In der heiligen Wandlung opfert sich Christus

Das hochheilige Messopfer – Bleibende Offenbarung des göttlichen Herzens Jesu

In der heiligen Wandlung opfert sich Christus für uns

Jetzt denke einen Augenblick zurück an das, was ich dir im vorigen Lehrstück gesagt habe von der heiligen Wandlung bei der täglichen Messe. Da kommt der Herr Jesus, erscheint dir in der Gestalt von Brot und Wein verkleidet, und sucht dich heim in eurer Kirche. Das ist das erste, was bei der Wandlung geschieht. Wenn nun auch du wie St. Petrus den Heiland fragen wolltest: „Herr! Wohin gehst du jetzt? Warum kommst du auf den Altar?“ – weißt du, was er dir antworten würde? Er würde dir sagen: „Ich komme und gehe, um mich wieder, wie vordem am Kreuze, zu opfern für dich.“ –

Das ist jetzt das Zweite, was im großen, heiligen feierlich stillen Augenblick der Wandlung bei jeder Messe geschieht: Jesus Christus opfert sich für dich! Mit deinen leiblichen Augen siehst du dieses freilich nicht; desto notwendiger ist es, daß du das Auge des Glaubens scharf einstellst, und wohl zusehest, was da im Stillen vor sich geht. Ich will dir jetzt dazu behilflich sein, und dir zeigen, wie sich da bei dem Opfer in der Wandlung das Herz deines Heilandes in wunderbarer Liebe offenbart.

Es gehört aber zu jedem Opfer ein Dreifaches: einer, welcher opfert; etwas, was er opfert, und endlich das Opfern, oder die Opferhandlung selber. Wenn im alten Bund Lämmer geopfert wurden, so war hier das Opfer ein lebendiges, tadelloses Lämmlein; der es geopfert hat, war der von Gott hierzu bestellte Priester; und das Opfern geschah dadurch, daß dem Lämmlein durch Schlachten und Blutvergießen sein Leben genommen wurde. – Auf solches Dreifache musst du nun auch bei der Wandlung achten, um sie ganz und richtig zu verstehen.

Der Priester

Was lehrt dich denn der katholische Katechismus von der Messe? Er lehrt, daß die Messe ein wahres Opfer sei; heißt sie ja nicht umsonst Messopfer. Und das Opfer wird gebracht bei der Wandlung, und der es für dich bringt ist kein Geringerer als dein Gott und Herr, der Gottmensch Christus selber.Was er da opfert, nimmt er von dem Seinigen; er gibt etwas von sich für dich hin; er legt sich deinetwegen ein Opfer auf, und er tut es freiwillig; es kann ihn Niemand dazu zwingen.

Und was dabei noch besonders ins Gewicht fällt, er sucht dich eigens auf und kommt, um dieses Opfer, dieses Almosen zu bringen. Was es nun immer sei, das er für dich bringt, es beweist jedenfalls, daß er ein mitleidiges, erbarmendes Herz für dich hat. Die Wandlung ist eine Offenbarung dieses seines Herzens. Daß er dieses Opfer, diese Gabe durch den Messe lesenden Priester hingibt, ändert an der Sache nichts. Der Priester nimmt sie ja nicht von den Seinigen; was er darbringt, ist Christi eigenstes Eigentum. Es ist also immer Christus selbst, der sich deinetwegen ein Opfer auferlegt und darbringt. Der eigentliche Messpriester ist Christus selbst.

… Wenn bei der heiligen Wandlung durch das Wort des katholischen Priesters Brot und Wein in den hochheiligen Leib und in das kostbare Blut Christi verwandelt werden, so ist nicht der Priester es, der das bewirkt, sondern es ist Christus selber, der bei den Worten seines Dieners sich selber in den Zustand des Opfers versetzt, und sich Gott zur Ehre und dem Menschengeschlecht zum Heile hingibt.

