Das Pontifikat von Hadrian VI. (1522-1523)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Kreuz und der Halbmond

Papst Hadrian VI. (regierte von 1522 bis 1523)

Von armen Eltern in Utrecht, einer Stadt, die damals noch zum Deutschen Reich gehörte, geboren, hatte er in seiner Jugend mit Not und Entbehrung zu kämpfen. Sich eifrig dem Studium widmend, erwarb er sich das Doktorat an der Universität Löwen, wurde Dechant und Prokanzler daselbst und gewann durch seine zahlreichen Schriften den Ruf eines vorzüglichen Theologen. Nicht minder als durch seine Kenntnisse und den Eifer für die Wissenschaft zeichnete er sich durch ein musterhaftes Leben und tiefe Frömmigkeit aus. Um Mitternacht erhob er sich zum Gebet, brachte täglich das heilige Messopfer dar und hatte sein ganzes Tun und Lassen nur auf das eine Ziel, Gott zu dienen, hin gerichtet. Die hohe Achtung, in welcher Hadrian allenthalben stand, bewog den Kaiser Maximilian, ihn zum Erzieher seines Enkels, des nachmaligen Kaisers Karl V., zu erwählen. Welch einen soliden Grund Hadrian in das Herz seines Zöglings gelegt, beweist der Umstand, daß Karl noch in vorgerückten Jahren jeden Tag eine Stunde der Betrachtung widmete, in der Zeit des allgemeinen Abfalles treu den katholischen Glauben bewahrte und an seinem Hof streng auf Zucht und Ehrbarkeit hielt.

Hadrian wurde Bischof von Tortosa und von Leo X. wegen seinen Tugenden, seiner Gelehrsamkeit und seines großen Ansehens zum Kardinal ernannt. Er befand sich eben in Spanien, als er die Nachricht erhielt, er sei am 9. Juni zum Papst (1522) erwählt worden. Damit wurde dem edlen Mann, der am liebsten im stillen Gott gedient und die theologische Wissenschaft gepflegt hätte, eine furchtbare Last auf seine Schultern gelegt. Wohin er sein Auge wenden mochte, überall nahm er Bedrängnisse wahr. Der sich immer weiter ausbreitende Abfall von der Kirche in Deutschland, das mächtige Vordringen der Türken, die sich die Eroberung Roms zum Ziel gesetzt hatten, die Zerwürfnisse unter den christlichen Mächten, die notwendige Reform des Klerus waren die gewaltigen Steine, welche dem Papst auf dem Weg lagen und gehoben werden sollten.

Um die Deutschen zur Unterstützung der Ungarn gegen die Türken und zur Ausführung des Wormser Ediktes gegen Luther zu vermögen, schickte Hadrian VI. zu dem in Nürnberg (1522) eröffneten Reichstag seinen Nuntius Chieregati. Leider fanden die gut gemeinten Absichten Hadrians wenig Entgegenkommen. Überall Lauheit und Schwäche oder offene Missachtung des Papstes. Luther hatte bereits in den weitesten Kreisen das päpstliche Ansehen untergraben. 101 Beschwerden wurden von den weltlichen Fürsten vorgebracht, von denen ein großer Teil nur dahin zielte, den Papst zu einem Schattenbild zu erniedrigen und den weltlichen Herren die Gewalt einzuräumen, nach Belieben über die Güter der Kirche schalten und walten zu können… Als der päpstliche Nuntius die Bemerkung machte, daß, falls die Ungarn verloren wären, bald auch die Deutschen an die Reihe kommen würden, wurde von Seiten der Lutheraner dagegen geschrien: „Wir wollen lieber den Türken dienen als euch, dem letzten und größten Gräuel und Gottesfeind.“ Die religiöse Spaltung führte zur politischen, zum Verrat an der Kirche gesellte sich der Verrat am Vaterland.

Auf allen Seiten fand Hadrian Schwierigkeiten, ohne jedoch auf dem Weg der Pflicht zu wanken. Als Franz I. nicht zufrieden, den Papst von einer Nachgiebigkeit zur andern zu treiben, gegen ihn in Rom selbst Unruhen hervor zu rufen suchte, sah sich Hadrian zu seiner persönlichen Sicherheit genötigt, der Verbindung gegen Franz beizutreten. Die Bemühungen des Papstes, die Fürsten zu einem Unternehmen gegen die Türken zu vereinigen, scheiterten hauptsächlich an dem Ehrgeiz und der Eroberungssucht Franz` I., der die Bekämpfung Karls statt die der Türken sich zur Lebensaufgabe gesetzt hatte. Daher misslang auch die Rettung der Insel Rhodos (1522), welche bisher die Johanniter heldenmütig verteidigt hatten. Mutig hatten sie zur See gegen die Seeräuber und die Türken gekämpft und den letzteren empfindlichen Schaden beigebracht.

Als aber Soliman II., der Prächtige, den Thron bestieg, faßte er den Entschluss, Rhodos zu erobern. Die Flotte von 300 Schiffen trug das Geschütz und die Soldaten nach der Insel. 300 Kanonen eröffneten das Feuer, 12 Riesengeschütze schleuderten gewaltige Steinkugeln gegen die Mauern. 10000 armenische Minierer arbeiteten unter dem Boden, um die Mauer zu untergraben und in die Luft zu sprengen. Und dessen ungeachtet hielt sich die Stadt sechs Monate hindurch. Erst als sie ein Steinhaufen geworden und den Rittern freier, ehrenvoller Abzug bewilligt war, verließen sie am 1. Jänner 1523 unter Tränen die Stätte ihres Ruhmes, die sie mit Strömen christlichen Blutes geweiht hatten. 80000 Mann hatte dem Sultan die Eroberung der Insel gekostet.

In Rom selbst fand der Papst Schwierigkeiten übergenug. Die Römer, an die Pracht seines Vorgängers gewöhnt, konnten sich mit dem Ernst und der Sparsamkeit Hadrians nicht befreunden. Sparte er für den Krieg gegen die Türken, so wurde er als Geizhals verschrien, zeigte er sich zurückhaltender Künstlern gegenüber, galt er als Barbar; die Entfernung überflüssiger Beamten hatte ihm Feinde zugezogen und als er die Reform bei den Kardinälen und ihrer prachtvollen Hofhaltung in Angriff nehmen wollte, fand er neue Gegner. Unter dem Druck der Leiden und des Missgeschickes starb der fromme Papst und fand in der deutschen Nationalkirche „Dell` Anima“ seine Ruhestätte. Seine Freunde haben ihm auf das Grabmal die Worte gesetzt: „Hier liegt Hadrian VI., der es für das größte Unglück hielt, daß er regierte“. Er schloss in würdiger Weise die Zahl der deutschen Päpste, die dem Stuhl Petri zur Zierde, wie dem deutschen Vaterland zum Ruhm gereichten. –
aus: P. Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste III. Band, 1907, S. 537 – S. 539

Category: Papsttum
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