Unterricht vom englischen Gruß und Auslegung

Goffine: Unterricht vom englischen Gruß

Worin besteht der englische Gruß?

Er besteht darin, daß man dreimal das „Gegrüßet seist du, Maria“ etc. betet und jedem einige Worte der heiligen Schrift über die Menschwerdung voran setzt, dem ersten nämlich: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom hl. Geist“; dem zweiten: „Maria sprach: Siehe, ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort!“; dem dritten: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Darauf spricht man folgendes Gebet:

Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin!
Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.
Wir bitten Dich, o Herr! Gieße deine Gnade in unsere Herzen ein, auf daß wir, die wir die Menschwerdung deines Sohnes Jesu Christi durch die Verkündigung des Engels erkannt haben, durch sein Kreuz und Leiden zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen mögen; durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Wann ist der Gebrauch, den englischen Gruß so zu beten, entstanden?

Sicher ist, daß Leo X. (1513) dem dreimaligen Gebetläuten zunächst für die Abtei Saint Germain seine Gutheißung erteilte. Von Frankreich aus verbreitete sich dieser schöne Brauch bald über die ganze katholische Welt. Die Päpste vermehrten die Ablässe, bis Benedikt XIII. (am 14. September 1724) allen Gläubigen, welche den englischen Gruß täglich morgens, mittags und abends beim Läuten der Betglocke beten, einen Ablass von dreihundert Tagen verliehen hat. Wer dieses einen Monat lang tut, kann, wenn er beichtet, kommuniziert und die gewöhnlichen Ablassgebete verrichtet, einen vollkommenen Ablass gewinnen. Um aber dieser Ablässe teilhaftig zu werden, muss man den „Engel des Herrn“ kniend beten, mit Ausnahme des Samstag Abend, aller Sonntage und der ganzen Osterzeit, d. i. vom Karsamstag Mittag an bis zum ersten Sonntag nach Pfingsten.

Warum wird der englische Gruß dreimal gebetet?

Der englische Gruß wird dreimal gebetet, um dadurch die heiligste Dreifaltigkeit anzubeten, um den Anfang, die Mitte und das Ende des Tages durch Vereinigung seiner Werke mit den Werken Jesu zu heiligen, um sich stets zu allem Guten zu ermuntern und den Schutz der seligen Jungfrau Maria wider die zahllosen sichtbaren und unsichtbaren Feinden anzurufen, die des Morgens vom Beginnen guter Werke, unter Tags von heiliger Fortsetzung, des Abends von gottgefälliger Vollendung derselben anhalten wollen. Wie heilsam muss nicht die Erinnerung an die in der Menschwerdung sich offenbarende Liebe Gottes zum heil unserer Seelen auf jedes empfängliche Gemüt wirken, wie sehr zum Dank gegen Gott und zum Eifer für die Rettung unserer Seelen anspornen!

Wie soll man den englischen Gruß beten?

Beten wir den englischen Gruß

1) regelmäßig,

2) mit dankbarem Herzen gegen die göttliche Liebe,

3) mit Reue über unsere Sünden, da Christus um ihretwillen Mensch wurde,

4) mit Andacht, d. h. denken wir an das, was wir aussprechen.

Auslegung des „Ave Maria“

Warum wird das Gebet: „Gegrüßet seist du etc.“ auch der englische Gruß genannt?

Weil es mit den nämlichen Worten anfängt, die der Erzengel Gabriel zur seligsten Jungfrau gesprochen hat, als er ihr die Botschaft brachte, daß sie die Mutter des Sohnes Gottes werden solle.

Woraus besteht der englische Gruß?

1) Aus den Worten des Erzengels Gabriel;

2) aus den Worten der hl. Elisabeth;

3) aus den Worten, welche die katholische Kirche noch beigesetzt hat.

Welches sind die Worte des Erzengels Gabriel?

„Gegrüßet seist du (Maria), voll der Gnaden, der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Weibern.“

Was bedeuten die Worte „Gegrüßet seist du“?

Sie bedeuten die hohe Ehrfurcht, welche der Engel vor Maria hatte, deren Namen er nicht auszusprechen wagte. Sie sind der Friedens- und Versöhnungs-Gruß Gottes an Maria und in ihr an die Menschheit.

