Unsere Liebe Frau vom Bogenberg

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Wallfahrt zu U. L. Frau vom Bogenberg in Niederbayern

Auf dem Gipfel eines Vorberges des bayerischen Waldes hart am Donaustrom liegt eine große, in alt-deutschem Stil erbaute Kirche, von wo aus man das ganze schöne Altbayern mit seinen hundert und hundert Kirchen und in der sonne blitzenden Kirchentürmen bis zu den Salzburger-, Tiroler- und Steiermärker-Gebirgen mit einem Blick überschaut. Am Fuß des Bogenberges liegt der freundliche Markt Bogen, und eine halbe Stunde entfernt an der Donau das ehemalige herrliche Benediktinerstift Altaich. Hier stand zur Zeit, da in Bayern noch der Götzendienst seine Anhänger hatte, eine alte Eiche, einem Götzen geweiht. Als Herzog Odilo den christlichen Glauben annahm, ließ er die Eich umhauen, und eine Kirche und ein stattliches Kloster bauen. Der heilige Pirminius weihte die Kirche. Herzog Odilo aber ließ aus dem uralten Kloster von Reichenau, wo einst der heilige Meinrad gelebt, zwölf Mönche kommen, und besetzte damit das neue Kloster, welches unter 26 Äbten über 176 Jahre in herrlicher Blüte stand. Da kamen die wilden Hunnen aus Ungarn, verwüsteten das ganze Land und verbrannten das Kloster. 195 Jahre lag es in Schutt und Asche, bis es endlich Friedrich Graf von Bogen, der in einem mächtigen Schloss auf dem Bogenberg wohnte, wieder aus seinem Schutt erhob und neu erbauen ließ. Nach des Grafen Friedrich Tod ward sein Bruder Aswin Herr von Bogen.

Da geschah es im Jahre 1104, daß das wundertätige Bild der Muttergottes, wie es annoch auf dem Hochaltar in der Kirche zu Bogenberg steht, auf der Donau, dem Strom entgegen herauf schwimmend, angekommen und auf einem Steinfelsen mitten im Wasser so lange gehalten, bis es von den Anwohnern gesehen, und dem Grafen mit Verwunderung angezeigt worden. Graf Aswin verordnete alsbald, daß das Wunderbild aus dem Wasser an das Land gebracht, in sein Schloss auf dem Bogenberg getragen und in dessen Kapelle beigesetzt wurde. Noch sieht man den Steinfelsen in der Donau, auf dem das Bild gestanden. Das Bildnis ist aus einer weißen Steinart gehauen und stellt Mariä Heimsuchung vor: nämlich die heilige Jungfrau, wie sie, das göttliche Kindlein Jesus unter dem herzen, zum Besuch ihrer Base Elisabeth geht. Es ist gegen 5 Schuh hoch, wohlgebildet, mit einer Krone auf dem Haupt und bemalter, noch ganz gut erhaltener Kleidung. Die über den Mantel herab hängenden Haare sind goldgelb, der Rock ist blau, mit Rosen besetzt, der Mantel rot, mit eingewirkten Weizenähren; die Aufschläge sind purpur schillernd, die von dem Mantel halb bedeckten Hände liegen auf dem gesegneten Leib. Unter dem Herzen ist eine mit Strahlen umgebende, länglich viereckige Öffnung, in welcher das Fleisch gewordene Wort in Kindesgestalt aufrecht stehend dargestellt ist. Beigesetzt ist der Name Gottes in elf Sprachen. Jetzt ist das Bildnis mit einem goldgestickten Kleid und Mantel bedeckt.

Als sich die Kunde von der Übertragung des wundertätigen Bildes in die Schlosskirche auf dem Bogenberg verbreitete, kamen bald fromme Verehrer Mariens herbei, um dort ihrer Andacht zu pflegen. Die frommen Mönche von Altaich, welche den Gottesdienst in der Schlosskapelle besorgten, taten Alles, um den frommen Wallfahrern zu genügen und ihre Andacht zu befördern. –

