In der Messe erneuert Christus seine Geburt

Der hochheilige Weihnachtstag: Die Geburt unseres Heilandes Jesus Christus; das Jesuskindlein liegt in der Krippe, von hellem Licht umstrahlt ebenso wie Maria, die ihr Kind beseelt anschaut; Joseph und Hirten stehen im Dunkeln und beten das göttliche Jesuskind an

 Christus erneuert in der heiligen Messe seine Geburt

Jesus Christus als Christkindlein steht auf einer himmlischen Wolke, umstrahlt von einem hellen Licht; unter dem weihnachtlichen Bild stehen die Worte: Gloria in excelsis Deo

1. Von diesem süßesten Geheimnis der Geburt Christi singt durch den ganzen Erdkreis die heilige katholische Kirche: „An demselben Tage werden von Berge von Süßigkeit träufeln, und die Hügel werden von Milch und Honig fließen.“ Denn wahrhaftig, an jenem heiligsten Tage, an welchem der eingeborene Sohn Gottes, mit menschlichem Fleisch bekleidet, aus dem jungfräulichen Leibe Mariä in die Welt getreten ist, hat von den Bergen Süßigkeit sich ergossen, und die Hügel sind von Milch und Honig fließend geworden. Denn derjenige, welcher süßer als Milch und Honig ist, derjenige, sage ich, welcher die reiche Quelle aller Süßigkeit ist, hat durch seinen Eintritt in die Welt Alles versüßt; er hat die wahre Freude vom Himmel gebracht; er hat den Menschen, welche eines guten Willens sind, Frieden angekündigt; er hat den Betrübten herzlichen Trost eingehaucht, und hat die Welt mit seiner gnadenreichen Ankunft geweiht.

2. O welch` große Freude hatte in jener Nacht der himmlische Vater, als er seinen liebsten Sohn, den er von Ewigkeit geboren, jetzt von Neuem aus seiner liebsten Tochter Maria geboren werden sah! O welche Wonne empfand der Sohn Gottes, als er sah, daß er mit einer so edlen Menschheit bekleidet, nun nicht allein einen Vater im Himmel, sondern auch eine Mutter auf Erden hätte! O welches Wohlgefallen hatte der heilige Geist, als er sah, daß derjenige, welchen er von Ewigkeit durch das feste Band der Liebe mit dem Vater verknüpft hatte, jetzt durch seine Mitwirkung mit der menschlichen Natur so fest verbunden sei, daß er zwei unendlich von einander verschiedene Naturen in Einer Person vereinigte! O welche Süßigkeiten empfand die allerseligste Jungfrau Maria, als sie ihr neu geborenes Kindlein mit ihren innerlichen Augen ansah, und erkannte, daß es nicht allein ihr Söhnlein, sondern zugleich der natürliche Sohn Gottes des Vaters wäre!

3. O wie glücklich waren die damaligen Menschen, welche würdig waren, das holdseligste Kindlein mit ihren Augen anzusehen, in ihre Arme aufzunehmen und mit ihrem Mund zu küssen! Wie freudig waren nicht die Hirten bewegt, da ihnen die Engel in derselben Nacht noch die Geburt des Weltheilandes verkündeten! Wie beeilten sie sich, hinzugehen nach Bethlehem, und ihre Anbetung durch ihre Gaben und Geschenke auszudrücken! Keiner blieb zurück, selbst die Kinder nicht. Wie entzückt waren nicht alle Frommen in Israel, da die Zeit ihrer Sehnsucht angebrochen und die Erscheinung des längst Verheißenen sowohl durch die Hirten, als durch die drei Weisen aus dem Morgenland, als auch durch Simeon und Anna war verkündet worden

4. Wiewohl wir diese Menschen glücklich schätzen, so sind wir dennoch viel glücklicher, weil wir dasselbe süßeste Kindlein täglich mit den Augen des Glaubens anschauen, und der Freuden seiner Geburt teilhaftig werden können. Der heilige Papst Leo I. Serm. De Nat. spricht: „Die evangelischen und prophetischen Worte helfen und entzünden uns so sehr, daß wir die Geburt Christi nicht als vergangen zu verehren scheinen, sondern als gegenwärtig anschauen. Denn was der Engel den Hirten gesagt, das hören auch wir für uns. „Seht, ich verkündige euch eine große Freude, denn heute ist euch geboren der Heiland.“ Dieser gnadenreichen Geburt können wir wirklich alle Tage beiwohnen, ja dieselbe gleichsam mit unseren Augen anschauen, wenn wir nur zu heiligen Messe gehen wollen; denn in derselben wird sie wahrhaftig erneuert, und zu unserm Heil beständig fortgesetzt.

