Das Siebte Jahrhundert für die Päpste

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Weltlage des 7. Jahrhunderts für die römischen Päpste

Kampf gegen Häresien und gegen den Islam

Auf den Trümmern des römischen Reiches hatten im Abendland neue Völker neue Reiche gegründet und waren bereits im vorigen Jahrhundert großenteils in die katholische Kirche eingegangen. Im gegenwärtigen wurden sie im Glauben hauptsächlich durch das Bemühen der Päpste gefestigt und schlossen sich immer inniger an Rom an, während weitere Volksstämme für das Christentum gewonnen und dadurch der Gesittung und Zivilisation zugeführt wurden. Die Männer, welche jetzt als Träger der Religion und Kultur an diese Völker herantreten, sind vorzugsweise Mönche. So erfreulich diese Erscheinungen im Abendland waren, so traurig sah es im Morgenland aus.

Zu den alten Irrtümern traten neue und vermehrten die Verwirrung durch endlose Zänkereien. Große Mitschuld an den heillosen Unordnungen trugen die griechisch-römischen Kaiser in Konstantinopel. So unfähig diese als Regenten sein mochten, so anmaßend und gewalttätig zeigten sie sich auf dem Gebiet der Religion. Eigenmächtig entschieden diese weltlichen Herrscher religiöse Fragen und zwangen ihre Entscheidungen ihren Untertanen – Bischöfen wie Laien – auf. In ihrem Despotismus setzten sie nach ihrer Laune oder nach der Laune ihrer Günstlinge Bischöfe ein und ab. Lieder fanden dieselben in den Bischöfen, die ihre Kreaturen waren, nur zu oft gefügige Diener ihrer Willkür.

Zudem herrschte im Morgenland große Eifersucht gegen das Abendland, namentlich gegen Rom. Während so viele Ketzereien im Orient ausgebrütet wurden und selbst die Patriarchen Konstantinopels zu wiederholten Malen offene Irrlehrer oder Begünstiger von Irrlehren waren, hatten die Päpste unentwegt die wahre Lehre verteidigt. Über dies brachte der Ehrgeiz der Patriarchen von Konstantinopel, die als Bischöfe der kaiserlichen Residenz- und Hauptstadt des Reiches mit dem römischen Bischof auf gleicher Stufe stehen wollten, sie in eine schiefe Stellung zum Oberhaupt der Kirche. Infolge dieser Entfremdung von dem Zentrum der Einheit, der endlosen Spaltungen und der Knechtung durch die weltliche Macht verfiel in den Provinzen des Morgenlandes die christliche Religion immer mehr und verlor auf diese Weise ihre erneuernde und heiligende Kraft.

Als in dieser Epoche der Islam sich erhob, vermochten diese entarteten Christen dem Ansturm der Bekenner Mohammeds nicht zu widerstehen. Das Auftreten Mohammeds ist das große, folgenschwerste Ereignis dieses Jahrhunderts. Waren doch die Anhänger dieser Lehre von da an Jahrhunderte lang der Schrecken der christlichen Welt und bildete ihre Bekämpfung die angelegentlichste Sorge von mehr als hundert Päpsten…

Mohammeds Nachfolger, die Kalifen, führten ununterbrochen Krieg, eroberten Syrien, Palästina, Jerusalem, Ägypten, Persien, drangen immer weiter nach Osten, Norden und Westen vor und bedrohten sogar Konstantinopel, Beim Ausgang des Jahrhunderts reichte die durch Mohammed gegründete Herrschaft der Araber unter ihren Kalifen im Osten bis nach Indien, im Norden bis gegen Konstantinopel, im Westen bis an den Atlantischen Ozean. Die Bewohner dieser Länder, die großenteils der Ketzerei oder sittlichen Verkommenheit verfallen waren, wurden Abtrünnige (Renegaten) oder mussten sich zur Strafe für ihre Untreue gegen die Wahrheit unter das drückende Joch der grausamen Araber beugen. So glich die Weltlage in diesem Jahrhundert einem Bild, das wohl einige helle und leuchtende Züge, aber viele dunkle und düstere Schatten dem Auge der Päpste darbot. –
aus: P. Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste 1907, S. 198 – S. 200

Wer hat die wilden Scharen der Mohammedaner in Spanien aufgehalten, als sie bis nach Deutschland vordringen wollten, um alles zu zerstören? Es waren die katholischen Franken, deren Bekehrung die Päpste gefördert hatten. Wären damals die Bischöfe in Rom nicht gewesen, so gäbe es wohl kein christliches Deutschland mehr.

Das ist die Bedeutung des unerschütterlichen Felsens… An ihm haben sich die hochgehenden Wogen der wilden Völker gebrochen. Der Fortschritt der neueren Zeit, der von Deutschland und Frankreich, überhaupt von Europa ausging, wäre unmöglich gewesen, wenn in den Stürmen der Völkerwanderung Rom untergegangen wäre. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden 1907, S. 176

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