Die sieben Märtyrer von Samosata

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

19. Dezember

Die sieben Märtyrer von Samosata:
Hipparch, Philotheus, Jakob, Paragrus, Habib, Roman und Lollian

(Vaterlandsliebe)

Samosata ist eine Stadt in Asien am Fluss Euphrat. Hier wurde durch Befehl des römischen Kaisers Maximian, welcher sich gerade daselbst aufhielt, ein großes Fest gefeiert zu Ehren der Göttin Fortuna, , welcher zu Ehren der Haupttempel der Stadt gebaut und geweiht war. In der ganzen Stadt hörte man Pauken schlagen und Gesang, und der Duft des Weihrauchs und der Brandopfer wallte empor.

Sieben Männer von vornehmem Stand, durch Freundschaft mit einander verbunden, hatten die große Gnade des Christentums angenommen und nahmen deshalb keinen Teil an dem Götzenfest. Da zwei derselben, Hipparch und Philotheus, zu den Angesehensten der Stadt gehörten, so wurden sie vor den Kaiser gerufen; die fünf andern gingen freiwillig mit. Als sie vor den Kaiser kamen, neigten sie ihre Häupter nicht vor ihm, sondern sie schauten betend zum Himmel.

Der Kaiser redete sie an: „Verachtete ihr die Götter so, und habt ihr vor meinen Befehlen so geringe Ehrfurcht, daß ihr nicht einmal eure Häupter vor mir beugen möget? Wißt ihr nicht, daß ich nach den Göttern die größte Gewalt habe?“ Der heilige Hipparch antwortete: „Über unsere Seelen hast du keine Gewalt, weil du ein Mensch bist wie wir!“ – „Und wenn ich auch“, versetzte der Kaiser, „ein Mensch bin wie ihr, warum verachtete ihr die Götter?“ Hipparch antwortete dem Kaiser: „Weil selbst du mehr Achtung verdienst als sie; denn du bist ein Gebilde Gottes, des Schöpfers, jene Götter aber sind nur das Werk von Menschenhänden. Ich schäme mich wahrlich sehr anstatt deiner, daß du Steine und Holz, die zum Dienst der Menschen erschaffen sind, Götter nennst!“ – Da entbrannte der Zorn des Kaisers gegen Hipparch, und er befahl, ihm auf den Rücken fünfzig Schläge mit Geißeln, woran Bleikugeln waren, zu geben, und ließ ihn hernach in das finsterste Loch des Kerkers werfen.

Darauf wurde Philotheus (Gottlieb) vorgeführt, und der Kaiser forderte ihn auf, Weihrauch auf den Götzenaltar zu legen, dann werde er bei ihm zu großen Ehren gelangen. Allein der heilige Philotheus antwortete: „Ehre von dir ist Schande für mich!“ – Der Kaiser entgegnete: „Aber wenn schon Ehre von mir für dich Schande ist, was wird dann erst Beschimpfung von mir für dich sein?“ „Die Beschimpfung um Christi willen“, erwiderte Philotheus, „ist für mich die größte Ehre!“ – Nachdem er dem Kaiser in längerer Rede den christlichen Glauben dargelegt hatte, ließ auch ihn der Kaiser mit rückwärts gebundenen Händen ins Gefängnis führen.

Die fünf andern Glaubensgenossen waren noch jung und hießen: Jakob, Paragrus, Habib, Roman und Lollian. Zu diesen sprach nun der Kaiser: „Diese zwei Alten scheinen des Lebens satt zu sein und wollen aus der Welt kommen, und doch werden sie sich noch meinem Befehl fügen; um so mehr ihr, die ihr noch Jünglinge seid!“ Die Heiligen gaben zur Antwort: Wir glauben an Gott und seinen Sohn, der da kam und gekreuzigt wurde, um seine Schöpfung vom Irrtum zur Kenntnis der Wahrheit, vom Tod zum künftigen Leben zu erwecken. Deswegen werden die Väter Hipparch und Philotheus eben so wenig deinen Willen tun, als wir. Wir tragen nämlich den Leib und das Blut Jesu in uns; unsere Leiber sind geheiligt durch seinen Leib, und wir sind Perlen in seiner Krone. Darum geziemt es sich nicht, daß geheiligte und zum Himmel berufene Menschen umkehren und die gemachten Götzen anbeten; es wäre schändlich, mit offenen Augen in die Grube des Verderbens zu stürzen!“

