Der heilige Petrus von Alcantara

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

19. Oktober

Der heilige Petrus von Alcántara

Diejenigen, welche Christi sind (Christo in Wahrheit und ganz angehören), haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Lastern und Gelüsten.“ (Gal. 5,24) Diesem Rufe des hl. Paulus zur Buße hat der hl. Petrus, dessen Triumph die katholische Kirche am heutigen feiert, in bewunderungswürdiger Vollkommenheit sein ganzes Leben lang gehorcht. Zu Alcantara in Spanien 1499 geboren, der Sohn eines Rechtsgelehrten, war er schon in der frühesten Jugend so sanft, beschieden und kindlich fromm, daß man ihn nur den „heiligen Knaben“ nannte. Während er mit allem Fleiß der wissenschaftlichen Ausbildung oblag und sich auf der Hochschule zu Salamanca rühmlich hervortat, blieb er ein Muster der Frömmigkeit. Täglich besuchte er die Kirche, täglich hielt er strenge Wache über seine Augen, Ohren und Zunge, fast täglich schenkte er seine spärlichen Erholungs-Stunden den verlassenen Kranken und genoß wegen seiner herzlichen Bescheidenheit hohe Achtung.

Petrus sollte auch Jurist werden wie sein Vater, allein seine Sehnsucht nach vollkommener Liebe Gottes war mächtiger als die Neigung zur Rechtswissenschaft, und er trat – sechzehn Jahre alt – in den Orden des hl. Franz von Assisi. Mit dem ärmlichen Kleid zog er auch den Geist der Demut und der Buße des seraphischen Vaters an und bändigte schon im Probejahr mit außerordentlicher Anstrengung durch Fasten, Nachtwachen und harte Entbehrungen alle Gelüste seiner Sinne, alle Begierden seines Fleisches und die Zerstreuungen des Geistes, um in sich den geistigen Menschen nach dem Bilde Christi zu gestalten und den heiligen Frieden der Seele zu gewinnen. Er erreichte sein Ziel; die wunderbare Harmonie aller seiner Gedanken und Regungen offenbarte sich in der Heiterkeit seines Antlitzes, in der Freundlichkeit seiner Rede und in der Erbaulichkeit seines Benehmens. Sein tugendreicher Wandel empfahl den jungen Mönch so sehr, daß er – erst zwanzig Jahre alt – schon zum Superior des Klosters Badajoz bestimmt wurde.

Zum Priester geweiht, bekleidete er nacheinander das Amt eines Guardians und Definitors, spornte durch herzliche Ermahnungen, freundlichen Ernst und vorzüglich durch das eigene Beispiel seine Mitbrüder zum ausdauernden Streben nach Vollkommenheit an und brachte überdies in den Missionen als Prediger und Beichtvater tausendfältige Früchte hervor. Unter der Last dieser Arbeiten handhabte er zugleich eine Strenge gegen sich selbst, welche wunderbar ist. Ein schlechtes Kleid, ein altes Brevier, ein hölzernes Kruzifix und ein Wanderstock war sein ganzer Besitz; er war stets barfuß und entblößten Hauptes; an jedem dritten Tage aß er ein wenig schwarzes Brot, Bohnen oder Kräuter im Wasser aufgeweicht und mit Asche bestreut; in der Nacht schlief er kaum zwei Stunden sitzend oder kniend, das Haupt an eine Wand gelehnt; im Winter öffnete er das Fensterlein der Zelle, bis seine blutarmen Glieder erstarrten, indem er sich in die Leiden Jesu und die Schmerzen Mariä versenkte. Wenn man ihn um Schonung seines Körpers bat, antwortete er lächelnd: „Ich bin mit meinem Leibe eins geworden, daß er während dieses kurzen Lebens leiden müsse; dafür werde ich ihm in der langen Ewigkeit selige Ruhe verschaffen.“ So lebte er in und außer dem Kloster, in gesunden und kranken Tagen durch mehr als vierzig Jahre und leistete allein für das leibliche und geistige Wohl der Mitmenschen Größeres, als zehntausende von denjenigen mit einander, welche eine solche Selbstentäußerung belächeln.

Die Tätigkeit dieses armen Mönches war eine unermüdliche. Im Jahre 1538 zum Provinzial gewählt, besuchte er alle Klöster seiner Provinz, eiferte sie an zur genauen Befolgung der heiligen Regel und entschloß sich zu der heldenmütigen Arbeit, die ursprüngliche Armut und Bußstrenge seines Ordens wieder herzustellen. Er legte nach drei Jahren sein Amt nieder und ging mit Genehmigung des Papstes und begleitet von einigen gleich gesinnten Mitbrüdern nach Portugal, um dort auf dem öden Vorgebirge Arabida das Werk der Verbesserung zu erproben. Der Ruf ihrer Heiligkeit vermehrte schnell die Zahl ihrer Mitglieder, so daß sie in zwei Klöster sich verteilen mußten. Voll Freude über diesen Erfolg kehrte er nach Spanien zurück und baute, trotz aller Widersprüche, Schmähungen und Verleumdungen in der Wildnis Pedroso ein Kloster so ganz im Stile der Armut, daß es mehr einer Anstalt für verurteilte Sträflinge, als einer Wohnstätte für gottgeweihte Menschen glich. Das ganze Gebäude samt dem Kirchlein war nur 832′ lang, 28′ breit, mit kaum mannshohen Zellen – die seinige war so klein, daß er weder aufrecht stehen, noch ausgestreckt liegen konnte. Hier erneuerte er mit seinen Genossen in treuer Vollständigkeit das Leben des hl. Franziskus und seiner ersten Brüder, vier schon reformierte Klöster schlossen sich an ihn an, und er erlangte von Papst Paul IV. die Erlaubnis, eine eigene Ordensprovinz zu errichten, die nach und nach in verschiedenen Ländern dreihundert Klöster umfaßte.

