Papst Innozenz XI. (regierte von 1676-1689)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Zeitalter der Revolutionen

Das Pontifikat von Papst Innozenz XI. (regierte von 1676 bis 1689)

Dieser hieß mit seinem Taufnamen Benedikt und war am 15. Mai des Jahres 1611 zu Como in der Lombardei aus dem alten Geschlecht der Odescalchi geboren und hatte in einer Schule der Jesuiten studiert. Während im Jahre 1637 die Pest herrschte, begab sich Benedikt nach Rom und von da nach Nepal um Rechtswissenschaft zu studieren. Der Jüngling erkannte aber zur rechten Zeit seinen wahren Beruf und trat in den heiligen Priesterstand. Seine Bescheidenheit, Milde und Frömmigkeit erwarben ihm in Rom sehr bald zahlreiche freunde; schon mit vierunddreißig Jahren erhielt Benedikt aus der Hand des frommen Papstes Innozenz X. die Kardinalswürde. Als Kardinaldiakon nahm er sich besonders der Armen an. Welch großes Vertrauen der Papst auf Benedikt setzte, geht daraus hervor, daß er ihn zur Zeit großer Hungersnot mit den Worten nach Ferrara sandte: „Wir schicken euch den Vater der Armen.“ Im Jahre 1650 wurde Benedikt das Bistum Novara übertragen, wo er außer einem Teil seines Privatvermögens die bischöflichen Einnahmen zur Unterstützung der Armen verwandte. Später trat er von seinem Bistum zurück, nahm bleibenden Aufenthalt in Rom und übernahm den Schutz einiger frommer und klösterlicher Anstalten.

Nach dem Tode des Papstes Klemens X. trat Benedikt mit fünfundsechzig Kardinälen in das Wahlzimmer und erhielt nach kurzer Beratung dem allgemeinen Wunsch des Volkes entsprechend am 21. September des Jahres 1676 alle Stimmen. Die Wahl gereichte den Kardinälen zur höchsten Ehre; denn mit diesem Papst erhob sich ein leuchtendes Gestirn am Himmel der Kirche. Innozenz hatte nur einen nahen Verwandten, dem er befahl, im väterlichen Palast zu wohnen und weder Titel noch Ehren noch Geld anzunehmen. Er bat die Kardinäle, auf alle überflüssigen Diener, Pferde und Wagen zu verzichten, damit sie dem göttlichen Meister mehr ähnlich würden, dessen Nachfolger sie wären. Das Volk von Rom verehrte den Papst wie einen Heiligen; auch protestantische Fürsten hatten vor ihm eine hohe Achtung. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 671 – S. 672

Der Träger dieses Namens ist unbezweifelt der heiligmäßigste und größte Papst des 17. Jahrhunderts und einer der würdigsten Männer, die den Stuhl Petri zierten… Nach dem Tod des Papstes Klemens X. nannte das Volk ihn laut als Nachfolger. Er jedoch sträubte sich gegen die Wahl und versicherte, daß er die alten Kirchengesetze zur Geltung bringen würde. Trotz dieser Erklärung oder vielmehr infolge derselben, wurde er am 21. September 1676 gewählt, ein ehrendes Zeugnis für die Kardinäle selbst. Nach jeder Seite hin bewies sich Innozenz XI. als ein würdiger Stellvertreter Christi, als Privatmann, als Regent des Kirchenstaates, als Hirt der Kirche. In seinem Privatleben zeichnete er sich von frühen Jahren an durch Sittenstrenge, Frömmigkeit, anspruchsloses Wesen und große Liebe zu den Armen aus…

