Falsche Auslegung des Abendmahles

Jesus hält in der Eucharistie die Hostie hoch, der Kelch steht vor ihm auf dem Tisch, das Bild ist umrankt mit Girlanden aus Weinblättern, Trauben und Ähren

Diamant oder Glas – Allen Christen zum Betrachten vorgelegt (1851)

6. Zweifel, Widerspruch und Ableugnung der wahren Auslegung

Wer ist denn schuld, daß nun Tausende und Millionen, welche doch getauft sind und an Christus glauben, nämlich die Protestanten, daß sie die Worte der Heiligen Schrift nicht mehr nehmen, wie sie lauten und wie sie früher stets ausgelegt worden sind? Einmal ist schuld:

Luther. Er hat zwar manchmal in seinen Schriften so kräftig als möglich für die Gegenwart Christi im Abendmahl gesprochen; so sagt er zum Beispiel einmal: „Man muss fest bekennen, daß wer dieses Brot isst und mit den Zähnen bricht, eben jenes bricht und ißt, was der wahre und selbsteigene Leib Christi. Ist. – Wenn hunderttausend Teufel samt allen Schwärmern daher fahren und sagen: ‚Wie kann Brot und Wein Christi Leib sein?‘ So weiß ich, daß alle Geister und Gelehrten auf einem Haufen nicht so klug sind als die göttliche Majestät im kleinsten Fingerlein.“ Aber dann läßt er sich wieder nicht nur von unsteten Gedanken, sondern selbst von unchristlicher Leidenschaft zu anderer Auslegung, gleich einer Wetterfahne vom Wind, treiben. Er sagt in seinem Buch an die Wallender: „Ich halte es für einen Irrtum, zu sagen, daß das Brot (im Sakrament) nicht bleibe; jetzt aber, da ich so sehr gedrungen werde, diesen Irrtum ohne das Ansehen der Heiligen Schrift hinzu nehmen, will ich den Pappigsten zum Trotz glauben, daß Brot und Wein bleiben.“ Zu einer andern Zeit lehrte er wieder, Christi Leib sei allenthalben, und wieder ein anderes Mal klagt Melanchthon, daß Luther einigen Anhängern in Italien erlaube, wie die Katholiken an die Wandlung zu glauben. – Kann man sich nun auf die Auslegung eines solchen Mannes, der 1500 Jahre nach Christus in Sachsen gelebt hat, der offenbar kein Heiliger war, sondern viel Einbildung und Leidenschaft hatte, besser verlassen als auf die Auslegung der ältesten Lehrer und Bischöfe, die zum Teil von den Aposteln selbst unterrichtet waren und ihr Leben für den Glauben aufgeopfert haben? Wem willst du lieber glauben?

Zwingli in der Schweiz stritt nicht nur gegen die katholische Kirche, sondern auch gegen den Luther, und zwar namentlich auch in der Abendmahls-Lehre, und brachte die ganz neue Auslegung auf, Christus habe bei Stiftung des heiligen Abendmahles weiter nichts sagen wollen als: Dieses bedeutet meinen Leib, ist aber nicht mein Leib. Sehr merkwürdig ist das Geständnis des Zwingli, wie er in dieser Auslegung befestigt worden sei. Er erzählt, er habe im Traum über das Abendmahl mit jemanden disputiert, der ihm scharf zugesetzt habe, bis ihm ein Helfer zur Seite stand, welcher ihm half, die bloße Bedeutung des Brotes zu behaupten. Von diesem Helfer bemerkt Zwingli ausdrücklich: „Ich weiß nicht, war er weiß oder schwarz.“ Es ist auch einerlei, ob er weiß oder schwarz gewesen sei; denn auch Satan verstellt sich, wie die Heilige Schrift sagt, in einen Engel des Lichtes. – Willst du diesem Helfer im Traum des Zwingli glauben und darauf dein Heil bauen?

