Heiliger Lupus Bischof von Troyes

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

29. Juli

Der heilige Lupus Bischof von Troyes

(Zölibat)

Dieser Heilige stammte von einer vornehmen Familie in Lothringen; er war jedoch noch sehr jung, als er schon seinen Vater durch den Tod verlor. Der Oheim des Knaben sorgte nun für ihn und ließ ihn studieren. Lupus zeigte sehr großes Talent, besonders aber erlangte er eine große Beredsamkeit, welche ihn als Rechtsanwalt weit und breit berühmt machte. Er verehelichte sich mit Pimeniola, einer Schwester des hl. Hilarius von Arles. Diese war zwar noch sehr jung, aber ausgezeichnet durch verstand und Tugend.

Nachdem Lupus und Pimeniola sieben Jahre mit einander gelebt hatten, war ihr Streben nach christlicher Vollkommenheit so stark geworden, daß sie sich entschlossen, gänzlich der Welt zu entsagen. Sie trennten sich mit beiderseitiger Einwilligung von einander und legten das Gelübde gänzlicher Enthalsamkeit ab. Der hl. Lupus verließ sein väterliches Haus, löste sich los von allen Banden, welche ihn an die Welt fesselten, und um ein recht vollkommener Christ zu werden, ging er nach der Abtei Lerins, wo der hl. Honorat Vorstand war. Hier übte er sich ein Jahr lang in allen dort gebräuchlichen Strengheiten und legte sich noch besondere auf, so daß er den übrigen Mönchen als Muster zur Nacheiferung vorgestellt wurde.

Da Lupus noch ein Gut zu Macon in Burgund besaß, so reiste er dahin, um es zu verkaufen. Er wollte den Erlös zu guten Werken verwenden und gar nichts Eigenes mehr besitzen: während er aber dieses Geschäft in Ordnung brachte, wurde er in Troyes zum Bischof gewählt und musste die Wahl annehmen.

Der Heilige im Kampf gegen den Pelagianismus

Damals verbreitete sich die pelagianische Ketzerei in England. Die Katholiken daselbst wandten sich an die Bischöfe in Frankreich, ihnen beizustehen und diesem Verderbnis der christlichen Religion zu wehren. Die Bischöfe hielten eine Versammlung, worin sie beschlossen, den hl. German und den hl. Lupus nach England zu senden. Die zwei Bischöfe, glühend von Eifer für die Ehre Jesu Christi, übernahmen gerade deshalb diesen Auftrag mit besonderer Freude, weil er mit großer Mühe und Arbeit verbunden war. Sie fanden fast ganz England angesteckt von dem Geist jener falschen Lehre, welche die Erbsünde leugnete und die Gnade für überflüssig erklärte; die heiligen Bischöfe brachten es aber durch ihr Gebet, durch ihre Predigten und durch die Wunder, welche Gott durch sie wirkte, dahin, daß der katholische Glaube allenthalben sich wieder herstellte.

Da aber die Hauptanstifter der falschen Lehre sahen, wie Alles von ihnen wieder abfiel, so wollten sie einen letzten verzweifelten Versuch machen, um ihr altes Ansehen wieder zu bekommen. Prächtig gekleidet und von ihren Anhängern umgeben, wollten sie sich in einen öffentlichen Disput mit den zwei heiligen Bischöfen einlassen. Eine große Menge Volkes hatte sich versammelt, um den Streit anzuhören. Der hl. Lupus und hl. Germanikus ließen zuerst den Gegnern das Wort, welche ein breites und leeres Gerede führten. Nun widerlegten die zwei heiligen Männer mit solcher Klarheit und Kraft die falsche Lehre, daß jene Pelagianer kein Wort zu erwidern wußten und das Volk mit lautem Zuruf der Wahrheit seinen Beifall gab und beinahe Hand anlegte an die Irrlehrer.

