Welch eine gräßliche Sünde ist die Verführung

Das Bild zeigt die Sünde und ihre Folgen: Gottvater, ein Engel mit dem Flammenschwert zu Eva gewandt, ein anderer Engel mit einem Zweig zu Maria gewandt

Welch eine gräßliche Sünde ist die Verführung unschuldiger Seelen

Du bewunderst und preisest gewiß die überaus schöne Tat des heiligen Märtyrers Didymus, der um den Preis seines Lebens die heilige Theodora vor Befleckung zu bewahren suchte; aber was denkst du dir wohl von einem Menschen, der darauf ausgeht, eine Unschuld zu verführen! Die Unschuld ist das Kostbarste, was ein Mensch besitzt; alle Schätze der Welt sind nichts im Vergleich mit ihr; darum spricht nicht umsonst Jesus ein fürchterliches Wehe über jene aus, welche der Unschuld Ärgernis geben. Ein Mensch, der durch Schmeichelei, durch Bestechung. Drohung oder Gewalt eine Unschuld befleckt, ist wahrhaft dem Teufel gleich, der von Natur aus dieses schreckliche Handwerk treibt. Er begeht an dem himmlischen Vater das größte Verbrechen, denn er entreißt ihm sein Kind, das er in der Taufe angenommen; er fügt Jesum die schrecklichste Beleidigung; denn er entreißt ihm seine Seele, die er sich durch sein Blut erkauft hat und tritt dies heilige Blut mit Füßen; er begeht an dem heiligen Geist die größte Schmach, denn er entweiht seinen Tempel, er vertreibt ihn aus einem unschuldigen Herzen, das er bewohnt hat, und öffnet es dem Teufel. Ein Verführer versündigt sich auf das Schrecklichste an der verführten Unschuld selbst; denn er stürzt sie in die Sünde, raubt ihr die heiligmachende Gnade und legt in ihr den Grund zu einem sündhaften Leben und zum ewigen Verderben! Er versündigt sich an der ganzen Menschheit; denn solche verführte Seelen verführen auch andere und ziehen sie in das Verderben. Wer kann es fassen oder ausrechnen, welch ein Unheil für Tausende die Verführung einer einzigen unschuldigen Seele anrichtet!

O christliche Seele, gib doch Niemand Anlaß zur Sünde und hüte dich auf das Sorgfältigste, einer Unschuld Ärgernis zu geben oder gar dieselbe zur Sünde anzureizen und zu verführen. Die Ruhe deines Herzens ist dahin und ohne strenge ernstliche Buße wirst du nimmer mehr selig werden, wenn du eine solche Tat begehst! Suche vielmehr, so weit es in deinen Kräften steht, die Unschuld zu schützen; warne, mahne und halte ab, wo und wie du kannst; Jesus wird dir es mit ewiger Herrlichkeit lohnen. Verrichte daher jetzt und öfters folgendes

Gebet.
O Jesus, der du um den Preis deines blutigen Kreuztodes jede Seele erkauft hast, laß doch nicht zu, daß ich so tief in das Unglück falle, und eine Seele in die Sünde stürze. Lieber lasse mich sterben, als eine so schändliche Tat begehen.

aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 663-664

Bildquellen

  • hattler-die-suende-und-ihre-folgen: Bildrechte beim Autor

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