Sage ich also nicht mit recht: die heilige Wandlung offenbart die Güte, Herablassung, Erbarmung und Liebe des Herzens Christi für dich? Und freuest du dich denn auch darüber? Rühmest du dich denn auch, daß du sagst: „denkt euch, liebe Leute! Heute hat der heiligste und oberste Priester der Welt, der Gottmensch Jesus Christus, die Messe für mich aufgeopfert?“

Das Opfer

Was ist es nun, das er opfert? Es ist sein am Kreuz geschlachteter Leib, es ist sein am Kreuz vergossenes Blut, es sind sein am Kreuz erworbenen Verdienste; es ist also genau dasselbe Opfer, das er vordem für dich am kreuz dargebracht hat. Du siehst zwar dieses Opfer mit leiblichem Auge nicht, aber du siehst die Gestalten von Brot und Wein. In der Trennung dieser Gestalten ist dir die Trennung seines Blutes von seinem Leibe am Kreuz in sinnfälliger, bildlicher Weise vor Augen gestellt.

Er hat wohl einmal etwas Kostbareres gehabt, nämlich sein Leben; dieses hat er am Kreuz für dich geopfert. Dieses Leben kann er jetzt freilich nicht mehr hingeben; „denn wir wissen, daß Christus auferstanden von den Toten, nicht mehr stirbt“ (Röm. 6). Aber was er jetzt noch von sich selbst opfern kann, das opfert er bei der Wandlung; er hat nichts Größeres, nichts Besseres, nichts Heiligeres, was er opfern kann, als sein heiligstes Fleisch und Blut und seine unendlichen Verdienste, und diese gibt er für dich hin. – Ich sage: für dich.

Wenn der Priester beim Offertorium die Patene mit dem Brot erhebt, bittet er Gott, er möge dies unbefleckte Opfer hinnehmen für ihn, den Priester, für alle, die bei der Messe zugegen sind, endlich für alle Christgläubigen, Lebendige und verstorbene, auf daß es ihm und diesen allen zum Heil werden möge. Um dasselbe bittet er auch bei der Aufopferung des Weines. Es wird demnach das Messopfer, welches bei der heiligen Wandlung dargebracht wird, für die ganze Welt, für alle Christgläubigen, also auch für dich gebracht, gerade so, wie der Heiland am kreuz sich für alle Menschen, und für dich geopfert hat. Und er tut dies bei jeder Messe, und weil wohl zu jeder der 24 Stunden des Tages irgendwo in der Welt die Messe gelesen wird, so bringt der Heiland sich auch zu jeder Stunde für dich zum Opfer; also auch gerade jetzt in diesem Augenblick, wo du dieses liest.

Es denkt vielleicht in diesem Augenblick kein einziger Mensch an dich; aber der Gottmensch tut es. Er denkt nicht bloß an dich, er hat jetzt auch Mitleid mit dir, er hat Liebe zu dir, und darum opfert er jetzt in diesem Augenblick irgendwo auf dem Kalvarienberg eines Altares das beste, das Einzige, was er in seinem jetzigen, verklärten, unsterblichen Leben opfern kann, sein Fleisch und Blut und seine Verdienste.

Eines Tages erschien der Herr seiner Dienerin Margaretha Alacoque, ließ sei sein von Flammen umlodertes Herz sehen und sagte dann: „Sieh da dies Herz, welches die Menschen so sehr geliebt hat, daß es sich ganz erschöpft hat, um ihnen seine Liebe zu zeigen.“ Diese Liebe seines Herzens zeigt er dir alle Tage in der heiligen Wandlung; auch da erschöpft er sich, indem er Alles, was er kann, stündlich für dich hinopfert. Darum sage ich ein zweites Mal: die Wandlung ist eine Offenbarung seines Herzens; er beweist da klar und deutlich seine Erbarmung, sein Mitleid, seine Liebe für dich, indem er sein Fleisch und Blut und den Schatz seiner überreichen Verdienste für dich versetzt beim Versatzamt seines himmlischen Vaters, um dir dafür überreiches Gut von ihm zu verschaffen.

