Der Kampf gegen die Türken bei Belgrad

Der Kampf gegen die Türken bei Belgrad 1456

Mohammeds nächster Zug galt Serbien. Im Frühjahr 1456 erschien er an der Spitze einer gewaltigen Heeresmacht vor Belgrad, in welches sich Hunyadi als Bundesgenosse des serbischen Fürsten Georg geworfen hatte, und bald befand sich die Stadt, welcher der Feind alle Zufuhr zu Wasser und zu Land abgeschnitten, in der äußersten Bedrängnis. Da kam dem tapferen Hunyadi der heilige Johann von Capistrano – sogenannt nach seinem in den Abruzzen gelegenen Geburtsort – zu Hilfe und wurde der Retter Belgrads. Dieser begeisterte Franziskaner, der die husitischen Irrtümer mit zündenden Worten bekämpft hatte, durchzog, obgleich bereits siebzig Jahre alt und von den Mühen und Anstrengungen seines Berufes erschöpft, im Auftrag des Papstes Nikolaus V., als Bußprediger und Herold des heiligen Krieges gegen die Türken, das östliche Deutschland und wirkte nicht nur Wunder der Bekehrung, sondern riss auch allerorten die Bevölkerung zu glühende Eifer für die Bekämpfung der Türken hin. Obgleich er, des Deutschen unkundig, nur italienisch oder lateinisch predigte, drängte sich das Volk in Städten und Dörfern zu Tausenden zu ihm heran, um seinen Worten zu lauschen, die, wenn auch nur von Wenigen verstanden, die Herzen mit Begeisterung erfüllten.

Mit einem aus Bürgern und Bauern, Mönchen und Studenten bestehenden, ungeordneten und schlecht bewaffneten, aber mit Opfer- und Todesmut erfüllten Kreuzheer warf sich Capistrano in das geängstigte Belgrad, und selbst als am 21. Juli die Janitscharen durch die zerschossenen Mauern drangen und sich im wütenden Anlauf auf die Zitadelle stürzten, hielt er durchs eine unerschütterliche Siegeszuversicht den Mut der christlichen Streiter aufrecht. Nachdem die Stürmenden durch große Massen brennender Reisigbündel, welche die Besatzung auf sie herab schleuderte, aus dem Graben vertrieben worden, machte Capistrano an der Spitze der Kreuzfahrer einen Ausfall und verbreitete dabei unter den Türken solchen Schrecken, daß sie in wilder Flucht das Weite suchten und selbst den Sultan trotz seiner Drohungen und seines Wütens mit fortrissen. 24000 Türken hatten vor Belgrad ihr Grab gefunden, und Mohammeds gesamtes Belagerungsgeschütz fiel den Siegern in die Hände. (siehe auch den Beitrag: Capistran und die Schlacht um Belgrad) Ganz Europa jubelte über den glorreichen Sieg, und aufs Neue gab sich Papst Calixtus III. der Hoffnung hin, einen Kreuzzug in großartigem Maßstab gegen den Erbfeind der Christenheit zustande zu bringen. Er versetzte zu diesem Zweck sogar seine Juwelen und Kleinodien, ordnete das Läuten der Türkenglocke um die Mittagsstunde an und spendete Ablass für Teilnahme an dem Zug oder Unterstützung desselben; allein auch diesmal waren seine Bemühungen vergeblich. Leider raffte auch ein unerwarteter, allzu früher Tod den tapferen Hunyadi, den größten Helden des ungarischen Volkes, zwanzig Tage nach dem errungenen Sieg dahin; vom Lagertyphus ergriffen, starb er in den Armen seines Freundes und Waffenbruders Capistrano, der ihm noch in demselben Jahr ins Grab folgte.

Indessen hatte die bei Belgrad erlittene Niederlage dem Eroberungsdurst Mohammeds eine andere Richtung gegeben, so daß Ungarn für einige Zeit von seinen Angriffen verschont blieb. Im Jahre 1460 entriss er den beiden jüngeren Brüdern Konstantins XII., Demetrius und Thomas, die von ihnen im Peloponnes noch geübte Herrschaft, um deren Besitz sie bis zum letzten Augenblick in leidenschaftlichem Hader mit einander gestritten. In ihren Sturz wurden auch die noch übrigen kleinen Herren in Griechenland verwickelt, und nachdem die Fürsten gefangen genommen oder vertrieben, die Städte verbrannt und ihre Verteidiger, zum Teil unter Martern, hingerichtet worden, gehorchte ganz Griechenland, mit Ausnahme einiger von den Venetianern besetzten Häfen, dem türkischen Sultan. Schon vorher waren Serbien, Bosnien und die Wallachei erobert und Streifzüge nach Krain, Friaul, Kärnten und Steiermark unternommen worden. Später wurde die osmanische Herrschaft auch über ganz Kleinasien ausgedehnt und der Tartarenkhan von Kaptschak zur Anerkennung der Oberlehens-Herrlichkeit des Sultans gezwungen.

