Welche Kraft der wahre Glaube hat

Welche Kraft der wahre lebendige Glaube hat

Wenn schon der falsche Glaube, wo er lebendig wird, eine gewaltige Kraft ist, die ins Leben treibt, so wird der wahre katholische Glaube, der überreich ist an lebendig machenden Wahrheiten, noch kraftvoller sein, wenn er lebendig wird. Merk wohl, was ich sage: „wenn er lebendig wird“. Du kannst nämlich den wahren Glauben wohl haben, aber kannst ihn tot in deiner Seele liegen lassen; wenn nämlich deine Seele so was wie ein Felsen ist. Du magst den kernhaftesten Weizen auf Felsen aussäen, er bleibt tot und faßt keine Wurzeln und treibt keine Halme. Wirf ihn auf gutes, feuchtes Erdreich, und er wird gleich lebendig werden.

Und so mit den Wahrheiten des katholischen Glaubens. Nimm sie auf mit gutem Herzen, das heißt, mit dem ernsten Willen, ihnen nach zu leben; du wirst sehen, sie werden gleich lebendig, sie treiben dich sogleich, dein Leben in manchen Stücken zu ändern, oder gar ein ganz neues Leben anzufangen. Ich will dir davon ein Paar Geschichten aus Tausenden erzählen.

Der Jesuiten-Prediger Hunolt berichtet folgende Begebenheit, an der du deutlich sehen kannst, wie eine einzige katholische Wahrheit dem ganzen Leben eines Menschen Gestalt und Gehalt gibt, wo sie lebendig wird. „Ein Edelmann von hohem Rang“, so schreibt dieser große Prediger, „hatte bei seinem Herrn und Kaiser Kriegsdienste genommen und sich zum Hauptmann empor geschwungen. Im Kriegsgetümmel aber vergaß er der heiligen Pflichten seiner Religion nicht; im Gegenteil suchte er sich um so inniger an seinen Gott anzuschließen, je gefährlicher sein Stand und die damaligen Unheil schwangeren Zeiten waren. Er suchte sich einen eigenen Gewissensrat und Beichtvater aus den ehrwürdigen Vätern der Gesellschaft Jesu aus und vertraute ihm seinen Seelenzustand ganz vollkommen an. Einmal gestand er aufrichtig, er habe noch nie eine schwere Sünde wider Gott begangen; und als er gefragt wurde, durch welches Mittel er seine Seele so rein bewahrt hätte, – bei so großen und vielen Gefahren, die doch der Kriegerstand mit sich brächte, gab er zur Antwort, er habe von seiner christlich frommen Erziehung her, welche er im herzoglichen Kollegium zu Parma unter geistlicher Leitung empfing, sich tief ins Gedächtnis eingeprägt die Erinnerung: „Gott sieht dich!“ nie habe er sie vergessen. Bei allen Versuchungen zum Hass, zur Rache, zum Raub, zur Unlauterkeit usw. habe ich stets durch diesen Gedanken gesiegt: „Gott sieht dich!“ Bei jeder Anfechtung habe er zu sich selbst gesprochen: Wenn seine kaiserliche Majestät hier zugegen wäre und zuschauen würde, so würde ich gewiß diese und jene abscheuliche Tat mir nicht erlauben; sollte ich nun jetzt Böses tun, da ich ja gesehen werde von der allwissenden und höchsten Majestät Gottes? O das kann, das darf, das will ich nicht tun!“ Durch solche und ähnliche fromme Gedanken siegte der brave und wackere Offizier nicht nur über sich selbst, sondern auch gar oft über seine Feinde. Denn er gestand es offen, daß ihm eben dieser Gedanke an Gottes Allwissenheit im Kampf eine unaussprechliche Herzhaftigkeit eingeflößt habe, indem er oft bei sich dachte: „Der allmächtige Gott ist hier zugegen; er sieht meine Gefahr, in dich mich mein Amt und Beruf versetzte, er sieht meine Not, die ich leide, er kann, er wird mir beistehen!“ –

Ein anderes lese ich im Buch: Jugendbibliothek 11. Band, und ist so gewesen.