Die Opferung

Der Mensch gehört ganz und gar Gott an, ist sein vollstes Eigentum und ganz von ihm abhängig. Es ist daher unsere Pflicht und Schuldigkeit, diese Oberherrschaft Gottes, dieses sein Eigentums-Recht auf uns anzuerkennen, uns ihm mit freiem Willen zu unterwerfen. Das geschieht zuerst dadurch, daß wir mit Geist und Herz uns bereit erklären, seinem Dienste und seiner Verherrlichung unseren Leib und unsere Seele, unser ganzes Wesen und Leben zu widmen und zu weihen. Diese unsere innere Hingabe ist das unsichtbare geistige Opfer, das Opfer des Herzens, welches wir Gott schuldig sind.

Dieses innere Opfer soll aber auch durch ein äußeres, sinnfälliges Opfer dargetan werden. Das geschieht dadurch, daß wir einen uns gehörigen, tauglichen sinnfälligen Gegenstand Gott als Ehrengabe darbringen und zwar so darbringen, daß durch die Art und Weise der Veränderung und Verwendung des Gegenstandes die völlige Hingabe unseres ganzen Seins und Lebens in den Dienst und in die Verherrlichung Gottes ausgedrückt werde.

Das Edelste und Beste, was der Mensch besitzt, ist sein Leben. Er ist aber nicht Herr über dasselbe, darf dasselbe also auch nicht ohne ausdrücklichen Willen Gottes hinopfern. Deswegen hat Gott im alten Bund verordnet, daß ihm zur Anerkennung seines Eigentums-Rechtes andere sichtbare, dem Menschen gehörige Gegenstände an Stelle des Menschenlebens zum Opfer gebracht werden, z. B. Tiere, Feldfrüchte u. dgl. Das Opfern geschah nun dadurch, daß diese Gaben umgewandelt oder vernichtet wurden. So wurden die Weihrauch-Körner verbrannt und in süßen Wohlgeruch verwandelt, der Wein ausgegossen, das Opfertier durch Schlachtung und Entleerung von Blut getötet.

Das ist nun die eigentliche, äußere, sinnfällige Opferhandlung oder Opferung, das dritte, was wesentlich zum Opfer gehört. Christus der Herr hat diese Opferhandlung am Kreuz nach dem Willen seines Vaters dadurch vollzogen, daß er zur Anerkennung der Oberherrschaft Gottes mit vollem freien Willen sich den Leiden und dem Tode durch Vergießung seines Blutes hingegeben und sterbend seine Seele dem Vater zurück gegeben hat, von dem er sie empfangen. „Niemand, so hat er selbst gesagt, Niemand nimmt mein Leben von mir, sondern ich gebe es von mir selbst hin. Und ich habe Macht, es hinzugeben, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe.“ (Joh. 10,18.17.)

Heilige Wandlung

Da nun nach der Lehre der katholischen Kirche in der heiligen Messe Gott ein wahres, eigentliches und sinnfälliges Opfer dargebracht wird, so muss auch hier eine solche sichtbare Opferhandlung stattfinden. Und weil das Opfer, welches in der heiligen Messe vollbracht wird, nicht die Gaben von Brot und Wein sind, sondern der Gottmensch Jesus Christus selbst ist, so muss auch an ihm eine solche sichtbare Handlung vollbracht werden, wodurch die innere Opfer-Gesinnung entsprechend dargestellt wird.

