Wem die Früchte der Messe zukommen

Der Priester steht in der heiligen Messe vor dem Hochaltar, hält die nach der Wandlung geweihte Hostie hoch, die Ministranten und das gläubige Volk knien mit gesenktem Haupt

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

§ 2. Das heilige Messopfer

Wem kommen die Früchte der heiligen Messe zu?

Die allgemeinen Früchte kommen der ganzen Kirche zu, den Lebenden und den Verstorbenen: die besonderen hingegen 1. dem Priester, der das Opfer darbringt, 2. jenen, für welche er es insbesondere darbringt, 3. allen, die demselben andächtig beiwohnen.

„Früchte der hl. Messe“ nennt man alle Gnaden und Segnungen, die uns Gott in Ansehung derselben gewährt. Solche Früchte kommen

1. der ganzen katholischen Kirche zu und heißen deshalb allgemeine. Da nämlich die hl. Messe vom Priester im Namen der gesamten Kirche gefeiert wird, so ist sie ein allen Mitgliedern derselben gemeinsames Opfer; sonach entspricht ihr auch eine Frucht, die allen gemeinsam ist, und dies um so mehr, weil sie ausdrücklich zum Frommen der ganzen Kirche Gott aufgeopfert wird. Aus letzterem Grunde nehmen auch die Abgestorbenen daran teil; denn auch diese nennt der Priester unter denen, für die er das hl. Opfer darbringt.
Die Absicht der Kirche, das gnadenreiche Opfer der hl. Messe für die Gesamtheit der Gläubigen, für die Lebenden und Verstorbenen Gott darzubringen, leuchtet klar hervor aus den Gebeten, die sie den Priester sprechen läßt. So betet derselbe z. B. bei der Opferung der Hostie: „Nimm an, o heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, dieses unbefleckte Opfer, das ich, dein unwürdiger Diener, dir … darbringe für meine unzähligen Sünden, Beleidigungen und Nachlässigkeiten, sowie für alle Anwesenden und für alle Christgläubigen, Lebende und Abgestorbene, damit es mir und ihnen zum ewigen Heil gereiche. Amen.“ Ähnlich betet er zu Anfang des Kanons (nachdem Sanctus) und an verschiedenen andern Stellen. Daß Gott im Hinblick auf das hochheilige Opfer seines Eingeborenen diese Gebete in reichem Maße erhören und den Lebenden Verzeihung ihrer Sünden sowie Hilfe für Leib und Seele, den Verstorbenen aber Nachlassung ihrer Strafen und die ewige Ruhe verleihen werde, kann keinem gläubigen Christen zweifelhaft sein und war stets die feste Überzeugung der Kirche. Was insbesondere den Nutzen betrifft, den die Seelen des Fegefeuers aus der Darbringung des hl. Messopfers ziehen, so lehrt der hl. Chrysostomus, daß bereits die Apostel diese Überzeugung gehegt und ihr gemäß gehandelt haben. „Nicht ohne Grund“, sagt er (Hom. 70 an das Volk von Antiochien), „haben die Apostel festgesetzt und angeordnet, daß bei der Feier der hochheiligen Geheimnisse der Abgestorbenen gedacht werde. Sue wußten nämlich, daß denselben hieraus großer Vorteil erwachse.“
Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, daß der Anordnung Christi gemäß das hl. Messopfer zunächst und eigentlich für die katholische Kirche dargebracht wird; denn für ihre Wohlfahrt hat der Heiland, wie die heiligen Sakramente, so auch dieses hl. Opfer eingesetzt. Damit soll jedoch keineswegs gesagt sein, daß jene, die nicht zur katholischen Kirche gehören, von dem Segen dieser Gnadenquelle gänzlich ausgeschlossen seien. Die Kirche weiß, daß Jesus Christus für alle Menschen sein kostbares Blut vergossen hat, sie weiß, daß es ihre Bestimmung ist, nach der Mahnung des Apostels (1. Tim. 2, 1-4) für alle Menschen Gebete, Fürbitten und Danksagungen dem Allerhöchsten darzubringen, damit alle selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Daher ist der Priester, wie der hl. Chrysostomus bei Erklärung des angeführten Textes (Hom. 6) bemerkt, „gleichsam ein allgemeiner Vater der ganzen Welt. Er soll deshalb für das Heil aller Sorge tragen, gleich wie Gott dies tut, dessen Priester er ist… Die Eingeweihten wissen“, fährt der hl. Kirchenlehrer fort, „wie dies beim Gottesdienst jeden Tag, am Abend wie am Morgen, geschieht; wie wir da für die ganze Welt, für Könige und Obrigkeiten unser Gebet verrichten.“ Und was zur Zeit des hl. Chrysostomus geschah, geschieht noch heute: Täglich erscheint der Priester am Altar des Herrn als Sachwalter aller Menschen, indem er bei der Opferung des Kelches betet: „Wir opfern dir, o Herr, den Kelch des Heiles und flehn zu deiner Güte, daß dieses Opfer im Angesicht deiner göttlichen Majestät für unser und der ganzen Welt Heil als ein lieblicher Wohlgeruch zu dir aufsteige.“

