Werke der heiligsten Dreieinigkeit

Das Kirchenjahr Weihnachtskreis, Osterkreis, Pfingstkreis: In dem Bild sieht man die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Gott Sohn Jesus Christus, Gott Heiliger Geist als Taube; links und rechts davon sind Blumengirlanden, durch die sich ein Band zieht mit dem Schriftzug Im Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes.

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

§ 2. Die heiligste Dreieinigkeit

Die Werke der heiligsten Dreieinigkeit nach außen

Welche Werke werden jeder der drei göttlichen Personen vornehmlich zugeschrieben?

Dem Vater werden zugeschrieben die Werke der Allmacht und insbesondere der Erschaffung; dem Sohn die Werke der Weisheit, insbesondere der Erlösung; dem Hl. Geist die Werke der Liebe, insbesondere die Heiligung, wiewohl diese Werke allen drei Personen gemeinsam sind.

Da alle drei Personen nur eine göttliche Natur haben, so gibt es auch nur eine göttliche Weisheit, nur eine göttliche Güte, nur einen göttlichen Willen. Diese Vollkommenheiten sind wie alle übrigen und wie die göttliche Natur selbst allen drei Personen gemeinsam. Daraus folgt, daß alles, was Gott vermöge seiner Allmacht, seiner Weisheit, seiner Güte tut, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist gemeinsam tun. „Alles, was der Vater tut“, sagt Christus, „das tut auf gleiche Weise auch der Sohn.“ (Joh. 5, 19) Und die heilige katholische Kirche glaubt und bekennt, daß nicht der Vater allein, sondern „daß der eine wahre Gott, Vater, Sohn und Hl. Geist, der Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge ist“. (Laterankonzil IV. und Dekret Eugens IV. für die Jakobiten) Dennoch werden auch in der Hl. Schrift jeder der göttlichen Personen besondere Vollkommenheiten und Werke vorzugsweise zugeschrieben, nämlich solche, die mit ihrer persönlichen Eigentümlichkeit eine besondere Ähnlichkeit haben.

1. Wie wir gesehen haben, ist es die besondere Eigentümlichkeit des Vaters, daß aus ihm als dem ewigen Urgrund alles Seins der Sohn Gottes und der Hl. Geist hervor gehen. Aus Gott gehen aber auch alle erschaffenen Wesen hervor, wiewohl nicht in derselben Weise wie der Sohn und der Hl. Geist; und dieses Hervorgehen der Geschöpfe ist zunächst eine Wirkung der göttlichen Allmacht, welcher es zukommt, Wesen aus dem Nichts ins Dasein zu rufen oder zu erschaffen; darum wird auch die Allmacht und das Erschaffen Gott dem Vater vornehmlich zugeeignet.

2. Die besondere Eigentümlichkeit des göttlichen Sohnes besteht darin, daß er als „die ewige Wahrheit“ aus der Erkenntnis des Vaters seinen Ursprung hat. Daher ist es begreiflich, daß ihm die Werke der göttlichen Weisheit vorzugsweise zugeschrieben werden. Die Erlösung wird ihm noch ganz besonders zugeeignet, weil nicht der Vater und der Hl. Geist, sondern nur der Sohn Gottes Mensch geworden und zu unserer Erlösung am Kreuz gestorben ist.

3. Der Hl. Geist unterscheidet sich vom Vater und dem Sohne dadurch, daß er von beiden ausgeht als die wechselseitige Liebe. Deshalb werden ihm vornehmlich die Werke der Liebe zugeeignet und insbesondere die Heiligung, welche durch die Eingießung der heiligen Liebe geschieht, gemäß den Worten der Schrift: „Die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Hl. Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm. 5, 5)

Können wir das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit begreifen?

Unmöglich kann unser schwacher Verstand, der selbst die erschaffenen Dinge nur unvollständig erkennt, ein Geheimnis begreifen, das über alle erschaffenen Dinge unendlich erhaben ist.

