätte ich sie genannt) und konnte schließlich, stolz auf seine Errungenschaft, den Preis seines Fleißes einstecken. Eben war der flüchtige Affensohn von einer Vorlesung zu Hause gekommen, als ihm das Glück passierte, darüber schläfrig zu werden; im Schlaf träumte er süß wieder einige Jahrtausende hindurch von künftiger Größe, und als er eben hierüber den höchsten Gipfel der Freude erstiegen und sein tatendurstiges Herz zu zerplatzen drohte, wacht er auf, springt in die Höhe, denkt den ersten hohen Gedanken und sagt: „Ich denke – also bin ich – ein Mensch!“ Und richtig, so war es; – die Entartung war vollständig. – Der unverständige Affe hatte ausgeschlagen in einen verständigen Menschen, wie unser Einer ist. – Das Weitere versteht sich dann Alles von selbst, weswegen die Gelehrten sich damit nicht weiter befassen.

Der Kampf ums Dasein

Die übrigen Affen nahmen sich aber die Sache ernstlich zu herzen; und als sie sahen, was es für eine verteufelt saure, langweilige Mühe und Arbeit wäre, bis ein Affe ein ehrlicher Mensch wird, beschlossen sie männiglich in weiser Erwägung, einen ähnlichen dummen Streich nicht ein zweites Mal aufführen zu lassen, und daher jeden, der es wieder wagen sollte, auf der Stelle der strafenden Gerechtigkeit zur Hinrichtung auszuliefern. Sie nannten das mit bezeichnenden Worten: „Den Kampf ums Dasein!“ Sie wollten bleiben, was sie waren – Affen. Das ist auch die fatale Ursache, weswegen in unseren Tagen dergleichen Affenstreiche nicht mehr gesehen werden. So ist die gelehrte Welt schon seit 5000 Jahren des höchst interessanten Schauspieles beraubt, daß sie mit eigenen Augen sehen könnte, welche Sprünge ein Affe macht, um Mensch zu werden, – damit dann diese Herren Naturgucker stolz sprechen könnten: Sehr ihr`s jetzt, und haben wir`s nicht gesagt; ergo probatum est, es ist bewiesen.
Wenn dir und mir diese neue Entdeckung nicht eingehen will, und wir Beide davon nichts verstehen können und begriffsstutzige Köpfe sind, so wollen wir uns damit trösten, daß wir nicht allein sind, sondern daß mit uns geradezu die ganze Menschenwelt, mit Ausnahme einiger entarteter Affensprößlinge der Ansicht leben, der Mensch stamme von jeher nur vom ersten Menschen ab; – der erste Mensch aber sei von Gott erschaffen.

Eine Anekdote

Dieser Ansicht lebte eine schlichte Mutter aus dem Volke. Rechter Hand von der Eisenbahn nach Graz hinab, dachte das Weib eben an ihr Kind, das in der Schule war. In diesem Augenblick trippelt die Kleine die Stiege herauf. Kaum ist sie der lieben Mutter ansichtig geworden, sagt sie: „Mutter! ist es wahr, daß der Mensch vom Affen abstammt?“ – Die Mutter dreht sich langsam um, schaut das Kind einen Augenblick an; „Patsch“ – saß der armenKleinen eine handbreite Maulschelle mitten im Gesicht; und Niemand wusch ihr dieselbe mehr ab. Nun hat ihr die Mutter erst noch den Text zum Takt gelesen, und hat gesagt: „Wart du, ich will dich lehren, deine Mutter einen Affen zu heißen.“ – – „Ich habe es ja nicht gesagt“, schluchzte die Kleine; „der Herr Lehrer in der schule hat es heut gesagt.“ – Hierauf die Mutter kurz und bündig: „Des Herrn Lehrer seine Mutter mag ein Affe sein, aber deine Mutter ist es nicht. Verstanden.“ Des andern Tages ist schule; der Herr Lehrer fragt das Vorgetragene mit Ernst und würde aus, und wie es bei den gelehrten Herren schon so geht, kommt er von einem auf das andere, vom Ochsen auf den Esel, und vom Esel auf den Hund, vom Hund auf den Affen, und vom Affen auf den Menschen. „Und von wem, habe ich gestern gesagt, stammt der Mensch ab? Du, kleine Therese, weißt du es noch? Sprach seine gestrenge Gnaden, der Lehrer. (die Therese, das ist das Kind mit der Maulschelle.) Statt der Antwort weint sie. – Der Lehrer freut sich im Stillen, daß die Kleinen vor ihm eine solche Achtung haben, und kaum zu reden wagen, wenn er auch fragt. Als aber die Kleine nicht heraus will mit dem Affen, hilft er langsam darauf, und sagt schließlich selber, was er gestern vorgetragen: der Mensch stamme vom Affen ab. Jetzt geht dem Kinde der Mund auf: „Das habe ich gestern auch der Mutter gesagt, da hat sie mir auf`s Maul geschlagen.“ – „Nun ich bedaure, sagte Herz gewinnend der Lehrer, – deine Mutter versteht halt die Sache nicht wie ich.“ – „Ja das habe ich der Mutter auch gesagt; da hat sie mir darauf geantwortet: „Des Herrn Lehrer seine Mutter mag ein Affe sein, aber deine Mutter ist es nicht.“ – Lautes Lachen von Seite des sämtlichen Lernkörpers. Der Lehrer zog nach Gewohnheit mit der Zunge links den Schnauzer in den Mund und nagte an der Endspitze, und brummte vor sich hin: „Dummes Vieh von einem Weib.“ – wenn seither die Schulkinder des Lehrers Mutter auf der Gasse sehen, stoßen sie einander bei den Ellenbogen und sagen leise: „Schau dort, geht die Affenmutter.“ –

Ich habe noch keinen besseren schlagenderen Beweis gegen die Affenlehre gehört, als den diese Mutter abgegeben. Es geht doch nichts über ein Lot gesunden Hausverstand. – Darum sei dies genug gesagt zu deiner Warnung für den Fall, daß etwa Jemand auch dir zumuten sollte, du wolltest lieber eines Affen Nachkommen, als ein Kind von Gottes Gnaden sein! – Sei du gescheit, und habe so viel Respekt vor dir, daß du es nicht ruhig auf dir sitzen lassest, wenn man dir den Schimpf antut und sagt: „Du hättest ein Vieh zum Großvater gehabt.“ –aus: Franz Ser. Hattler SJ, Wanderbuch für die Reise in die Ewigkeit, I. Band, Erster Teil. Wo gehst du hin?, 1883, S. 16 – S. 21

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