Er lebte als Papst höchst einfach in Speise und Kleidung und versagte sich, zur Erholung im Garten zu lustwandeln. Er war ein vortrefflicher Regent des Kirchenstaates. Mit Energie ergriff er die Zügel der Regierung. Er regelte den päpstlichen Haushalt, verminderte bedeutend die Ausgaben, schaffte drückende Steuern ab, beseitigte käufliche Stellen, indem er den derzeitigen Inhabern das Kapital zurück erstattete, trat mit Nachdruck gegen den Wucher auf und sorgte durch Leihhäuser, daß die Leute gegen billige Interessen die nötigen Darlehen erhielten. Ebenso steuerte er dem Schuldenmachen und wüsten Leben des Adels und schritt kräftig gegen die Spielhäuser und gegen den Luxus ein. Bei den großen und schweren Heimsuchungen, die über Rom und Italien herein brachen – Überschwemmung, Hunger, Pest, Erdbeben – war er mit unermüdlicher Sorgfalt bedacht, dem Elend zu steuern und den Unglücklichen in freigebigster Weise zu helfen.

Bei dieser Sorge für das Naheliegende verlor er nicht im geringsten die Pflichten eines Vaters der Christenheit aus den Augen. Er arbeitete rastlos für die Reinheit des Glaubens und die sittliche Reform, für die Wahrung der kirchlichen Rechte, für die Rettung Europas aus der Türkengefahr.

Die ruhmvollen Tage der Kreuzzüge und von Belgrad und Lepanto kehrten wieder

Einen unermüdlichen Eifer entwickelte Innozenz für den Schutz der Christenheit vor dem Ansturm der Türken. (1) Daß Deutschland von diesen wilden Horden nicht überflutet, daß Wien 1683 nach einer fürchterlichen Niederlage der Türken gerettet und deren Macht gebrochen wurde, ist wohl zum größten Teil das Verdienst dieses Papstes. Er hatte die deutschen Fürsten aufgefordert, dem bedrängten Kaiser Leopold I. und ihrem Vaterland zu Hilfe zu eilen, er brachte eine Vereinigung Sobieskis von Polen mit Leopold I. von Österreich zustande, er ermahnte die Christenheit durch Ausschreibung eines Jubiläums zum gebet, zu Fasten und Geldbeiträgen, er selbst steuerte mehr als zwei Millionen Gulden bei. Zugleich schickte er den frommen Kapuziner Marco d`Aviano, der durch sein feuriges, vertrauensvolles Wort allen Mut einflößte, Schwierigkeiten beglich und überall, wo Gefahr drohte, hineilte, um von neuem zum Kampf zu begeistern.

(1) Diese hatten sich nämlich um das Jahr 1680 von den ihnen beigebrachten Niederlagen wieder erholt und im Großwesir Kara Mustafa einen Feldherrn bekommen, der an Mut und Geschick Mohammed II. glich. Dieser nahm den früheren Plan, Europa zu erobern und Wien zu einer türkischen Stadt zu machen, wieder auf und näherte sich in Eilmärschen dieser Stadt. König Leopold I. verzweifelte an der Rettung seiner Hauptstadt und floh, während die Wiener schwuren, sich bis auf den Tod zu wehren. (Stangl, S. 672)

Prinz Eugen von Savoyen eröffnete den Kampf

Mit weit über 200000 Mann ohne Tross hatte Kara Mustafa Wien 1683 umzingelt. 300 Kanonen sandten Tod und Verderben in die Stadt, die Graf Rüdiger von Starhemberg im Bund mit dem Bürgermeister Liebenberg verteidigte. Bischof Kollonitsch von Neustadt war auch herbei geeilt, um sich einschließen zu lassen, um die Belagerten zu ermuntern, zu trösten, die Kranken zu pflegen, die Kämpfenden anzufeuern und in Stunden der Not Hilfe zu bringen. Dieser „Obervormund der Armen“, welchen Titel ihm der Kaiser verlieh, verstand es, die kältesten Herzen zu erwärmen. Nachdem die Stadt am 14. Juli ganz umschlossen war, erfolgte Sturm auf Sturm. Mutig wurden alle Angriffe siegreich abgeschlagen. Doch die Reihen der Verteidiger wurden immer mehr durch Tod, Verwundung und Krankheit gelichtet, Mangel an Pulver und Lebensmitteln machte sich bereits geltend. Die Not war aufs höchste gestiegen. Da erschien Rettung unter Führung des Königs Johann Sobieski und Karls von Lothringen. Das Ersatzheer erfocht am 12. September einen herrlichen Sieg. Die Türken wurden gänzlich geschlagen, Tausende fielen oder wurden gefangen genommen, alles eilte in wilder Flucht davon. Eine unermessliche Beute fiel in die Hände der Sieger. Auch Bischof Kollonitsch nahm seine Beute; er sammelte 500 gefangene, verwaiste Christenkinder und sorgte für deren Unterhalt und Erziehung.