Das hoffnungsvolle Gedeihen dieser Verbesserung weckte die Eifersucht und die Missgunst derjenigen, welche nicht den Mut und den Opfersinn hatten sich anzuschließen. Giftige Pfeile des Tadels, der Verdächtigung und Lüge wurden auf Petrus geschleudert; allein sie prallten ab an der Festigkeit des Mutes, mit dem er sein hohes Ziel verfolgte. Denn er wollte durch die Armut und Demut, durch die Buße und das Gebet seiner Brüder den katholischen Glauben beleben, die Gottesliebe kräftigen und so sein Vaterland befestigen wider die sogenannte Reformation, was ihm auch wohl gelang.

Wegen seiner heroischen Tugenden und außerordentlichen Gaben wurde Petrus von ganz Spanien geschätzt und geehrt, Gläubige aus allen Ständen kamen von weiter Ferne her, Belehrung, Rat und Trost zu erhalten. Auf seinen vielen Reisen drängten sich die Leute um ihn, sein armes Kleid zu küssen und seinen Segen zu empfangen, Gemeinden und Städte wählten ihn zum Schiedsrichter und Vermittler in ihren Streitigkeiten. Kaiser Karl V. suchte seinen Rat, König Johann III. von Portugal nötigte ihn, einige Zeit an seinem Hofe zu bleiben, die Infantin Donna Maria vertraute sich wie ein Kind seiner geistlichen Führung an, die vornehmsten Grafen und Würdenträger baten ihn um seine Besuche; aber er nahm solche Aufmerksamkeiten gleichgültig an, so wenig Reiz hatten für seine Demut die ihm erwiesenen Ehren. Dagegen unterhielt er einen freundschaftlichen Verkehr mit den in der Gottesliebe ausgezeichnetsten Männern und Frauen des Landes, z.B. mit Ludwig von Granada, Johann von Avila, Franz de Borgia, mit der hl. Theresia, deren Gewissensrat und beste Stütze bei Gott und den Menschen er war, und mit Andern. An Leiden aller Art, an schmerzlichen Krankheiten, an Unbilden von Seiten boshafter Menschen, an Versuchungen der bösen Geister fehlte es ihm niemals, aber ebenso wenig an süßen Tröstungen des Himmels. Oft jubelte er in freudigen Verzückungen, und oft sahen ihn die Leute mehrere Ellen hoch in der Luft schwebend beten. Einst musste er, von Nacht und Schneegestöber überfallen, mit seinem Begleiter in einer dachlosen Ruine bleiben. Sogleich verschwand der Schnee unter ihren Füßen, der Boden war trocken und warm wie im Frühling; der herab fallende Schnee, wie von Engelshand aufgefangen, bildete über sie ein wunderbares Dach, so daß sie wie in einem behaglichen Zimmer dem Gebet obliegen konnten usw.

Petrus zählte 63 Jahre, als ihm die nahende Stunde des Todes offenbart wurde. Er erkrankte auf einer Visitations-Reise seiner Klöster. Während der im Krankenhaus zu Arenis furchtbare Schmerzen litt, erfreuten ihn Maria, der hl. Johannes und andere Heilige mit ihrem Besuch. Die Fieberhitze verursachte ihm einen so brennenden Durst, daß er kaum mehr sprechen konnte. Man reichte ihm ein Glas Wasser zur Erquickung. Er nahm es in die Hand, führte es zu den Lippen, hob es mit einem zärtlichen Blicke auf das Kruzifix empor und gab es, ohne zu trinken, freundlich dankend zurück. Mit der letzten Kraft erhob er sich noch auf die Knie zum Empfang der heiligen Sakramente und verharrte in dieser Stellung betend, bis seine Seele von hinnen schied am 18. Oktober 1562. Im gleichen Augenblick erschien er im Glanze himmlischer Verklärung der hl. Theresia. Staunend fragte sie: „Was ist das, teuerster Vater?“ „Ich eile“, erwiderte er, „zur ewigen Ruhe. O glückliche Buße, welche mir eine solche Seligkeit erworben hat!“

Seine Leiche nahm die Gestalt eines blühenden Jünglings an. Wohlgeruch und Lichtglanz erfüllten das Gemach, zahlreiche Wunder verherrlichten schon seine Begräbnis. Papst Gregor XV. setzte 1622 seinen Namen feierlich in das Verzeichnis der Seligen und Papst Klemens IX. 1669 in das der Heiligen. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 768 – S. 769

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