Im Jahre 1463 geriet Mohammed auch mit den Venetianern wegen ihrer Besitzungen im Peloponnes in einen Krieg, der eine abermalige furchtbare Verheerung dieses unglücklichen Landes zur Folge hatte. Die Insel Negroponte wurde nach einem mörderischen Kampf, der den Türken über 50000 Tausend Menschen kostete, den Venetianern entrissen, worauf Mohammed unter den Besiegten ein schauerliches Blutbad anrichten ließ. Neben dem Spießen und Vierteilen war das Durchsägen oder Entzweihauen die vorzugsweise von ihm in Anwendung gebrachte Hinrichtungsart, weil er diesen Tod für den qualvollsten hielt. Erst im Jahr 1479 kam ein Friede zwischen ihm und den Venetianern zustande. Von den Letzteren in ihrem Krieg gegen den König Ferdinand von Neapel zu Hilfe gerufen, erschien Mohammed im folgende Jahr mit hundert Schiffen an der Küste Italiens und nahm Otranto hinweg. So hatten die türkischen Waffen bereits den Weg nach dem Abendland gefunden, und ihr nächstes Ziel war Rom, durch dessen Eroberung Mohammed das Christentum von der Erde zu vertilgen hoffte. Doch der Tod vereitelte alle ferneren Pläne des gewaltigen Eroberers: er starb am 3. Mai 1481, worauf auch Otranto den Türken wieder entrissen wurde.

Zu dem Ruhm eines Eroberers fügte Mohammed auch den eines Gesetzgebers, indem er dem türkischen Reich eine alle Verhältnisse desselben regelnde Verfassung gab, … Wie er selbst, um sich den ruhigen Besitz seines Thrones zu sichern, seinen Bruder schon an der Mutterbrust getötet hatte, so stellte er den Brudermord als Prinzip auf und erhob ihn zum Staatsgesetz. Die „meisten Gesetzeskundigen“, so lautet die von ihm erlassene Verordnung, „haben erklärt, daß diejenigen meiner erlauchten Söhne und Enkel welche den Thron besteigen werden, zur Sicherung der Ruhe der Welt ihre Brüder hinrichten lassen können, und darnach sollen sie handeln.“ Das Christentum duldete er in seinen Staaten; aber diese Duldung wurde in seinen Händen zu einem Werkzeug der Knechtschaft, denn die Christen hatten nicht nur ungleich höhere und lästigere Steuern zu entrichten, als die Moslemin, sondern durften auch von den türkischen Beamten und Statthaltern zu den willkürlichsten und härtesten Frondiensten angehalten werden. Am drückendsten war die die Christen der Knabenzins, der an den Sultan zur Ergänzung seiner Sklaven, der Janitscharen und der besoldeten Reiterei (Sipahi) gewöhnlich alle fünf Jahre abgeliefert werden musste. Als Begünstiger des Schisma`s, das seine Zwecke nur fördern konnte, bewirkte Mohammed die Wahl eines unionsfeindlichen Patriarchen, der von ihm in der gleichen Weise die Investitur erhielt, wie sie früher von dem griechischen Kaiser erteilt worden und das Patriarchat erhob sich ach und nach wieder zu äußerem Glanz; aber es blieb der Spielball des türkischen Despotismus und ehrgeiziger Umtriebe.

Um das durch die Wegführung so vieler Tausende von Griechen in die Sklaverei fast verödete Konstantinopel neu zu bevölkern, zwang Mohammed fünftausend moslemische Familien aus Kleinasien durch die Androhung der Todesstrafe für den Fall der Weigerung zur Einwanderung in die neue Hauptstadt des Osmanenreiches; auch legte er, um feindlichen Flotten den Weg zu derselben zu sperren, zu beiden Seiten des Hellesponts zwei feste Schlösser, die sogenannten „alten Dardanellen“, an. –
aus: F. J. Holzwarth, Weltgeschichte, 4. Bd., 1886, S. 517 – S. 520

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