Der Kaiser sprach: „Ich habe euch gleichsam als Kinder betrachtet und darum euer Plaudern geduldig angehört. Habt Mitleiden mit eurer eigenen Jugend und reizt mich nicht zum Zorn, sondern streut den Göttern Rauchwerk. Ich schwöre es bei den Göttern, gleichwie euer Lehrer an das Kreuz geschlagen worden ist und sich aus den Händen seiner Kreuziger nicht retten konnte, ebenso werde ich euch, wofern ihr mir nicht folgt, kreuzigen lassen im Angesicht der Sonne, hier in Samosata, eurer Vaterstadt, damit Jeder, der euren Glaubens ist, durch euer Schicksal in Schrecken gejagt werde!“ Die Heiligen antworteten: „Unser Lehrer ist zwar gestorben, aber am dritten Tag auferstanden und dann in den Himmel gefahren; dort sitzt er zur Rechten Dessen, der ihn gesandt hat, und lacht deiner, weil du solche Drohungen gegen seine Diener ausstoßest. Jerusalem, das ihn kreuzigte, hat er zerstört und die Kreuziger zerstreut, und die gemachten Götter, welche du anbetest, sind nichts. Denn also steht von ihm geschrieben: „Von den Enden des Himmels ist sein Ausgang, und sein Niedergang an den Enden des Himmels. Nichts verbirgt sich vor seinem Glanz. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft dauert durch alle Zeiten!“

Jetzt ergrimmte der Kaiser und befahl, sie gebunden ins Gefängnis zu führen und zwar jeden in eine besondere Zelle, wo sie keinen Lichtstrahl erblickten. Nach mehreren Tagen, während sie nichts zu essen und zu trinken bekommen hatten, ließ sie der Kaiser wieder vorführen; sie waren ganz schwach, un dem hl. Hipparch waren von der Geißelung die Schultern so angeschwollen, daß sie ihm über den Hals hinauf gingen. Auf die Frage, ob sie jetzt andern Sinnes seien und jetzt opfern wollten, gaben sie zur Antwort: „Du bist wahrhaft deinen Göttern ähnlich, die auch Ohren haben und nicht hören; wir haben dir ja schon gesagt, daß weder Höhe noch Tiefe, weder Gegenwart noch Zukunft uns scheiden von der Liebe unsers Herrn und Gottes Jesu Christi!“
Voll Zorn über diese Beschimpfung gebot der Kaiser, sie anSäulen zu binden, ihnen die Seiten mit Krallen zu zerfleischen und ihre Bäuche mit Ochsenziemern zu schlagen. Dann wurden sie wieder in den Kerker geworfen und angeordnet, daß sie nur ganz wenig Nahrung bekämen, so daß sie fortwährend Hunger leiden mussten, ohne sterben zu können. So ging es zwei Monate lang, wonach sie der Kaiser wieder vorführen ließ; sie sahen Toten gleich, die aus den Gräbern hervor gegangen. Auf`s Neue machte der Kaiser ihnen die glänzendsten Anerbietungen, wenn sie den Göttern opfern wollten. Allein mit großer Entschiedenheit gaben die Heiligen ihren Abscheu zu erkennen gegen diese ruchlose Zumutung.