Unser Verstand ist schwach und beschränkt, wer möchte es bezweifeln? Tausend Dinge, die wir mit Augen sehen und mit Händen greifen, sind für uns unerklärliche Geheimnisse. Du siehst das Samenkorn in die Erde fallen und eine schöne, kräftige Pflanze daraus hervor sprossen. Ist das nicht auch ein Geheimnis? Du siehst die Raupe im Spätjahr sich einspinnen und mit beginnendem Frühling als bunt farbiger Schmetterling ihr selbst gefertigtes Grab verlassen. Ist das für dich nicht ein Geheimnis? Und wie viele dem unbewaffneten Auge unbemerkbare Wunderdinge birgt nicht die Natur in ihrem Schoß? …
Sehr passend bemerkt ein kirchlicher Schriftsteller: „Gott wäre nicht Gott, wenn er nicht größer wäre als deine Fassungskraft. Freuen wir uns, einen solchen und so großen Gott zu haben.“ Ja, „groß bist du (o Gott) und unerreichbar unseren Gedanken“. (Jer. 32, 19) Wenn aber Gott überhaupt unsere schwache Fassungskraft weit überragt, um wieviel mehr nicht ein Geheimnis, welches das innerste Wesen Gottes betrifft und deshalb nicht ohne Grund das Geheimnis aller Geheimnisse genannt wird. Da ist nicht vorwitziges Grübeln, sondern nur demütiger Glaube und stumme Anbetung am Platz.

Obwohl wir aber hienieden dieses hochheilige Geheimnis weder erforschen, noch uns klar vorstellen können, so läßt sich doch nachweisen, daß in demselben kein Widerspruch liegt. Denn wir behaupten nicht, daß Gott in seiner Natur zugleich einfach und dreifach, oder daß er in den Personen zugleich dreifach und einfach sei, was allerdings widersinnig wäre; sondern wir sagen, gestützt auf die unfehlbare Lehre der Kirche, daß er, obwohl einfach in der Natur, dreifach in den Personen ist. Wo ist da ein Widerspruch? Ein solcher besteht nur dann, wenn von demselben Gegenstand und in derselben Rücksicht etwas bejaht und verneint wird. Hier wird aber die Einheit in Rücksicht auf die Natur, die Dreiheit in Rücksicht auf die Personen behauptet. Auch unsere Seele ist als geistiges Wesen einfach; dennoch ist sie in Hinsicht auf ihre Kräfte wenigstens dreifach; denn eine andere Kraft ist der Verstand, eine andere der Wille, wiederum eine andere diejenige, durch welche sie den Körper belebt und bewegt. Da haben wir eine Tatsache vor uns, die wir nicht leugnen können und doch auch nicht vollständig begreifen. Soviel aber begreifen wir, daß darin kein Widerspruch liegt. Wie also sollte es einen Widerspruch einschließen, wenn wir von Gott sagen, daß er in einer Beziehung einfach und in einer anderen Beziehung dreifach ist?

Ist die Lehre von der heiligsten Dreifaltigkeit für uns auch wichtig?

Sie ist höchst wichtig, da sie die Grundlehre ist, worauf alle übrigen Lehren unserer heiligen Religion sich beziehen. Sie verwerfen heißt demnach soviel als den christlichen Glauben verwerfen.

Der kurze Inhalt der ganzen geoffenbarten Glaubenslehre ist folgender: Gott, der die Menschen im Stande der Gnade erschaffen hat, ist von diesen schwer beleidigt worden und fordert eine angemessene Genugtuung, bevor er das schuldige Menschengeschlecht wieder zu Gnaden aufnimmt. Diese Genugtuung leistet der Sohn Gottes durch sein freiwilliges Versöhnungsopfer, das er am Kreuz dem Vater darbringt. Der Hl. Geist aber spendet uns die Früchte dieser Genugtuung, nämlich Gnade und Heiligung, in der dazu gestifteten Heilsanstalt, der Kirche. Auf der Lehre von den drei Personen in der Gottheit ruht demnach wie auf drei Grundpfeilern die ganze christliche Glaubenslehre. Nimm den Glauben an die heiligste Dreifaltigkeit weg, und es bleibt vom Christentum nur mehr ein schatten. Denn was ist das Christentum ohne den Glauben an die Menschwerdung des Sohnes Gottes und an seine gnadenreiche Erlösung, ohne den Glauben an eine vom Hl. Geist geleitete und beseelte Kirche, ohne das anbetungswürdige Opfer der heiligen Messe, ohne die Gnadenquellen der heiligen Sakramente usw.? Unmöglich ist es also ein Christ zu sein, wenn man dem Glauben an die allerheiligste Dreifaltigkeit entsagt hat. –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Ein Hilfsbuch für die Christenlehre und katechetische Predigt, 1. Band Lehre vom Glauben, 1911, S. 170 – S. 172

Bildquellen

  • Goffine Kirchenjahr: Bildrechte beim Autor

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