Dieses geschieht nun gerade durch die heilige Wandlung. Da wird zunächst Jesus Christus seiner Gottheit und Menschheit nach wahrhaft und wesentlich auf dem Altar gegenwärtig unter den sinnfälligen Gestalten des Brotes und Weines. Da bringt er in seinem Geist und Herzen das innere, geistige Opfer. Wie am Kreuz brennt auch da in seinem Herzen dieselbe Opferliebe, dieselbe Gesinnung und Unterwerfung unter den Willen des Vaters. Durch einen jedesmaligen besonderen Akt seines heiligen Willens opfert er sich für uns dem himmlischen Vater auf. Das ist die erste Kundgebung seiner Liebe zu Gott und zu uns, die erste Offenbarung seines Herzens in der Opferung der heiligen Wandlung.

Dieses innere Herzensopfer, seine Opfergesinnung wurde nun auch sinnfällig zum Ausdruck gebracht. Das geschieht nun eben dadurch, daß der Herr in Kraft der Wandlungs-Worte seinen heiligen Leib unter der Gestalt des Brotes und sein heiliges Blut unter der Gestalt des Weines sinnfällig getrennt darstellt, und so der äußeren Erscheinung nach im Stande des Todes, gleichsam als geschlachtetes Lamm vor unsere Augen tritt.

Eines Tages bat der heilige Kirchenlehrer Gregor von Nazianz einen Priester um ein Memento bei der heiligen Messe. Da schrieb er ihm: „Wenn du den heiligen Dienst verrichtest, so löse uns von der Last der Sünde, indem du das Opfer der Auferstehung darbringst. Laß nicht ab, für uns Fürsprache einzulegen, wenn du durch das Wort das menschgewordene Wort herab rufst, wenn du sein Wort als Schwert gebrauchst, und mit unblutigem Schnitt des Herrn Leib und Blut trennst.“ So wird also wie beim letzten Abendmahl auch in der heiligen Wandlung Christi Wort wahr: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, das ist der Kelch meines Blutes, das für für euch vergossen wird.“

Durch diese doppelte Wandlung wird nun zu gleicher Zeit das heilige Messopfer eine zwar unblutige aber doch recht anschauliche Nachbildung und Vergegenwärtigung des blutigen Opfers am Kreuz. Wie nun am Kreuz die Liebe es gewesen ist, welche den Erlöser in den Zustand des Todes versetzt hat, so ist es auch dieselbe Liebe, welche ihn auf unsern Altären durch die Wandlung der beiden getrennten Gestalten des Brotes und Weines als geschlachtetes Lamm darstellt. Das ist bereits die zweite Offenbarung seines liebreichsten Herzens in der Opferhandlung der heiligen Messe.

Dazu kommt noch ein drittes. Die hochheilige Menschheit Jesu befindet sich in der heiligen Messe in ihrem verklärten leidensunfähigen Zustand gegenwärtig, wie sie im Himmel lebt. Aber hier verbirgt er den Himmelsglanz und die Herrlichkeit seiner Menschheit unter den armen Gestalten des Brotes und Weines, unter der demütigen Hülle einer Speise. Er ist da ohne sichtbares Zeichen seines Lebens, ohne Kundgebung seiner Glorie. „Am Kreuze, sagt der heilige Thomas von Aquin, verbarg er seine Gottheit, hier verbirgt er sogar auch seine Menschheit.“ Und dies alles aus Liebe, um so in der heiligen Messe unser Opfer zu werden.

Und er versetzt sich in diesen Zustand bei jeder Messe, also täglich zu allen Stunden des Tages und der Nacht, und er bleibt in diesem Zustand von der Wandlung bis zur Kommunion, und bleibt auch im Tabernakel verschlossen bei Tag und Nacht im gleichen Zustand. Die Liebe hält ihn dort gefangen und gebunden. Ist dies nicht eine grenzenlose Herablassung, Selbstentäußerung, Verdemütigung, eine ganz unbeschreibliche Liebe des Herrn zu seinem Vater und uns? Sage ich also nicht ein drittes Mal mit vollem Recht: die Wandlung ist eine wundersame Offenbarung des Herzens Jesu? –
aus: Franz Ser. Hattler, Das hochheilige Messopfer, 1902, S. 30 – S. 41

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