Der Papst gab der Freude über diesen Sieg, an dem ihm der Hauptteil gebührte, dadurch Ausdruck, daß er 22 Kardinäle aus verschiedenen Nationen ernannte, eine große Summe unter die Armen verteilte und wegen Schulden Gefangenen den Kerker öffnete. Zur dankbaren Erinnerung an diesen glorreichen Tag wurde das Fest Maria Namen eingeführt. Das römische Volk schrieb den erfochtenen Sieg und die Rettung der Kaiserstadt den Tränen und Gebeten des Papstes zu.  –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 581 – S. 584

Papst Innozenz verdient auch den Dank der europäischen Völker. Nur ein Fürst teilte die allgemeine Freude nicht, König Ludwig XIV. von Frankreich, der die Türken ganz offen unterstützt hatte. Auch das genügte diesem König noch nicht, sondern er fing auch mit dem edlen Papst Streit an.

Der Eifer, den Innozenz in der Wahrung der kirchlichen Rechte betätigte, brachte ihn in einen heftigen Konflikt mit Ludwig XIV. von Frankreich. Ein Mann, der wie Innozenz so milde war, daß er selbst fürchtete, seiner Bedienung lästig zu fallen, hatte gewiß keine Freude am Kampf. Als Ludwig XIV., dem Beispiel der protestantischen Fürsten folgend, die Einheit des Glaubensbekenntnisses in seinem Land herstellen wollte und die Protestanten durch Soldaten gewaltsam zu den katholischen Predigten führen ließ, erklärte er: Sich bewaffneter Apostel zu bedienen, sei die Art nicht, wie Christus die Welt bekehrt habe, man müsse die Menschen in die Kirche führen und nicht hinein schleppen. In gleicher Weise warnte er den katholischen König Jakob II. von England vor unklugem Vorgehen und vor dem Streit mit dem Parlament. Hätte Jakob der Milde des Papstes gefolgt, so würde er nicht die Krone verloren haben. Trotzdem Innozenz fortwährend zur Milde geneigt war, verstand er es doch, einen Kampf aufzunehmen, wenn er ihm aufgedrungen war und die Rechte der Kirche gröblich verletzt wurden. So kam es zu einem heftigen Streit mit Ludwig XIV. Wegen der sogenannten Quartier-Freiheit. (Hamerle, S. 582 – S. 583)

Die sogenannten gallikanischen Freiheiten

Die Könige und Fürsten Europas hatten beständige Gesandte in Rom. Im Laufe der Zeit hatte sich nun der französische Gesandte das recht heraus genommen, daß in jenem Teil der Stadt, in dem sein Palast stand, die Päpste keine Gewalt mehr haben sollten. Und so entstanden in Rom die schlimmsten Zustände. Wollten die päpstlichen Soldaten einen Verbrecher fangen, der in einen Teil der Stadt flüchtete, in dem ein Gesandter seinen Sitz hatte, so nahm sich dieser um ihn an. Diesen Unfug wollte nun Innozenz abstellen. Er schrieb an die einzelnen Fürsten, daß er bei den Gesandten, welche sie in Rom hielten, nichts ändern wolle, aber keinen mehr anerkenne, der nicht auf die genannten Freiheiten verzichten werde. Der Wunsch des Papstes machte anfangs einiges Aufsehen; jedoch sahen der deutsche Kaiser, die Könige von Spanien, Polen und England die berechtigte Forderung des heiligen Vaters ein und fügten sich. Nur Ludwig XIV. machte eine Ausnahme. Er allein ging auf das Verlangen des Papstes nicht ein, sondern erklärte in seiner hochmütigen Weise: „Ich bin nicht gewohnt, dem Beispiel anderer zu folgen, sondern andern ein Beispiel zu geben.“ Er schickte seinen Gesandten nach Rom mit dem bestimmten Befehl, die Wünsche und Anordnungen des heiligen Vaters zu missachten und die für Rom so nachteiligen Freiheiten auch weiterhin auszuüben. Viele französische Bischöfe und Priester stellten sich auf die Seite des Königs. Der Papst erklärte diesen, daß es ihre Pflicht sei, dem König ins Gewissen zu reden, und ließ sich durch das Benehmen Ludwig XIV. nicht abschrecken. Er erließ im Mai des Jahres 1687 ein Schreiben, in dem er die Verordnungen des Papstes Sixtus V. und anderer Päpste gegen die erneuerte, welche Verbrechern eine Zufluchtsstätte gewährten.

