Heiliger Honoratus Bischof von Arles

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

16. Januar

Der heilige Honoratus Bischof von Arles

Honoratus stammte aus sehr vornehmer, aber noch heidnischer Familie Roms, welche mehrere Konsuln unter ihren Ahnen zählte, und wurde mit großem Aufwand in allen Wissenschaften ausgebildet. Sobald er die Lehre Christi kennen gelernt, verabscheute er die Abscheulichkeit des Götzendienstes und empfing ohne Wissen der Eltern die heilige Taufe. Der Vater aber, welcher bald bemerkte, daß Honorat die Sitten der Christen in Abtötung, Sanftmut und Bescheidenheit nachahme, verwendete alle Mühe darauf, ihm Freude und Lust an äußerer Pracht, weltlichen Festen und sinnlichen Genüssen einzupflanzen; aber Honorat war nicht weniger beflissen, seine Taufgelübde unverbrüchlich zu halten, vermehrte sein Gebet, und Fasten und ertrug des Vaters Schläge mit der Geduld eines Lammes. Sein heroischer Leidensmut rührte den älteren Bruder Venantius so tief, daß auch er ein sehr eifriger Christ wurde. Nun entstand ein bewunderungswürdiger Wettkampf zwischen den beiden Brüdern, wer von ihnen strenger faste, einfacher sich kleide, sanfter sich benehme, weniger die Andacht und mehr den Schlaf abkürze, weniger von irdischen und mehr von himmlischen Dingen spreche, wohltätiger gegen die Armen und hilfreicher gegen die Kranken sei. Nach dem Tod der Eltern verteilten sie ihr großes Vermögen unter die Notleidenden und flüchteten sich vor dem Lob der Menschen nach Griechenland. Venantius starb bald, Honorat kehrte zurück, empfing vom heiligen Bischof Leontius die Priesterweihe und stiftete auf der einsamen, bisher nur von giftigem Getier bewohnten Insel Lerin ein Kloster, das eine Pflanzstätte von Gelehrten und Heiligen geworden ist. Die wüste Insel gestaltete sich schnell zum lieblichen Paradies und zum Ebenbild der ägyptischen Thebais. Aus allen Ländern eilten Jünglinge in die Arme Honorat`s nach Lerin; denn, berichtet der hl. Hilarius von Arles: „Wer zu Christus wollte, ging zu Honorat, und wer zu Honorat kam, fand Christum.“

Es gibt kaum etwas Rührenderes, als die väterliche Zärtlichkeit, mit welcher Honorat seine Mönche behandelte: „Er wußte“, so schreibt einer seiner Schüler, „in ihrer Seele zu lesen, und jeden Kummer in ihrem Herzen zu entdecken; keine Mühe sparte er, um jeden Anflug von Traurigkeit, jedes schmerzliche Zurückdenken an die Welt zu verscheuchen. Gleich wie die aufgehende Sonne die Finsternis vertreibt, so vertrieb schon sein bloßes Erscheinen jede Traurigkeit und entflammte in Aller Herzen die freudige Liebe zu Christus. Sein Grundsatz war: Wer die Tugend liebt, braucht nicht traurig zu sein. In ihm fanden Alle nicht nur ihren Vater, sondern auch ihre Familie und Heimat wieder. Schrieb er an abwesende Brüder, so jubelten die Empfänger: Es ist lauter Honig, Honig aus seiner unerschöpflichen Herzensgüte! Wer seine Mönche in ihrer stillen Eintracht, heiteren Fröhlichkeit, sanften Milde und vollen Zufriedenheit betrachtete, glaubte eine Heerschar seliger Engel zu schauen.“ Überall wurde daher Lerin nur die „glückliche Insel“ genannt.

Es ist nicht bloß begreiflich, sondern auch für die Diözese Arles sehr rühmlich, daß sie den bewunderten Abt von Lerin nötigte, ihr Bischof zu sein. Und welch guter Hirte er gewesen, das bezeugt sein Nachfolger, der hl. Hilarius, welcher zu seiner Herde sprach. „Geliebteste, ihr selbst habt gesehen seine Sorgfalt und seine Wachsamkeit, die Glut seiner Andacht, die Heiterkeit seines Gemütes, die Anmut seines Antlitzes, das die Reinheit seines Herzens widerstrahlte; gesehen habt ihr die vollkommene Übereinstimmung seines Wandels mit seiner Lehre und erfahren das Überströmen seiner Liebe. Ja müsste ich die Liebe bildlich darstellen, ich würde das Bild des hl. Honorat malen.“

Nur vier Jahre reichten seine Kräfte noch aus, die Bürde des bischöflichen Amtes zu tragen; ganz erschöpft sank der greise Arbeiter auf das Sterbebett. Als die Behörden der Stadt ihn besuchten, ergoß sich seine scheidende Seele noch in die herrlichen Worte:

„Ihr seht an mir, welch hinfällige Herberge wir bewohnen; von jeder Stufe, so hoch wir auch im Leben steigen, reißt uns der Tod herab. Von diesem Los befreien uns keine Ehrenstellen noch Reichtümer; es trifft die Gerechten wie die Sünder, die Hohen wie die Niedrigen. Großen Dank schulden wir Christo dafür, daß Er unseren Tod durch seine Auferstehung aus dem Grabe belebt hat mit der Hoffnung auf unsere eigene Auferstehung; indem Er das ewige Leben brachte, hat Er die Schrecknisse des Todes vernichtet. Lebt daher so, daß ihr vor dem Ende nicht zittern müsst und das, was wir Tod nennen, nur als ein Übersiedeln in das bessere Leben begrüßen könnt. Würde der Tod keine Qualen verursachen, so wäre er keine Strafe. Die Trennung der Seele vom Leibe ist hart; aber viel härter wird das Zusammenwohnen Beider in den ewigen Flammen der Hölle sein, wenn wir nicht, so lange wir leben, unsere geistige Würde behütet und Krieg geführt haben wider den Leib und seine Gelüste… Dies also tuet! Dieses Erbteil hinterläßt euch euer Honorat, mit dem letzten Atemzug ladet er euch ein zur Erbschaft des Himmelreiches.“ –

Sanft schlossen sich diese zwei schönen Augen zur ewigen Ruhe am heutigen 429 oder 430. Freundlichkeit und Liebe verklärte noch das Angesicht des teuren Toten. Unbeschreiblich war der Schmerz des ganzen Volkes um den geliebten Vater; Alle drängten sich zur heiligen Leiche, um noch die kalte Hand zu küssen und mit heißen Liebestränen zu benetzen. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 36 – S. 37

Bildquellen

  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor

Verwandte Beiträge

Die treu sind in der Liebe werden Ihm gehorchen
Päpste der Katakomben Heiliger Marcellus
Menü