Lügen gegen die wahre Abendmahlslehre

Jesus hält in der Eucharistie die Hostie hoch, der Kelch steht vor ihm auf dem Tisch, das Bild ist umrankt mit Girlanden aus Weinblättern, Trauben und Ähren

Diamant oder Glas – Allen Christen zum Betrachten vorgelegt (1851)

6. Boshafte Lügen gegen die wahre Abendmahlslehre

Die Geschichte des Andreas Dunn

Man kann aber auch noch daran sehen, wie nichts Wahres gegen die katholische Lehre vom heiligen Abendmahl aufzubringen ist, weil die Feinde der katholischen Kirche sonst keine boshaften und zugleich groben Lügen dagegen vorbrächten. Ich will ein Beispiel anführen. Der Mariott in Basel verbreitet ein Büchlein mit dem Titel: „Geschichte des Andreas Dunn, eines isländischen Katholiken“. Die ganze Geschichte scheint erdichtet zu sein in der Absicht, die katholische Religion zu verleumden und verächtlich zu machen. Hier wird nun in einer Anmerkung folgende Anekdote erzählt, welche Beweisen soll, daß die Wandlung nichts sei. „Ein vornehmer römischer Katholik, welcher sich mit einem protestantischen Frauenzimmer verheiraten wollte, traf mit derselben die Übereinkunft, daß sie nie einen Religionsstreit anfangen wollten. Während etlicher Jahre nach ihrer Verbindung war diese Übereinkunft pünktlich gehalten worden; allein im Verlauf der Zeit glaubte der Priester, welcher sie öfters besuchte, mit leichter Mühe eine Proselytin machen zu können, und begann daher über die Eigentümlichkeit seiner Religion zu reden. Insbesondere bestand er auf der Lehre von der Verwandlung des Brotes und eines in den Leib und das Blut Christi (Transsubstantiation), und machte sich endlich durch seine Zudringlichkeit beschwerlich. Die Frau sann daher darüber nach, wie sie sich seiner entledigen könnte, und gleichsam als sei sie durch seine Beweisführung überzeugt, willigte sie eines Tages ein, mit ihrem Mann am nächsten Sonntag zur Messe zu kommen, wenn. Man sie die Hostie Selbstwolle zubereiten lassen. Der Priester, welcher nichts ahnte und sich freute, unter irgend einer Bedingung diese Bekehrung zustande zu bringen, gab hierzu seine Einwilligung. Die Frau erschien demnach mit ihrem Mann in der Kapelle, aber nach der Weihung der Hostie, welche sie selbst mitgebracht hatte, wandte sie sich feierlich an den Priester und fragte ihn, ob sie nun wahrhaft in den Leib Christi verwandelt sei. Er erwiderte auf diese Frage ganz unbedenklich: daß die ganze Substanz des Brotes in den Leib Christi dergestalt verwandelt sei, daß von ihrer vorigen Beschaffenheit nichts mehr übrig sei. Auf dieses antwortete sie: ‚Wenn dies wahrhaft der Fall ist, so essen Sie die Hostie ohne Bedenken, aber ich für meinen Teil wage es nicht zu tun, denn sie ist mit Arsenik vermengt.‘ Der Priester war wie vom Donner gerührt bei dieser unerwarteten Entdeckung, und war zu klug, um sein Leben an eine Lehre zu wagen, welche er doch mit der größten Feierlichkeit, als auf das vollkommenste davon überzeugt, verteidigt hatte. Der Gatte der protestantischen Frau aber ward durch diese praktische Widerlegung einer Lehre, die er bisher blindlings geglaubt hatte, dahin gebracht, daß er von da an nie mehr in der Messe erschien.“

Jeder Katholik, welcher weiß, wie es mit der heiligen Messe gehalten wird, sieht, wie diese ganze Erzählung weiter nichts ist als eine boshafte und zugleich lächerliche Erdichtung. Sollte aber jemand so auffallend dumm sein, daß er die handgreifliche Lüge dieser Erzählung für wahr hielte, den will ich zum Überfluss nur daran erinnern, daß die katholische Kirche noch nie gelehrt hat, daß auch Arsenik in den Leib des Herrn verwandelt werden könne; solches kann nur geschehen mit der Substanz des Brotes; und auch selbst nach der Wandlung bleiben die sinnlichen Eigenschaften des Brotes und machen dieselbe Wirkung auf den Körper wie vor der Wandlung.

