Unsere Liebe Frau vom Trost zu Arezzo

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte der hohen Himmelskönigin Maria

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Gnadenkirche U. L. Frau vom Trost zu Arezzo in Italien

Man hat öfters die Wahrnehmung gemacht, daß besonders zur Zeit großer Drangsale, welche entweder ganze Länder und Städte, oder einzelne Personen treffen, U. L. Frau auf wunderbare Weise Zeichen ihres Mitleids mit den Leiden der Menschen gegeben hat; ihr Mitleid ist aber stets mit Hilfe verbunden. Doch zu keiner Zeit hat man auffallendere und zahlreichere Beweise ihrer liebevollen und zärtlichen Teilnahme an den Leiden der Menschen wahrgenommen, da gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, als durch die französische Revolution mannigfaches Weh über ganz Europa und insbesondere über Italien kam, wo man das Oberhaupt der Kirche, den Papst Pius VI., in Gefangenschaft schleppte und schon sich rühmte, dem Papsttum und damit der katholischen Kirche den Todesstoß versetzt zu haben. Unter den vielen Städten, die gerade zu dieser Zeit von der göttlichen Mutter mit wunderbarer Erscheinungen begnadigt wurden, wählen wir Arezzo in Toskana aus.

Im Jahre 1796, in welchem die französischen Heere unter General Bonaparte in Italien einrückten, wurde die Stadt Arezzo über dies noch durch ein anders furchtbares Ereignis, durch ein Erdbeben erschreckt. Das Volk, von seinem damaligen frommen Bischof, Monsignore Moruscci, aufgemuntert, verrichtete verschiedene Buß- und Andachts-Übungen zu Ehren des heiligen Donatus und anderer heiliger Märtyrer, den Patronen der Stadt Arezzo. Allein die fürchterlichen Erdstöße dauerten vom 1. bis 15. Februar, bald mehr, bald minder heftig fort und ängstigten die Stadt. Am 15. Februar, an welchem früh Morgens wieder eine sehr heftige Erderschütterung stattgefunden hatte, trafen drei Handwerker von Arezzo Abends in einem Gasthaus, in welchem man unbemittelten Leuten Wein in kleinen Portionen verkaufte, zusammen. In dem Gastzimmer dieses Hauses befand sich ein altes Mutter-Gottes-Bild von halberhabener Arbeit auf Steingut. Dieses Bild hatte über dem Herd seinen Platz und war daher vom Rauch geschwärzt. Die erwähnten drei armen Bürger von Arezzo, gute Leute, sprachen von dem, was ihnen so schwer am Herzen lag, von dem Erdbeben, das sie seit längerer Zeit in steter Furcht und Angst erhielt. Einer von ihnen erhob seine Augen zu dem Mutter-Gottes-Bild und rief mit beklommenem Herzen: „O heiligste Jungfrau, diese Nacht wird vielleicht unsere letzte sein.“ Die Wirtin, eine fromme Frau, ermahnte die Männer zum Vertrauen auf die mächtige Fürbitte der göttlichen Mutter. „Ich will nun, fügte sie hinzu, die Lampe vor ihrem Bild, wie ich alle Abende zu tun gewohnt bin, wieder anzünden.“ Sie tat es und die Männer knieten sich nieder, um die Litanei zu Ehren der Mutter Gottes zu beten. Während sie so beteten, bemerkte einer von ihnen, daß der Ruß, mit dem das Bild bedeckt war, plötzlich verschwand, und die schwarze Farbe in eine glänzend weiße sich veränderte. Er wendete sich hierauf zu seinen Gefährten und zu der Wirtin und sagte: „Seht hin, U. L. Frau ändert die Farbe.“ Sie sahen hin und nahmen das Nämliche wahr. Um sich zu überzeugen, daß es keine Täuschung sei, entfernten sie das Licht von dem Bild, aber das Bild blieb glänzend weiß. Man kann sich leicht denken, daß die guten Leute von der zärtlichsten Andacht zur göttlichen Mutter erfüllt wurden und die wunderbare Veränderung an dem Mutter-Gottes-Bild als ein sicheres Vorzeichen der nahen Befreiung von dem furchtbaren Erdbeben betrachteten.