Eine Zeichnung der Kirche Unserer Lieben Frau vom Bogenberg auf dem Berg

Mehrere Bischöfe verliehen Ablässe und im Jahre 1295 bewirkte Abt Konrad II. auch einen päpstlichen Ablass. Da wegen vieler Gnaden-Erweisungen die Andacht zu Unserer L. Frau auf dem Bogenberg immer größer wurde und die kleine Schlosskapelle die Wallfahrer nicht mehr fassen konnte, wurde zum Bau einer Kirche geschritten. Das Schloss war mit dem Tod des letzten Besitzers Albert IV. in Verfall geraten. Aus seinen Ruinen baute nun der genannte Abt Konrad eine herrliche Kirche und daneben eine Wohnung für Geistliche. Aus der Nähe und Ferne zogen nun zahlreiche Wallfahrer nach Bogenberg; selbst mehrere Kaiser, unter denen Kaiser Ferdinand II. mit seiner frommen Gemahlin Eleonore, kamen, um Unserer L. Frau zu huldigen. Bogenberg galt Vielen als das zweite Altötting. Ganze Gemeinden zogen in Prozession dahin. Oft konnte man an einem Tage 15000 Andächtige zählen. In der Nähe der Kirche standen im schattigen Gehölz 5 kleine Kapellen, wo, wie auf dem Berg Montserrat, fromme Einsiedler ihre Tage im Gebet und Buße zubrachten. Nur eine dieser Kapellen, dem Erlöser geweiht, steht noch, aber nicht mehr die alte von Holz, sondern eine gar schöne, liebliche vom Kloster Altaich erbaute. Ein Einsiedler wohnt daneben. Vom Jahre 1104 an dauerten die Wallfahrtszüge ununterbrochen fort, nur zu Zeiten durch Kriegsunruhen gestört. Im dreißig-jährigen Krieg plünderten die Schweden die Kirche rein aus, zerschmetterten die Altäre, beraubten das Gnadenbild seiner Zierde, stürzten es vom Altar herab und schleuderten es den Berg hinab, doch das heilige Bild blieb erhalten. Ost schlug der Blitz in Turm und Kirche ein, das Bild blieb immer unverletzt. Fleißig besorgten die Väter Benediktiner die Obliegenheiten ihres Berufes auf dem Gnadenberg; sie waren treue Wächter des Gnadenbildes, und eifrige Seelsorger für die zahlreichen Wallfahrer im Beichtstuhl und auf der Kanzel. O wie viele arme Sünder fanden da Rettung aus ihrer Seelennot, wie viele Bedrängte Trost, wie viele Kranke Hilfe! Im Jahre 1803 ward das Kloster Oberaltaich aufgehoben, und die Väter Benediktiner mussten den Gnadenort verlassen. Bogenberg ward eine Pfarrei und Weltpriester versehen nun die Seelsorge. Aber die Wallfahrt U. L. Frau in ihre schöne Kirche dauert noch immer fort.

Mehr als 50 Pfarrgemeinden aus dem Wald und Niederbayern ziehen noch alljährlich in Prozession zur Gnadenmutter. Unter diesen Gemeinden ist besonders bemerkenswert die Pfarrgemeinde Holzkirchen bei Ortenburg. Es ist der Brauch, daß die Gemeinden als Opfer schöne große Wachskerzen darbringen und der lieben Frau zu Füßen legen. Einmal wurde die Gemeinde Holzkirchen durch die Fürbitte Unserer L. Frau von einem großen Unglück befreit. In Folge eines Verlöbnisses nun opfert diese Gemeinde alle drei Jahre eine über fünfzig Fuß hohe, mit rotem Wachs überwundene Stange, welche von einem starken Jüngling, dem einige Gefährten zur Seite stehen, aufrecht stehend durch den ganzen Markt Bogen über den hohen Berg hinauf getragen wird, begleitet von der laut betenden Gemeinde. Die mit Wachs überzogene Stange wird in der Kirche unweit des Hochaltars aufgestellt und bleibt dort, bis eine neue wieder an ihre Stelle tritt. –

Die große, schöne Kirche, von welcher aus Maria ihren Schutzmantel über das schöne liebe Altbayern ausbreitet, hat in neuerer Zeit viele Verschönerungen erhalten, und noch immer findet in ihrem Innern vor dem Gnadenbild das herz des christlichen Wanderers, was er sehnlich verlangt, Trost, Ruhe und Frieden! (Marian. Atlas u. Kiefl, die Wallfahrt Bogen.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 232 – Sp. 235

Kerzenwallfahrt von Holzkirchen nach Bogenberg

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Category: Gnadenorte, Ott
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