Wütend vor Zorn schrie der Kaiser: „Sterben wollt ihr, deswegen habt ihr mich beschimpft; ich will es euch nicht länger verweigern – ihr sollt wie euer Meister gekreuzigt werden!“ Die Heiligen, als sie dies hörten, wurden von großer Freude ergriffen und flüsterten einander zu: „Wir sind es nicht würdig, wie unser Herr ans Kreuz geheftet zu werden!“ Dann sagte Philotheus leise zu den Andern: „Still, Brüder, redet nichts, damit wir nicht noch länger vom Weg zum ewigen Leben abgehalten werden; betet lieber, daß wir heute aus dieser Welt der Drangsalen zu Gott hinüber kommen.“ Da nun die heiligen Märtyrer zum Tod geführt werden sollten, baten mehrere Stadträte den Kaiser, daß er ihnen das Leben schenke, oder wenigstens die Hinrichtung verschiebe und erlaube, mit ihren bisherigen Amtsgenossen Hipparch und Philotheus noch eine Besprechung zu halten. Der Kaiser gestattete dieses. Die Ratsherren, obschon sie Heiden waren, umarmten nun und küssten ihre Amtsbrüder und baten sie, daß sie bei dem Gott, für welchen sie sterben, um Gnade und Segen für die Stadt flehen.

Die Heiden hatten meistens eine sehr große Liebe zum Vaterland, und sehr viele zeigten sich bereit, Gut und Leben für das Wohl desselben aufzuopfern. Der Christ aber darf doch in Allem, was gut und schön ist, nicht zurück bleiben hinter dem Heiden, wenn dieser auch der edelste wäre; der Christ muss daher auch große Vaterlands-Liebe haben. Dieses zeigt uns der Heiland selbst, indem er wegen der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems Tränen vergoß, und der Apostel Paulus sagt: „Groß ist mein Schmerz und unaufhörlich der Kummer meines Herzens; ich möchte sogar selbst von Christus hinweg ausgestoßen sein für meine Brüder nach dem Fleisch, die meine Volks-Verwandten sind.“ Daher haben auch die Märtyrer von Samosata wahre Vaterlands-Liebe gehabt; wir können aber gerade an dem Gebet und Segen, den sie über ihre Vaterstadt beteten, sehen, worin das wahre Heil von Stadt und Land besteht, und was der christliche Patriot dem Vaterland vor Allem wünscht.

Auf dem Richtplatz beteten die Märtyrer vor dem schweigenden Volk also: „Ohne unsere Hände zu fremden Göttern auszustrecken, flehen wir zu dem dreieinigen Gott, daß er von dieser Stadt die Abgötterei entferne und in ihr das wahre Christentum pflanze, daß er von ihren Grenzen die Tempel des Heidentums verschwinden mache und um sie herum Kirche Christi baue. Satans Priestertum lasse er in ihr aufhören, und in ihrer Mitte die Priester Christi in reicher Anzahl erscheinen. An der stelle der Unzucht und Geilheit nehme in ihr überhand die Jungfräulichkeit und Keuschheit; für die zum Dienst der Götzen aufgeputzten Mädchen sollen in ihr viele Jungfrauen Christi werden, und für die Jünglinge, die zu Ehren der Abgötter sich die Haare wachsen lassen, viele Söhne des heiligen Bundes, die durch ihre Gebete Gott versöhnen bis zur Ankunft Christi, in Ewigkeit! Amen.“

Wer das Wohl des Vaterlandes will, muss vor Allem lebendiges Christentum befördern; wahres, bleibendes Glück, selbst im Zeitlichen, wird nirgends gefunden, wo die Leute im Unglauben und in der Sünde leben. Dafür wird der christliche Patriot beten und nach Kräften wirken, daß Frömmigkeit und Tugend im Lande zunehme und das größte Unheil, die Lasterhaftigkeit, ausgerottet werde; denn – wie der Apostel sagt: „Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen gut.“