Mit Blitzesschnelle verbreitete sich die Kunde von diesem Wunder noch in derselben Nacht und von allen Teilen der Stadt strömten die Leute herbei, um das Wunderbild zu sehen. Auch der hochw. Hr. Bischof Moruscci begab sich um Mitternacht dorthin, untersuchte die Sache auf das Genaueste und erkannte die Erscheinung als (wunderbar) ein Werk Gottes. Derselbe verordnete hierauf, daß das Bild von der mit Ruß überzogenen Wand in eine nahe Kapelle gebracht werde. Der Bischof wohnte der feierlichen Übertragung des Bildes in eigener Person an, und hielt bei dieser Gelegenheit eine Predigt an das zahlreich versammelte Volk und war dabei so gerührt, daß er vor Tränen nicht mehr weiter sprechen konnte auch alle Zuhörer in lautes Weinen und Schluchzen ausbrachen. Das Erdbeben hatte von diesem Augenblick an in Arezzo aufgehört, wiewohl an andern Orten dasselbe noch eine geraume Zeit fortdauerte. Zur dankbaren Erinnerung an diese gnadenvolle Befreiung erhielt das Bild den Namen Maria Trost (Maria des Trostes).

Die Zahl der Andächtigen, welche kamen, um das Bild U. L. Frau vom Trost zu verehren, nahm von Tag zu Tag zu, so daß es notwendig war, das Gnadenbild aus der Kapelle, i welche es anfänglich gebracht worden war, in die Domkirche zu versetzen, was noch in demselben Monat, am 19. Februar, geschah. Nicht bloß aus der Stadt und der Umgegend, sondern selbst vom Ausland strömten bald andächtige Scharen zu dem Bild U. L. Frau vom Trost in die Domkirche zu Arezzo, und so erbauend und rührend war die Andacht und das Vertrauen dieser guten Leute, daß auch Männer von großer Wissenschaft oder vornehmem Stande bei dem Anblick der vielen frommen Wallfahrer bis zu Tränen gerührt wurden. Im Jahr 1799 unternahm selbst Karl Emmanuel IV., König von Sardinien, der schon früher kostbare Geschenke nach Arezzo geschickt hatte, mit seiner Gemahlin Maria Klotilde eine Wallfahrt zu dem Gnadenbild U. L. Frau, der Befreierin Italiens, wie er sie nannte, deren in Gold gefaßtes Bildnis er stets auf seiner Brust trug.

Je größer und inniger die Andacht zu U. L. Frau ist, desto größer und zahlreicher sind auch die durch ihre Fürbitte erlangten Gnaden. So war es auch hier der Fall…

Der hochw. Bischof Albergotti, der Nachfolger des oben erwähnten Moruscci, suchte bei seinen Diözesanen die Andacht zu U. L. Frau vom Trost nicht bloß zu erhalten, sondern noch mehr zu beleben. Er ließ daher das Gnadenbild in eine neue, prächtige Kapelle, welche in der Domkirche aus den reichlichen Beiträgen der Verehrer Mariens war hergestellt worden, übertragen. Damit nicht zufrieden, bemühte er sich auf das Eifrigste, die Krönung des wundertätigen Mutter-Gottes-Bildes zu erwirken. Es ist nämlich Sitte, berühmte Gnadenbilder, die durch hohes Alter Zahl der gewirkten Wunder, und große Andacht der Gläubigen sich auszeichnen, öffentlich zu krönen. Die Erlaubnis hierzu muss in Rom bei dem Kapitel der Kirche des heiligen Petrus im Vatikan, nachgesucht werden. Der hochw. Bischof von Arezzo begab sich im Mai des J. 1814 nach Rom, um für das Bild U. L. Frau vom Trost diese Begünstigung zu erlangen und erhielt sie auch wirklich. Am 15. August nach voraus gegangenen mehrtägigen frommen Übungen fand die Krönung durch den Diözesan-Bischof Hrn. Albergotti in feierlichster Weise statt. Die Vorderseite (Façade) des herrlich geschmückten Tempels trug folgende Aufschrift in lateinischer Sprache:

„Der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes, vom Trost zugenannt, durch Erteilung von Gnaden und Abwendung von gefahren höchst berühmt, hat Augustin, Bischof von Arezzo, die von dem Kapitel der Vatikanischen Basilika bestimmte goldene Krone als Beweis der Liebe und zum ewigen Andenken auf das Haupt gesetzt.“
Eine Schaumünze, welche bei dieser Gelegenheit geprägt wurde, enthielt folgende Umschrift um das Bild der seligsten Jungfrau: Aretinorum salus corona Tua (das Heil der Arezziner ist deine (schönste) Krone.“ (Riccardi vol. II, pag. 256) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 2682 – Sp. 2685

Category: Gnadenorte, Ott
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