Ist Maria „voll der Gnaden“ gewesen?

Alle Gnaden, welche Engel und Menschen teilweise besitzen, hat Gott Maria insgesamt erteilt. (Siehe dazu auch den Beitrag: Segneri Andacht zur Jungfrau Maria)

Warum sagte der Engel: „Der Herr ist mir dir“, da doch Gott an allen Orten und mit allen Gerechten ist?

Obwohl Gott an allen Orten ist durch seine Gegenwart und mit allen Gerechten durch seine Gnade, so ist Er doch mit Maria auf eine ganz besondere und vorzügliche Weise, indem Er sie nicht nur von dem ersten Augenblick ihrer Empfängnis an durch seine Gnade mit sich vereinigt, sondern auch dadurch, daß Er die Menschheit in ihr angenommen, sich selbst mit ihr vereinigt hat und die engste Blutsverwandschaft mit ihr eingegangen ist. (siehe den Beitrag: Reetz, Hatte Jesus jüdisches Blut) „Hätte Gott sie wohl“, so ruft in Betrachtung dessen der hl. Bernhard aus, „höher erheben können? Und ist sie nicht dadurch, obwohl sie der Natur nach ein Mensch wie andere ist, über alle Menschen und Engel erhoben worden?“

Wie ist Maria „gebenedeit unter den Weibern“?

1) Dadurch, daß sie unter allen Weibern von Gott zur Mutter des Messias ausersehen worden, welches die größte Gnade und Ehre ist, die dem weiblichen Geschlecht widerfahren konnte;

2) weil ihre Mutterschaft mit so vielen Vorzügen beehrt war, indem sie als eine Jungfrau empfangen und ohne Schmerzen, ohne Verletzung der Jungfrauschaft geboren hat, welches nie einem Weibe geschehen ist, noch auch geschehen wird.

Wie heißen die Worte der Elisabeth, und was bedeuten sie?

„Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“. „Gebenedeit“ bedeutet so viel, als „gepriesen“. Wenn wir also diese Worte aussprechen, so wünschen wir, daß Jesus von jedermann angebetet und gepriesen werde.

Welche Worte hat die katholische Kirche hinzugesetzt?

Den Worten: „Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“ setzte sie bei „Jesus“, um jene Worte zu erklären und zugleich anzudeuten, daß auch dieses Gebet im Namen Jesu verrichtet werden soll. Sodann folgen die Worte: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens! Amen.“

Welchen Sinn haben diese Worte?

Mit den Worten „Heilige Maria“ wenden wir uns an die Gnadenvolle, als unsere Fürsprecherin, und werden erinnert, daß wir streben sollen, ihre Heiligkeit nachzuahmen, wenn wir ihrer Fürbitte und der Erhörung vor Gott gewiß sein wollen. „Mutter Gottes“ nennen wir sie, weil sie Jesum, den Sohn Gottes, geboren hat. Damit erinnern wir sie zugleich, daß sie unsere Mutter sei, und bitten sie, als Mutter sich unser anzunehmen, – nicht als glaubten wir, daß sie durch sich selbst uns helfen könne, sondern in der Absicht, daß sie für uns ihre allvermögende Bitte bei Gott einlege; deshalb rufen wir: „Bitte für uns“ und fügen bei „arme Sünder“. Dadurch erinnern wir Maria an unsere Armseligkeit, an unser Unvermögen zum Guten und an unsere Schuldbarkeit vor Gott, und bitten sie, uns die göttliche Gnade zu wahrer Buße, zur Erlangung der Tugenden und wahren Friedens zu erwerben, und zwar „jetzt“, weil wir jeden Augenblick, überhaupt während des ganzen irdischen Lebens so viele Gefahren zu bestehen, so viele Tugenden zu erringen haben, und „in der Stunde unseres Absterbens“, damit wir die Versuchungen der letzten entscheidenden Stunde überwinden und als vollendete Sieger vor dem Thron des ewigen Richters erscheinen mögen. „Amen“, es geschehe, ist gleichsam eine Wiederholung und Bekräftigung des ganzen Gebetes. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 559 – S. 561

Category: Christenlehre, Goffine
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