Heilige Germana Cousin Hirtenmädchen

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

15. Juni

Die heilige German Cousin Hirtenmädchen

Germana Cousin, welche am 7. Mai des Jahres 1854 von Papst Pius IX. selig gesprochen worden, war ein armes Hirtenmädchen, das in der Gegend von Pibroc, einem Dorfe in Frankreich, das Vieh hütete. –

Sie besaß gar nichts von alle dem, was die Welt gewöhnlich bewundert. Sie war nicht schön, nicht vornehm und nicht reich; aber der heilige Geist hatte ihre reine Seele mit seinen Gaben geziert und mit jenen schönen Tugenden geschmückt, die allein vor Gott Wert haben. Ihr ganzes Leben brachte sie auf dem Gebirge bei ihrer Herde zu. Wenn sie abends, vom Regen durchnässt, von Kälte erstarrt, hungrig und müde nach Hause in die ärmliche Hütte kam, wo sie geboren wurde, fand sie eine hartherzige Stiefmutter, die sie hasste, quälte und verfolgte. Ohnehin von schwächlichem Körperbau, schickte ihr der liebe Gott auch mancherlei Krankheiten und viele Schmerzen, die sie fast nie ganz verließen. In diesem großen Elende, verlassen von Menschen, fand sie ihren Trost in Jesu, dem Gekreuzigten. In der Einsamkeit des Gebirges führte sie der Heilige Geist in die Schule des Gebetes und der Betrachtung; da lehrte er sie die Geheimnisse des Leidens Christi kennen, da unterwies er sie, dem gekreuzigten Jesus in aller Geduld nachzufolgen. Man sah sie stundenlang in der einsamen Gegend, wohin sie ihre Herde führte, auf dem Boden, oft auch im Schnee kniend, im Gebete vertieft. Obschon auf der Weide nicht selten weit von der Kirche entfernt, hielt keine Witterung, kein harter Weg sie ab, dem hochheiligen Messopfer beizuwohnen und die heiligen Sakramente wenigstens einmal in der Woche zu empfangen.

Ihr Leben war in Christo verborgen; man sah an ihr nichts Außerordentliches; nur so viel bemerkten jene, welche mit ihr umgingen, daß sie ein Muster einer tugendhaften, keuschen, christlichen Jungfrau sei.
Aber als ungefähr 40 Jahre nach ihrem Tode ihr Grab geöffnet wurde, da ward ihr jungfräulicher Leib ganz unversehrt und mit noch unverwelkten, ganz frischen Blumen bestreut gefunden und von jetzt an begann Gott diese Seele, die ihm in stiller, verborgener Demut gedient hatte, zu verherrlichen.
Eine Menge Wunder an ihrem Grabe und auf ihre Fürbitte geschahen, die von der bischöflichen Behörde damals sorgfältig untersucht und an den heiligen Stuhl berichtet wurden. –

Der Prozeß ihrer Seligsprechung blieb aber liegen bis zum Jahre 1848, wo er auf dringende Bitten vieler Erzbischöfe, Bischöfe, Pfarreien und Klostergemeinden wieder aufgenommen und unter dem hochseligen Papst Pius IX. zum neuen Ruhme der Kirche geendigt wurde. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 2, 1904, S. 2482 – S. 2483

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