Karlstadt. Dieser fing noch früher als Zwingli an, die Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl zu leugnen. Ich will weiter nichts über ihn hier anführen, als was Luther in seinen Tischgesprächen sagt: „Daß ich ihn, Karlstadt, einen Teufel nenne, darüber muss sich niemand wundern; denn in ihm wohnt ein Teufel, der aus ihm redet.“ – Soll etwa dieser Karlstadt und seine Auslegung ein Fels sein, auf den du sicherer deine Seligkeit bauen kannst als auf die katholische Kirche?

Calvin stellte die wahrhaft gotteslästerliche Lehre auf, daß Gott Urheber des Guten und des Bösen sei, und einen Teil der Menschen zur Seligkeit erschaffen und bestimmt habe, und einen andern Teil zur Verdammung. Die, welche zur Verdammung bestimmt seine, könnten sich anstrengen, so sehr sie wollten, sie gelangten doch nicht zur Seligkeit und bekämen in den Sakramenten auch keine Gnade. – Ärger kann man dem Wort Gottes nicht widersprechen, wo es heißt 2. Petri 3, 9: „Gott ist langmütig gegen uns, denn er will nicht, daß jemand verloren gehe, sondern daß jeder sich zur Buße kehre.“ Willst du bei diesem Mann Rat suchen, was man vom heiligen Abendmahl glauben soll? Er schwankte mit seiner Lehre darüber hin und her; hauptsächlich lehrte er, der Leib Jesu sei nur im Himmel, aber es ströme von ihm aus eine Kraft in das Abendmahls-Brot für die, welche zur Seligkeit bestimmt sind; und zuletzt nahm er aus Politik auch die leere Bedeutung wie Zwingli an. Ist vielleicht dieser Calvin eine Grundsäule und Grundfeste der Wahrheit?

Die gesamten Männer sind die Hauptstifter der Reformation und haben eine neue Auslegung vom heiligen Abendmahl 1500 Jahre nach Christus aufgebracht. Wenn man nun bedenkt, wieviel Haß, Schmähsucht und geistiger Hochmut in manchen ihrer Schriften zu finden ist, so muss man doch, wo es sich um die Geheimnisse der Religion handelt, mehr der Auslegung der ältesten und frömmsten Vorsteher der Kirche glauben. Selbst der protestantische Bischof Croft in England sagt: „Die heiligen und alten Väter der Kirche waren weit geistigere Männer, konnten folglich auch in geistige Dinge einen viel helleren Blick werfen als wir armen, fleischlichen Geschöpfe unserer Zeit: sie haben es uns augenscheinlich bewiesen durch das heilige und geistige Leben, welches sie führten. Es ist ganz begreiflich, daß die Meinung und Absichten Jesu und seiner Apostel viel deutlicher von denen verstanden werden konnten, welche in ihrer Nähe lebten, als von jenen, die späterhin, erst lange Zeit nach ihnen, in den verdorbenen Jahrhunderten lebten.“ Diese alten heiligen Väter haben aber so vom heiligen Abendmahl gelehrt, wie heute noch die katholische Kirche lehrt. Auch ist es ein sehr merkwürdiger Umstand, daß, je religiöser und heiliger ein Katholik wird, auch sein Glaube an die Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl lebendiger wird. Der hl. Ludwig, König von Frankreich, wurde einmal aufgefordert, in eine gewisse Kirche zu gehen, weil man dort in der Hostie sichtbar den Herrn erblicke. Er ging nicht und sagte: „Ich habe nicht nötig, mich mit den Augen von seiner Gegenwart im heiligen Abendmahl zu überzeugen; seine Worte: ‚Dies ist mein Leib‘, überzeugen mich mehr, als wenn ihn meine Augen sähen.“ Sobald aber der Katholik lasterhaft wird, fängt er gemeiniglich zuerst an dem heiligen Abendmahl zu zweifeln an. Wer wird nun eher vom Geist Gottes erleuchtet sein, der fromme oder der lasterhafte Katholik? –
aus: Alban Stolz, Gesammelte Werke, Kleinigkeiten, Erste Sammlung, 1909, S. 71-74

Fortsetzung: Lügen gegen die wahre Abendmahlslehre

Bildquellen

  • Ott Jesus Christus Eucharistie: Bildrechte beim Autor

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