Ich will aber noch in einem andern Beispiel zeigen, wie man die Worte des Hern um ihre Geltung bringen und gleichsam austilgen will. Man hat behauptet, die Landessprache, welche man zur Zeit Christi bei den Juden sprach, sei syrisch gewesen. In der syrischen Sprache gebe es aber kein Wort für bedeuten, und man müsse daher das Wort ist nehmen, selbst dann, wenn man bedeuten meine. Christus habe also gesagt: Dieses ist mein Leib statt: Dieses bedeutet meinen Leib, weil in der syrischen Sprache das Wort bedeuten fehle. – Was ist hier zu sagen. Der englische Kardinal Wiseman, welcher gründlich die syrische Sprache studiert hat, machte seine Forschungen darüber bekannt in einer eigenen Schrift (Horae Syriacae). Er hat gefunden, daß die syrische Sprache nicht nur so viel Worte für bedeuten hat als die lateinische, griechische, englische, sondern viel mehr noch, ganz außerordentlich viele, nämlich einundvierzig. Folglich ist auch das eine gottvergessene Lüge, wenn man sagt, Christus habe das Wort ist aus Mangel der Sprache für das Wort bedeuten genommen.
Ich sage nun so: Wer die katholische Lehre vom heiligen Abendmahl nur solche ungeschickte Lügen vorzubringen weiß, der erkennt gerade dadurch, daß es keine wahren, gründlichen Beweise gegen die katholische Lehre gibt.

Es ist darum ein fürchterlicher Leichtsinn, auf solche unbesonnene, leere Redensarten hin den Glauben an die Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl aufzugeben. Und es ist eine Betrügerei, wenn man Katholiken dadurch zum Abfall zu bringen sucht, daß man ihnen sagt, weil sie in der katholischen Kirche den Kelch nicht zu trinken bekämen, so gehe ihnen etwas zur Seligkeit Notwendiges ab. Entweder ist im Abendmahl der wahre lebendige Leib Christi zugegen, wie die katholische Kirche lehrt, oder es ist nur ein Zeichen zum Andenken an Christus, wie großenteils die Protestanten lehren. Ist Christi Leib zugegen in der Hostie, so ist auch sein Blut zugegen, und es ist nicht wesentlich notwendig, daß du auch noch unter der andern Gestalt, unter des des Weines, die Substanz des Heilandes empfangest, wie man es denn auch in den ersten Zeiten des Christentums nicht notwendig fand, immer beide gestalten zu genießen. Ist aber das Abendmahl nur ein Erinnerungs-Zeichen, dann ist es ganz gleichgültig, ob du dich beim Genuss des Brotes allein oder mit dem Wein an den Herrn erinnerst; dann brauchst du sogar das Brot nicht einmal. Ein Kruzifix oder ein Gebetbuch kann dich ebenso wohl an den Heiland erinnern; und auch dieses brauchst du nicht, du kannst ohne äußeres Zeichen an den Heiland denken – und man wüßte dann nicht, warum der Heiland das Abendmahl überhaupt eingesetzt hätte. Man könnte es dann unterlassen, wie man die Fußwaschung unterläßt, welche vor der Einsetzung des heiligen Abendmahles von dem Herrn vorgenommen ist, und die auch nur eine Erinnerung sein sollte, daß wir Demut üben sollen. –
aus: Alban Stolz, Gesammelte Werke, Kleinigkeiten, Erste Sammlung, 1909, S. 74-78

Fortsetzung: Das Wunder des heiligen Abendmahles

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