Nun trat ein angesehener Beamter und dessen Frau hervor und brachten ihr zehnjähriges Mädchen, welches blind war, zu den heiligen Männern mit der Hoffnung und Bitte, daß es durch sie das Augenlicht wieder bekäme. Damit das Volk recht fest werde gegen die Ketzerei, wovon es nun eben wieder zurück gebracht war, lehnten sie zuerst die Bitte ab und sprachen, man solle das Kind zu den Irrlehrern führen, diese sollten zeigen, ob Gott mit ihnen sei. Allein die Irrlehrer hatten schon alles Vertrauen auf sich und ihre eigene Lehre verloren und vereinigten sogar ihre Bitte mit der der Eltern, daß Lupus und Germanikus dem Kind zur Herstellung seines Gesichtes verhelfen möchten. Während nun Alles voll Erwartung war, verrichteten diese ein kurzes Gebet, sodann berührte der hl. Germanikus mit einer Kapsel, worin Reliquien waren, die er am Hals trug, die Augen des Mädchens – und augenblicklich hatte es die Sehkraft erlangt. Die Eltern jubelten vor Freude; das Volk aber wurde durch dieses Wunder so überzeugt von der Wahrheit, welche die beiden Heiligen predigten, daß es mit großem Eifer ihre Lehre annahm.

Verbot der Ehe von Priestern

In sein Bistum zurück gekehrt fuhr der hl. Lupus wie von Anfang her fort dem Volk zu predigen; die Geistlichkeit leitete er mit solcher Weisheit und Festigkeit, daß manche große Heilige daraus hervor gegangen sind. Er erlaubte nicht, daß diejenigen, welche schon die niederen Weihen hatten, sich verheirateten; und obgleich es damals (400 n. Chr.) schwer war, genug taugliche Männer zum Priesterstand zu bekommen, wenn man alle verehelichte davon ausschloß, so gab Lupus dennoch keinem, der durch die Ehe gebunden war, die höheren Weihen. Seine Einkünfte wandte er an, um die Armen zu ernähren und Gefangene loszukaufen. Er aß nur alle zwei oder drei Tage einmal; am Samstag nie etwas Anderes als Gerstenbrot. Um Mitternacht stand er auf, um die Psalmen zu singen, und jedesmal die zweite nacht brachte er ganz im Gebet zu; zwanzig Jahre lang schlief er nur auf einem bloßen Brett.

Die sich schuldig fühlten, zitterten vor ihm und hätten sich nicht getraut ein Wort zu sagen, wenn zu der Ehrfurcht vor seiner Heiligkeit nicht das Zutrauen gekommen wäre, welches seine Milde einflößte. Man fürchtete die Strenge seines Tadels, obgleich dieser stets mit mit Liebe begleitet war. Er stand allgemein in so außerordentlicher Hochachtung, daß er allen andern Bischöfen vorgezogen und der Bischof der Bischöfe genannt wurde. Leiblich Kranke wurden oft gesunde, wenn er sie besuchte; Sünder, denen er nachging, wurden bekehrt und an der Seele gesund; und einen besseren Rat wußte der Zweifelhafte nirgends zu finden, als bei dem hl. Lupus.

Retter vor Attila, der Geißel Gottes

Wie mächtig aber der Eindruck eines solchen heiligen Priesters sein könne, zeigte sich, als die wilden Hunnen das Land verheerten. Schon waren viele Städte von diesen Barbaren zu Grund gerichtet, als sich ihre furchtbaren Heereshaufen auch gegen Troyes wendeten. Unendliche Bestürzung war über die Einwohner gekommen; da war ein einziger Mann, der hl. Lupus, ihr Retter. Mehrere Tage lang brachte er Gott ein anhaltendes Opfer von Gebeten, Tränen, Fasten und verschiedenen guten Werken dar; dann legte er seine bischöfliche Kleidung an und ging dem Hunnenkönig, der Geißel Gottes, wie dieser sich selbst nannte, entgegen. Sein Ruf und seine Person machten auf Attila einen solchen Eindruck, daß er mit einer Armee von beinahe einer halben Million abzog ohne der Stadt das geringste Leid zuzufügen. Attila wendete sich nun gegen das heranziehende Heer der Römer, verlor die Schlacht und zog sich gegen den Rhein zurück. Bei diesem Unglück, das ihm widerfuhr, meinte er in der Person des hl. Lupus leibhaftig Glück und Segen zu besitzen, und ließ ihn deshalb auf seinem Rückzug zu sich rufen, daß ihn der heilige Bischof gleichsam als Schutzwehr begleite. Erst als Attila am Rhein war, entließ er den Diener Gottes wieder und bat ihn noch um sein Gebet.

