Die heilige Marcella Witwe zu Rom

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

 Heiligenkalender

31. Januar

Die heilige Marcella Witwe

Die heilige Marcella war von dem vornehmsten römischen Adel. Ihr Ehegatte starb schon im siebenten Monat nach der Verehelichung. Weil sie nun sehr jung, schön von Gestalt und reich an Vermögen war, so fehlte er an Anträgen zur neuen Verehelichung nicht, und es bot ihr der Stadtpräfekt Roms selbst seine Hand an. Allein sie hatte sich schon entschlossen, als christliche Witwe zu leben. Demnach legte sie allen Schmuck und alle Kleiderpracht ab, entzog sich allen weltlichen Vergnügungen, floh die eitlen Gesellschaften und Besuche, lebte in der Stille der Einsamkeit, beschäftigte sich nur noch mit Gebet, Lesung geistlicher Bücher und Handarbeiten. Sie beteuerte mehrmals, im Gebet und Lesen der heiligen Schrift mehr Trost und Vergnügen zu finden, als in allen vorher genossenen Annehmlichkeiten. Den größten Teil ihres Vermögens bekamen die Armen und Notleidenden. Sie selbst lebte in höchster Mäßigkeit und genoß weder Fleisch noch leckere Speisen. Öfter besuchte sie mit größter Andacht die Kirchen und Gräber der heiligen Apostel und Märtyrer, und munterte sich durch die Erinnerung an selbe zur Tugend auf. Als sie von dem heiligen Athanasius in Erfahrung gebracht hatte, daß viele Männer und Frauen in dem gelobten Land ein geistliches und strenges Leben in der Einöde und in Klöstern führten, richtete sie ihre Lebensweise nach deren Beispiel ein, und legte dunkle Kleidung an wie eine Nonne, obschon niemand aus den Frauen zu Rom bis dahin von einer solchen Lebensart etwas wußte. Das viele daraus entstandene Gerede und Gelächter verachtete sie und blieb bei ihrem Vorsatz.

Als Rom von dem westgotischen König Alarich eingenommen und geplündert wurde, kamen auch einige Soldaten in das Haus dieser heiligen Witwe und forderten die verborgenen Schätze. Obgleich aber Marcella keine Schätze mehr hatte, und daher ihnen auch nicht ausliefern konnte, so wurde sie dennoch von denselben unbarmherzig geschlagen, und mit der noch zarten Jungfrau Principia gefangen in die Kirche des heiligen Paulus geschleppt. Sie lobte und dankte Gott dem Herrn, daß er ihr Gelegenheit gegeben habe, zu leiden. Bald darauf legte sie ihr Haupt in die Arme jener Jungfrau Principia und gab ihren Geist mit ganz fröhlichem Angesicht auf den 30. August 410. Der heilige Kirchenlehrer Hieronymus hat viel zu ihrem Lobe geschrieben und selbe allen Witfrauen als Tugendbeispiel vorgestellt. –
aus: Wilhelm Auer, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1904, S. 71 – S. 72

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