Der heilige Anastasius I Papst

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die guten Hirten auf dem Stuhl Petri

Der heilige Anastasius I. (regierte von 399-401)

Wie Papst Siricius, so war auch sein Nachfolger im obersten Hirtenamt, der Römer Anastasius I. eine Zierde des Apostolischen Stuhles. Der heilige Hieronymus schildert ihn als einen heiligmäßigen, glühend vom apostolischen Eifer.

Das römische Reich lag bereits im Todeskampfe, als der heilige Anastasius den päpstlichen Thron bestieg. Zwei Jünglinge waren die Nachfolger des kräftigen Theodosius. Arcadius trug in Konstantinopel, Honorius in Mailand den kaiserlichen Purpur. Ihr großer Vater hatte ihnen in Rufinus und Stilicho Minister gegeben, welche die jungen Söhne hätten leiten sollen. Allein diese beiden waren eifersüchtig auf die gegenseitige Macht und schadeten sich, wo sie es nur vermochten. Die Feindschaft der beiden Minister machte das Elend voll, und bot den Feinden eine willkommene Gelegenheit, das schwerste Elend über Rom zu bringen.

Im Morgenland erweckte Gott dem Papst Anastasius einen klugen und treuen Mitarbeiter in dem heiligen Patriarchen Chrysostomus, der ohne jede irdische Rücksicht die hohen und die Niedrigen an ihre Christenpflichten erinnerte. Alle seine Einkünfte verwendete er zum Besten der Armen und Kranken, zur würdigen Abhaltung des Gottesdienstes. Sein apostolischer Freimut zog ihm aber die Rache und den Haß der Kaiserin Eudoxia zu. Er wurde mehrmals verbannt und starb auch in der Verbannung.

Diesen unerschrockenen Vorkämpfer des wahren Glaubens verteidigte der heilige Papst Anastasius. Er kümmerte sich dabei nicht um die Gunst des Kaisers Arcadius und dessen Gemahlin, bei welcher der heilige Chrysostomus wegen einer Predigt in Ungnade gefallen war. Auch Papst Anastasius mußte sich noch mit dem Priester Rufinus beschäftigen, welcher bei der Übersetzung von Schriften des Origenes auch dessen Irrtümer verbreitet hatte. Der Papst forderte den Rufinus zur Verantwortung nach Rom, dieser aber entschuldigte sein ausbleiben und sandte eine Verteidigungs-Schrift an den Papst. In einem Brief an den Bischof Johannes von Jerusalem verurteilte der Papst den Kirchen-Schriftsteller Origenes zwar nicht, erklärte aber ein ihm vorgelegtes Buch desselben mit Irrtümern behaftet. Er erließ mehrere Hirtenbriefe nach Oberitalien, wohin sich Rufinus zurückgezogen hatte. Auch ermahnte der Papst die afrikanischen Bischöfe zur Geduld und fortgesetzten Wachsamkeit gegen die falschen Lehren der Donatisten. Es waren dies nämlich Bischöfe, welche den rechtmäßigen Bischof Cäcilian von Karthago nicht anerkennen wollten, sondern sich einem Gegenbischof Donatus anschlossen. Aufs höchste verehrt starb Papst Anastasius, der ein besonderer Freund des heiligen Paulinus von Nola und des heiligen Hieronymus war, am 19. Dezember des Jahres 401, schon bei seinem Tode als Heiliger hoch verehrt. Die Christenheit feiert sein Fest im April. „Er hat die Kirche regiert durch sein musterhaftes Leben, seine tadellose Lehre und die Festigkeit seines apostolischen Eifers“, sagte von ihm sein heiliger Nachfolger Innozenz I. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 90 – S. 91

Mit diesem Papst schloß das an großen Ereignissen und erhabenen Männern reiche Jahrhundert. Hieronymus nennt diesen Oberhirten reich in seiner Armut und voll apostolischen Eifers. Schon bei seinem Tode galt er als Heiliger. Aus seiner kurzen Regierungs-Dauer wissen wir, daß er verschiedenen Irrtümer verurteilte, welche in der lateinischen Übersetzung von Werken des Origenes enthalten waren und daß er diese Verurteilung den Kirchen des Orients wie des Okzidents bekannt machte. Von welchem Geist Anastasius beseelt war, ersehen wir aus dem Schreiben, welches er an den Bischof Johannes von Jerusalem richtete, worin er sagt:

„Ich werde es nicht an Sorgfalt ermangeln lassen, in meinem Volk und den verschiedenen über den großen Erdkreis verbreiteten Teilen desselben den Glauben des Evangeliums zu erhalten, soweit ich mit Schriften sie erreichen kann, daß nicht eine unheilige Art der Auslegung sich einschleiche, welche die andächtigen Gemüter umnachte und erschüttere.“

Es sind das Worte, wie sie nur derjenige schreiben kann, der sich des Amtes, als Vorsteher über die ganze Christenheit zu wachen, bewußt ist und zugleich weiß, daß er als solcher betrachtet wird. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, I. Band, 1907, S. 153

Weitere Beiträge über Päpste

Welch eine gräßliche Sünde ist die Verführung
Abendgebet zum heiligsten Herzen Jesu
Menü