2. Außer den allgemeinen Früchten, an denen die ganze Kirche teilnimmt, gibt es noch andere, die bloß einzelnen Gläubigen zuteil werden und deshalb auch besondere Früchte genannt werden. Solche Früchte kommen zu

a) dem Priester, der das hl. Opfer darbringt. Die Darbringung des hl. Messopfers ist zunächst ein gutes Werk, an dem der Priester in vorzüglicher Weise beteiligt ist. Deshalb versteht es sich auch von selbst, daß er auch an dessen segensvollen Wirkungen einen besondern Anteil hat. Sodann opfert der Priester es ausdrücklich für seine eigenen Bedürfnisse auf.
b) Besondere Früchte empfangen ferner jene, für die der Priester das Opfer namentlich darbringt. Daß der Priester als Christi Stellvertreter die Früchte der hl. Messe diesem oder jenem im besondern zuwenden könne, steht außer Zweifel. Die gegenteilige Ansicht wurde von Papst Pius V. ausdrücklich verworfen. (Bulla „Auctorem fidei“, Prop. 30) Das hl. Messopfer ist gleichsam ein durch die Stimme des Blutes Christi unterstütztes Gebet. Wie nun jeder sein Gebet auf einen Zweck hinrichten kann, indem er entweder für seine eigenen Anliegen betet oder für seine Angehörigen oder für einen Freund usw., so kann auch der Priester das hl. Messopfer für diesen oder jenen in besonderer Weise Gott aufopfern. In gewissen Fällen macht die Kirche dies dem Priester sogar zur strengen Pflicht. So ist z. B. Jeder Pfarrer gehalten, an Sonn- und Feiertagen das hl. Opfer für seine Pfarrangehörigen darzubringen. Bekanntlich ist es ja auch allgemeine Gewohnheit der Gläubigen, für sich und die Ihrigen oder für besondere Anliegen hl. Messen lesen zu lassen; und diese Gewohnheit ist nicht erst von heute oder gestern, sondern hat von jeher bestanden und wurde von der Kirche stets gutgeheißen.
c) Auch allen, die der hl. Messe andächtig beiwohnen, kommen besondere Früchte zu, zunächst schon deshalb, weil sie zugleich mit dem Priester das hl. Opfer darbringen. Zwar ist der Priester allein Stellvertreter Christi, und darum kann nur er im Namen Christi das Opfer darbringen; aber dasselbe wird, wie wir gehört haben, auch im Namen der Kirche dargebracht, und insofern nehmen die anwesenden Gläubigen als Mitglieder der Kirche in besonderer Weise teil an der hl. Handlung. Dies sprechen auch die Gebete, die der Priester verrichtet, klar aus. So betet er z. B. Bei der Opferung des Kelches: „Wir opfern dir auf, o Herr, den Kelch des Heiles“, und beim „Orate, fratres“ spricht er: „Betet, Brüder, das mein und euer Opfer bei Gott, dem allmächtigenVater, wohlgefällig werde.“

Wenn nun der opfernde Priester einen besondern Anspruch auf die Früchte der hl. Messe hat, dann auch die mitopfernden Gläubigen. Außerdem opfert und betet der Priester für diese insbesondere. So bittet er bei der Opferung des Brotes Gott, er wolle „das unbefleckteOpfer auch für alle Anwesenden annehmen“, und im Kanon, „der Herr möge auch aller Anwesenden gnädigst gedenken, deren Glaube und Andacht ihm bekannt seien“. Mit Recht dürfen also alle, die in gebührender Weise der Messe beiwohnen, einen besondern Anteil an deren Früchte erwarten. – aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Ein Hilfsbuch für die Christenlehre und katechetische Predigt, 3. Band Lehre von den Gnadenmitteln, 1912, S. 177-179

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Category: Linden, Messopfer
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