Das hl Messopfer und das Kreuzesopfer

Der Priester steht in der heiligen Messe vor dem Hochaltar, hält die nach der Wandlung geweihte Hostie hoch, die Ministranten und das gläubige Volk knien mit gesenktem Haupt

Das heilige Messopfer und das Kreuzesopfer

Durch den Tod des Herrn am Kreuz erhält das hl. Messopfer erst seine volle Bedeutung. Kreuzestod und Abendmahlsfeier stehen in engster Beziehung zueinander.

Das Kreuzesopfer ist ein wahres und wirkliches Opfer, einzigartig und völlig unabhängig. Der Heiland selbst stellte seinen Tod am Kreuz unzweideutig unter dem Gesichtspunkt des Opfers dar. Feierlich erklärt er im Evangelium des hl. Matthäus 20, 28, er sei in die Welt gekommen, um seine Seele, d.i. sein Leben, hinzugeben als Lösegeld anstelle vieler. Er selbst ist also Opfergabe, indem er stellvertretend stirbt am Kreuz für die Menschen, und er ist Opferpriester, indem er und neimand anders als er sich freiwillig hinopfert. Seine Opfergesinnung ist Sühne zu leisten aus Liebe und Erbarmen für die Menschen, sie aus Schuld und Todeshaft loszukaufen. So will es sein Vater, dessen verletzte Ehre wieder hergestellt wird, dem wieder die Anerkennung als des höchsten Gottes zu teil wird. Opferaltar ist das Kreuz.

Im hl. Messopfer, das der Herr beim letzten Abendmahl eingesetzt hat, vollzieht sich nun dem Wesen nach dieselbe Opferhandlung, die einst am Kreuz vollzogen wurde. Wie dort ist Christus Opferpriester – der Priester der Kirche funktioniert nur in dessen Namen -, er ist Opfergabe in seiner ganzen gottmenschlichen Person und im Augenblick der Wandlung zeigt sich dieselbe Opfergesinnung des Heilandes, dieselbe Opferliebe für sein Volk, welche am Kreuz unter unsäglichen Leiden dahinstarb. Und um den Gläubigen zu verbürgen und soweit als möglich für die Sinne darzustellen, daß in der Wandlung dem Wesen nach das Gleiche geschehe wie damals, wo am Kreuz das Blut vom Leibe sich trennte, wird Christus nicht bloß unter der Gestalt des Brotes, sondern auch des Weines, also in Form der Trennung gegenwärtig. Freilich nicht mehr äußerlich opfert er seinen Leib dahin, nicht mehr sinnenfällig vergießt er sein Blut, sondern wie beim letzten Abendmahl geschieht dies unblutiger Weise, indem der Heiland in sich durch den Priester, der in seiner Person handelt, im Augenblick der Wandlung immer den intensivsten Akt der Hingabe seines Leibes in den Tod durch Blutvergießen erweckt und so in diesem innerlichen Akt stets von neuem das Opfer seines Lebens sich vollzieht. In dieser inneren Beziehung zum Kreuzesopfer allein bestehen Abendmahl und Messopfer, d. h. die damals vorweg genommenen und seitdem überall sich wiederholende Opferfeier. Wäre die sinnenfällige Kreuzopfertat nicht auf das Abendmahl gefolgt, so hätte letzteres nicht den Wert einer Opferhandlung gehabt, und andererseits hat seit dem Tode Jesu der Verwandlungsakt den Wert und die Bedeutung einer Opferhandlung lediglich nur durch die innere Beziehung zu jenem Opfertod.

So wird auch im hl. Messopfer Gott die höchste Ehre erwiesen und die im Auftrag Gottes geschehenen Erlösungstat des Sohnes immerfort erneuert. So will es der Vater, dem das Opfer geweiht ist.

Man bezeichnet nicht selten das hl. Messopfer als die „Fortsetzung des Kreuzesopfers“. Diese Bezeichnung ist insofern richtig, als damit zum Ausdruck gebracht werden soll, daß das Kreuzesopfer durch die ganze Menschheit herab fortdaure, lebendig und gegenwärtig erhalten wird. Falsch aber wäre die Benennung, wenn man daran dächte, daß dasselbe erst allmählich durch das hl. Messopfer vollendet würde.

Auch als „Wiederholung des Kreuzesopfers“ wird das hl. Messopfer mitunter bezeichnet. Diese Bezeichnung ist insofern eine sehr gute, als sie klar erkennen läßt, daß die hl. Messe nicht bloß eine reine Gedächtnisfeier des Todes des Herrn darstellt, sondern eine Opferhandlung, die wesentlich dieselbe ist wie das Kreuzesopfer. Falsch aber wäre die Bezeichnung, wenn sie besagen wollte, das hl. Messopfer begründe ein neues Opferverdienst, es stelle sich neben das Kreuzesopfer und sei mit letzterem nicht völlig identisch.

Die Kirchenversammlung von Trient nennt das hl. Messopfer die Darstellung des Kreuzesopfers. In der tat wird in den Wandlungsworten und durch dieselben der blutige Tod des herrn nicht bloß durch die geheimnisvolle Trennung von Fleisch und Blut, sondern am lebendigsten dadurch dargestellt, daß der verklärte Gottmensch selber die Opfertat am Kreuz ihrem ganzen Inhalt nach geheimnisvoll auf dem Altar vollzieht.

Als wahres Opfer ist das hl. Messopfer notwendig auch Sühnopfer wie das Kreuzesopfer. Von letzterem wird im Neuen Testament fast nur diese Eigenschaft betont, weshalb auch der Kirchenrat von Trient, nachdem er die hl. Messe als wahres Opfer wie das Kreuzesopfer erklärt hatte, an demselben ganz besonders den Sühnecharakter hervor hob. Wäre die Messfeier nicht wahres Opfer, nicht eigentliche, dem Kreuzesopfer gleich zu stellende Opferhandlung, so könnte sie auch im Ernst nicht Sühnopfer genannt werden. Da sie aber wahrhaftige Opferhandlung, wesentliche gleiche Handlung des Kreuzesopfers ist, so ist es auch selbstverständlich, daß sie sühnekräftig ist.

aus: K. Josef Merk, Das Hl. Messopfer, Das immerwährende Opfer der katholischen Kirche, 1921, S. 23-25

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