Auch andere heidnische Könige waren von Ehrfurcht gegen den hl. Lupus erfüllt. So z. B. hatte einst eine Schar Allemannen einen Kriegszug bis in die Diözese von Troyes gemacht und Gefangene mit sich fort geschleppt. Der hl. Lupus verwendete sich nun für diese bei dem König der Allemannen, Gebevult. Dieser gab ihnen alsbald die Freiheit, sandte sie in ihr Vaterland zurück, ohne irgend ein Lösegeld zu begehren.
Lupus erreichte ein sehr hohes Alter, denn er war 52 Jahre lang Bischof von Troyes. Die Kirche, worin man ihn später beerdigte, bekam alsbald seinen Namen; auch in England befanden sich mehrere Kirchen, welche den hl. Lupus zum Patron nahmen.

Kein Eheleben für Priester

Ich frage nun, besinne dich und gib unparteiisch Antwort: Wäre Lupus der hoch verehrte heilige Bischof geworden, vor welchem selbst einer der furchtbarste, mächtigsten Männer aller Zeiten, Attila, sich gebeugt hat, wenn er zugleich behaglich im Eheleben verbleiben hätte wollen? Gewiß nicht. Die katholische Kirche will deswegen überhaupt, daß der Priester unverehelicht sei, weil das Priestertum und ein Eheleben nicht zusammen passen. Den Priestern gilt das Wort Christi: „Wie mich der Vater gesendet hat, so sende ich euch.“ Der Priester vereinigt sich täglich im hl. Messopfer mit dem Allerheiligsten, und soll dadurch ganz eine Person mit Christus werden und fortsetzen, was Christus angefangen hat. Geziemt es sich für einen solchen Mann, ein Eheweib zu Haus haben? Der Priester, all sein Denken, Lieben, Sorgen und Tun soll allein der Gemeinde gehören, die ganze Gemeinde ist seine Familie; der Ehemann mag nicht zu ansteckenden Kranken gehen, denn er könnte die Ansteckung in seine Privatfamilie bringen; dem Ehemann mag man nicht beichten, denn er hat das Mißtrauen gegen sich, daß ihm seine Frau das Beichtgeheimnis ablocken könnte; der Ehemann kann kein Vater der Armen sein, denn er muss für eigenes Weib und Kind sparen; der Ehemann kann nicht frei auf der Kanzel sprechen, weil ihm leicht vorgeworfen wird, die Frau und ihre Klatschereien hätten Einfluss auf seine Predigten; dem Ehemann ist es schwer, furchtlos gegen die Welt aufzutreten und sich ihr nicht zu beugen, denn er muss Rücksicht nehmen auf Frau und Kind, daß die ihr Fortkommen finden. Zudem gibt es so viele Menschen, welche nicht heiraten können; wie kann ihnen der Priester die große heilige Pflicht der Enthaltsamkeit predigen, wenn er selbst das Beispiel nicht gibt, sondern eben im Ehestand sich wohl sein läßt? Es ist darum eine weise und heilige Anordnung, daß der Priester in unverehelichtem Stand zu bleiben hat. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 3 Juli bis September, 1872, S. 158 – S. 162

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Category: Bischöfe, Stolz
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