Um den heiligen Vater zu kränken, ernannte der König für Frankreich ganz untaugliche Bischöfe, welche von Rom nicht bestätigt werden konnten, und erklärte den Papst für geistes- und altersschwach. Innozenz verweigerte die Anerkennung der vom König aufgestellten Bischöfe, so daß bis zum Jahr 1688 fünfunddreißig französische Bischofsstühle unbesetzt blieben. König Ludwig brach dann allen Verkehr mit Rom ab und nahm die päpstlichen Besitzungen in Avignon und Venaissin für sich. Der päpstliche Gesandte in Paris wurde wie ein Gefangener behandelt.

Mit Schmerz sah der heilige Vater, daß die geistlichen in Frankreich einem solchen König in kirchlichen Dingen unbedingten Gehorsam leisteten. Er schrieb daher an die Bischöfe: „Kraft der Gewalt, die uns Gott der Allmächtige gegeben, erklären wir alles, was ihr mit dem König ausgemacht habt mit allem, was daraus folgt, für null und nichtig.“ Trotzdem trug man damals in Frankreich nach außen hin einen gewissen Eifer für die katholische Religion zur schau. Die Protestanten wurden durch die weltliche Gewalt gezwungen, die Sakramente zu empfangen.

Die beständigen Kränkungen, welche Innozenz von Seite Frankreichs erfuhr, hinderten ihn aber nicht, auch den übrigen Ländern seine Hirtensorge zuzuwenden. In Amerika trieben die Spanier Handel mit den unglücklichen Indianern, was der heilige Vater mit allem Ernst verbot. Eine besondere Sorgfalt wendete der Papst der Verbreitung der Kreuzwegandacht zu. Fromme Pilger waren nach Jerusalem gegangen, um dort den Kreuzweg des Herrn zu verehren. Seitdem aber die Türken das heilige Land besaßen, war das fast unmöglich geworden. Daher fing man an, in Europa Kreuzwege zu errichten, die der Papst mit denselben Ablässen begnadigte, wie den Kreuzweg in Palästina.

In dieser glorreichen Weise regierte Innozenz fast dreizehn Jahre. Endlich nahte die Zeit, da ihn Gott von der Welt abrief. Der Papst zählte bereits achtundsiebzig Jahre. Mit großer Andacht empfing er die heiligen Sakramente, ließ die Ordensgenerale kommen und bat sie um ihren Segen und ihren Beistand für die Todesstunde. (Stangl, S. 674 – S. 675)

Nach einem solch arbeits-, kampf- und verdienstreichen Leben starb der Papst fromm und heilig, wie er gelebt hatte, am 10. August 1689. Klemens XI. hat seinen Beatifikationsprozess eingeleitet, jeder Österreicher und Deutscher muss wünschen, daß diesem um die ganze Christenheit, besonders aber um Österreich und Deutschland so verdienten Papst die Ehre der Altäre zuerkannt werde; denn er starb im Ruf der Heiligkeit. (Hamerle, S. 584)

Anmerkung: Papst Pius XII. sprach Papst Innozenz XI. am 7. Oktober 1956 selig.

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum, Stangl
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