Dem Beispiel der Heiligen nachfolgen

Jesus Christus, in der Mitte des Bildes sitzend, ist umgeben von Seinen Heiligen

Betrachtung zum Neuen Jahr

Im neuen Jahr dem Beispiel der Heiligen nachfolgen

Möchten wir doch Alle auch einen so guten Tod haben und vorher so gut leben, wie der heilige Franz Regis und die andern Heiligen!
Gestern las ich die heilige Messe zur Danksagung, weil mich Gott diese Legende hat schreiben lassen, und daß sie mir und meinen Lesern zum Heil gereiche. Da fielen mir drei Worte ein, in welchen Alles enthalten ist, was die Heiligen heilig gemacht hat und was auch unsere Aufgabe ist, wenn wir einstens mit ihnen im Himmel vereinigt sein wollen. Die Worte sind: „Meide, Leide, Streite.“

Meide vor Allem und über Alles die Sünde; sodann meide leichtsinnige Gesellschaften, Kameradschaft mit unreligiösen Personen, Schriften und Zeitungen, welche offen oder verdeckt der katholischen Religion feind sind; meide viel Geschwätz, Frechheit der Augen, Müßiggang und solche Vergnügungen, welchen die Welt am liebsten nachläuft – denn diese sind auf dem breiten Weg zu finden, nicht auf dem schmalen, der in den Himmel führt. Man kann nicht alle irdische Lust haben und auch noch den Himmel dazu.

Leide Spott und Verachtung der Weltmenschen; Beleidigung und Unrecht, wo sie dich treffen; Widerwärtigkeiten, Armut und Schmerzen, wenn sie dir Gott zuschickt. Der Weg, welcher Manchem beschieden ist, um darauf sein ewiges Heil zu finden, sieht aus wie eine Allee von Kreuzen. Such` nicht auszuweichen, wenn dich Gott diesen steinigen, steilen Weg führen will. Sei überhaupt froh, wenn dir am Lebensweg ein Kreuz begegnet, – umfasse es herzhaft! Denn Kreuz und Leiden geduldig tragen, es ins Blut Christi tauchen und es damit gleichsam vergolden, das gehört zum Kostbarsten, was deine Seele gewinnen und als Ausstattung für die Ewigkeit mitnehmen kann.

Streite! Du sollst alle Tage wachsen und vorwärts kommen in Frömmigkeit, in treuer Befolgung der Gebote Gottes, in Demut, in Selbstverleugnung, in Losschälung von der Anhänglichkeit an die Welt, in Ausübung aller Werke der Barmherzigkeit. Das ist unmöglich ohne tapferes Streiten alle Tage des Lebens. – Zwei Teufel verfolgen dich bis zum Kirchhof wie zwei hungrige Wölfe: der eine ist von Fleisch, dein eigener Leib, seine unaufhörlich kochende Begierlichkeit; der andere ist ein Geist, der böse Geist, welcher fortwährend bedacht ist, den Funken des Hochmutes, des Hasses, des Neides in dir anzublasen, und auszublasen die Liebe und den Glauben. Hier gilt es lebenslänglich zu wachen und zu streiten.

Nimm dir darum zum Schluss des alten Jahres vor, mit viel größerem Ernst und Betrachtung die Legende wieder zu lesen, als es abgewichenes Jahr geschehen ist. Insbesondere frage dich jedesmal, wenn du das Leben des Heiligen vom Tag fertig gelesen hast: wie kann und soll ich mir jetzt das Gelesene zu Nutzen machen? – und laß dir selber keine Ruhe, bis zu dir etwas Bestimmtes vorgenommen hast, oder sogleich etwas tust, und auf jeden Fall etwas betest, daß das Gelesene in deiner Seele gedeihen möge. – Morgen ist Neujahr; alle Welt wünscht einander ein glückseliges neues Jahr; du kannst aber dir selbst ein glückseliges Jahr bereiten, sollte auch das nächste Jahr viele Leiden oder gar den Tod dir zuführen. Gib dir ernstlich Mühe und strebe alle Tage danach, dem Beispiel der Heiligen nachzufolgen, recht viel zu beten, alle Monate die heiligen Sakramente zu empfangen, stets sorgfältiger dich darauf vorzubereiten, einen Fehler um den andern auszurotten, und in Sinn und Wandel immer besser zu werden. Wenn du dir dieses wahrhaft zur wichtigsten Angelegenheit machst, und wahrhaft vor Allem nach dem himmlischen Reich und seiner Gerechtigkeit strebst, dann wird dir das Übrige drein gegeben – und das neue Jahr auf jeden Fall und wahrhaftig ein glückseliges werden.

Gott aber möge dich behüten und leiten auf dem schmalen Weg eines christlichen Lebens, und möge uns Allen verleihen, daß wir einmal in der Gesellschaft seiner Heiligen einander begrüßen mit dem Spruch:

„Gelobt sei Jesus Christus
In Ewigkeit, Amen!“

aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 530 – S. 532

Category: Christenlehre, Stolz
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