Der alte Priester, welcher die Heiligen getauft hatte, schrieb mit großem Fleiß Alles auf, was die Heiligen vom Anfang bis ans Ende litten. Der Kaiser aber ließ neben der Straße, die in die Stadt führt, sieben Kreuze aufpflanzen; zugleich befahl er, Kessel mit Öl zu füllen und Feuer dabei anzuzünden. Ferner brachte man Bündel von Reisig, häufte Steine zusammen, bloße Schwerter und geschliffene Messer. Dies Alles wurde vor die Heiligen hingelegt; dann redete der Kaiser den Hipparch an: „Habe doch Mitleid mit deinem Alter, du Feind deines selbst, und ziehe dir nicht selbst die Kreuzigung zu!“ Hipparch, der kahl war, legte seine Hand auf den Kopf und sprach: „So wenig noch Haar auf meinem Kopf wächst, eben so wenig achte ich auf deine Reden!“

Jetzt gebot der Kaiser, sogleich alle Sieben ans Kreuz zu hängen. Darauf brachte man die Haut eines Ziegenböckleins, zog sie über den Kopf des Hipparch und schlug Nägel durch die darüber gespannte Haut in den Kopf des Heiligen. Dann sagte der Kaiser: „Siehe, nun ist Haar auf deinem Schädel gewachsen. Opferst du jetzt?“ Der Heilige wollte eben seinen Mund zum reden öffnen – da schied die Seele von seinem Leib.

Nun sagte der Kaiser zu Philotheus und seinen Gefährten: „Wenigstens jetzt laßt euch zum Opfern bewegen und habt Erbarmen mit euch selbst, damit ihr nicht sterbet wie dieser Alte, der mit sich auch kein Mitleid getragen hat!“ Die Heiligen antworteten: „Wir bitten Gott und seinen Christus und den heiligen Geist, daß wir alle sogleich diesen Greis einholen können, damit wir mit ihm gekrönt werden am Tage unsers Herrn Jesu Christi!“ – Da sprach der Kaiser: „Schämt ihr euch nicht, am Kreuz zu hängen?“ Die Heiligen antworteten, „Du allein hast dich zu schämen!“ – Da ward sein Zorn zum heftigsten Grimm, und er ging fort in die Stadt.

Die Märtyrer aber hingen an den Kreuzen bis an den andern Tag; alsdann schlugen die Henker dem Philotheus, Paragrus und Habib auf Befehl des Kaisers Nägel in den Kopf. Dem Jakob, Roman und Lollian hieben sie mit dem Schwert so lange auf die Hälse, bis sie ihnen die Köpfe abgeschlagen hatten. Denen aber, welchen Nägel in den Kopf geschlagen worden waren, rann das Gehirn durch Mund und Nase heraus, bis sie endlich starben. Dann gingen die Henker in das Schloss und berichteten es dem Kaiser und fragten, was er über die Leichname verfüge, sie liegen vor den Kreuzen auf dem Boden. Der Kaiser befahl, mit Untergang der Sonne die Stadttore zu schließen, den Leichen Stricke an die Füße zu binden, sie fort zu schleppen und in den Euphrat zu werfen.

Ein reicher, angesehener Mann, Namens Bassus, war heimlich dem Christentum ergeben. Als dieser den Befehl des Kaisers erfuhr, ging er vor die Stadt zu den Henkern, wo die Leichen der Märtyrer lagen, und bot ihnen für jeden Leichnam 100 Denare, wenn sie ihm dieselben überlassen wollten. Die Henker äußerten Besorgnis für ihr eigenes Leben, wenn es der Kaiser erführe. Bassus beruhigte sie und ließ einige Schafe schlachten und sie Nachts bis zum Euphrat schleppen, damit man aus den Blutspuren am Wege vermute, es seien die Leichname der Märtyrer dorthin geschleppte und is Wasser geworfen worden. Sodann ließ er die erkauften Leiber der Heiligen in einer Grabhöhle heimlich durch einen seiner Sklaven beisetzen, und schenkte dann zu Ehren der heiligen Märtyrer dem Sklaven mit Weib und Kindern die Freiheit. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 466 – S. 471

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Category: Märtyrer, Stolz
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