„Einige Jahre vor der französischen Revolution ging eine Dame, die einen Buchladen in Paris hatte, einmal in die Predigt des berühmten Kanzelredners Beauregard, um doch einmal den großen Redner zu hören. Merkwürdig war`s, daß sie gerade heute zu ihm ging; denn gerade heute war seine Rede gegen irreligiöse Schriften gerichtet, und die Buchhändlerin trieb eben mit solchen starken Handel. Sie fand sich auch sogleich von der Predigt getroffen, das Gewissen schlug ihr, und mit Tränen in den Augen ging sie zu dem Prediger und sagte: „Welchen großen Dienst haben sie mir getan! Sie lehrten mich die Strafbarkeit meines verderblichen Gewerbes kennen, und ich will ihm entsagen. Sie haben das gute Werk angefangen; kommen Sie und vollenden Sie es auch! Kommen Sie und suchen Sie in meinem Buchladen alle Bücher aus, die der Sittlichkeit und der Religion nachteilig sind! Lieber will ich Geld, als meine Seele verlieren.“ Der gute Pater kam, und fand für nicht weniger als 3000 Mark solche Schriften. Sie nahm dieselben alle, und warf sie in seiner Gegenwart ins Feuer; und kein Bedauern kostete ihr dieses Opfer.“ –

Mit solchen Geschichten könnte ich dir das ganze Buch anfüllen. Aber denk selber nach: was hat denn die heiligen Apostel angetrieben in alle Welt hinaus zu gehen und den Gekreuzigten zu predigen? Es war der lebendige Glaube an seine Gottheit und seine gottmenschliche Liebe. St. Paulus hat eingestanden, er schäme sich der Kreuzpredigt nicht, denn es sei Gotteskraft im Evangelium zum Heile aller, die an dasselbe glauben. Was hat den heiligen Märtyrern die Kraftgegeben, lieber Alles, selbst den grimmigen Tod zu leiden, als eine Sünde zu tun? Es war der Glaube, daß die Sünde sie in ewige Verdammung, der Tod für Gott aber in die ewige Seligkeit bringe. Was hat so vielen Mädchen gegeben, ein jungfräuliches Leben den Ehefreuden vorzuziehen und sich dem Dienst der Kranken oder armer Kinder zu widmen? Es war der Glaube, daß Jesus Christus, dem sie ihre Seelen verlobt, der schönste, treueste, liebenswürdigste, reichste Bräutigam sei. So ist es immer wahr, was Gott in der hl. Schrift sagt: „Mein Gerechter lebt aus dem Glauben.“

Jetzt käme ich wieder an dich, lieber Leser! Und möchte mich gerne an dir erbauen. Sei doch so gut, und zeige mir einmal, was der katholische Glaube an dir Alles Gute und Schöne hervor gebracht, wie du aus dem Glauben und nach Vorschrift des Glaubens Tag für Tag lebst? Du glaubst doch als katholischer Christ, daß dein heutiger Tag wie dein ganzes Leben nicht dir gehört, daß du damit also nicht tun kannst, was du willst, sondern daß es dir gegeben ist, um heute alles das und nur das zu tun, was dein Herr und Gott von dir haben will? Also zeige mir jetzt, wie du Solches vom Aufstehen heute bis daher zum Buchlesen gemacht hast! – – – Du glaubst als katholischer Christ – doch halt; da kommen wir in ein Kapitel hinein, worüber wir noch länger mit einander werden zu reden haben. Das sei aufgespart auf Weiteres.

Für diesmal bitte ich nur, die Gewissens-Erforschung, die ich jetzt mit dir angefangen habe, fleißig fortzusetzen, und wenn du das nächste Mal beichten gehst, dich in solcher Weise abzufragen über dein Leben. Sieh! Gott hat dir den allein wahren katholischen Glauben hingelegt gleichsam wie ein Lied mit schönen Noten, daß du darnach ihm ein herrliches Loblied vorsingst. Der Glaube ist der Notentext, dein Leben ist der Gesang. Lebst du wie du glaubst, so singst du so schön, als Gott das Lied komponiert hat, und es kann ihm nicht anders als gefallen. Aber du singst falsch, wenn dein Reden und Handeln und Arbeiten das Gegenteil von dem sind, was du glaubst! Wie singst du denn also? –
aus: Franz Ser. Hattler SJ, Christkatholisches Hausbrod für Jedermann der gut leben und fröhlich sterben will, I. Band, I. Teil, 1892, S. 22 – S. 24

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