5. Dies vernehmen wir aus den Offenbarungen der heiligen Äbtissin Hildegard, welche Lib. 2. visione 6. also schreibt: „Als unter der heiligen Messe das Brot und der Wein in das Fleisch und Blut Christi verwandelt wurden, da erschienen auch die Zeichen seiner Menschwerdung und Geburt wie in einem Spiegel, wie sie in dem Sohn Gottes, als er auf der Welt war,, vollbracht worden sind.“ Aus diesem wahrhaften und von der Kirche gutgeheißenen Zeugnis erkennen wir, daß die Geburt Christi unter der heiligen Messe erneuert, und dem Himmel so lebhaft vorgestellt werde, wie sie vor achtzehnhundert Jahren geschehen ist. Willst du wissen, von wem und auf welche Weise Christus geboren werde, so höre, was der heilige Hieronymus Epist. ad Heliod. schreibt: „Die Priester rufen Christum mit ihrem geheiligten Mund ins Leben“, als wollte er sagen: Christus wird aus dem Munde der Priester geboren, indem sie die heiligen Worte der Wandlung aussprechen. Dies bezeugt auch Papst Gregorius XV., da er die Priester ermahnt, vor der heiligen Messe zu beten:“Ich will die heilige Messe zelebrieren und den Leib und das Blut unseres Herrn Jesu Christi bewirken.“

6. Dies stellt uns die Kirche vor Augen, da sie unter der heiligen Messe den Lobgesang zu singen befohlen hat, welchen die Engel in der Christnacht sangen, indem sie sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind.“ Wenn du diesen Gesang singen oder sprechen hörst, so bilde dir ein, der Engel spräche, was er zu den Hirten gesprochen: „Ich verkündige euch große Freude; denn heute ist euch der Heiland geboren, und ihr werdet das Kindlein in Windeln eingewickelt und in der Krippe liegend finden.“ Bilde dir ein, sage ich, als wenn der Schutzengel zu dir spräche: Erfreue dich, mein Kind, denn jetzt in dieser heiligen Messe wird dein Heiland zu deinem größten Heil wieder geboren, und du wirst ihn mit deinen Augen unter der Gestalt der heiligen Hostie sehen.“ Wiewohl dein Schutzengel dir dies nicht sagt, so sagt es dir doch dein Glaube, und es geschieht dies wahrhaft und in der Tat. Soll es dir dann nicht eine besondere Freude sein, wenn du dies lebhaft glaubst, und dich gegen dein Christkindlein so verhältst, wie sich diejenigen verhalten haben, welche würdig gewesen sind, dasselbe mit ihren leiblichen Augen anzuschauen.

7. In den Legenden aus alter Zeit lesen wir öfters, daß hier und dort ein heiliger Mann das allerheiligste Sakrament in der Gestalt eines Kindleins auf dem Altar liegen oder in den Händen des Messe lesenden Priesters erhoben sah, so im Leben der Altväter Lib. De provid. Num. 13, wo erzählt wird, daß sich dasselbe während der heiligen Messe eines gewissen Priesters Namens Plegus, ereignete. Doch, was hier das leibliche Auge sah, das sieht unser geistiges Auge tagtäglich und überall, wo bei einer heiligen Messe die Wandlung gehalten wird. Darum wird im Leben des heiligen Ludwig von Frankreich erzählt: als man ihm ein solches Wunder berichtete, daß nämlich in der Nähe von von Paris bei der Messe eine ehrwürdigen Paters Christus in der Gestalt eines Kindleins sichtbar werde, habe er bei der Zumutung, auch er solle hingehen und es anschauen, geantwortet: „Da mögen Ungläubige hingehen, denn sich sehe bei keiner Messe etwas anderes, als den lebendigen Christus.“

8, Diese Beispiele habe ich darum hierher gesetzt, auf daß du erkennen und glauben mögest, daß wir in der heiligen Messe das liebe Christkindlein wahrhaftig gegenwärtig haben, nicht etwa bloß in der Einbildung oder geistlicher Weise, sondern in Wahrheit und leiblicher Weise; es ist nämlich dasselbe Christkindlein, welches von der Mutter Gottes zu Bethlehem geboren, und von den heiligen drei Königen angebetet worden ist. Sein Angesicht aber bedeckt es mit jenen zarten Windeln, worin es von seiner Mutter gewickelt, und in welchen es von den frommen Hirten ist gefunden worden. Diese zarten Windeln sind die Gestalten der konsekrierten Hostie, welche wir mit unsern Augen sehen; das liebe Kindlein aber, welches darunter verborgen ist, können wir zwar mit unsern innerlichen Augen des Verstandes, welcher durch den wahren Glauben erleuchtet ist, und fest annimmt, daß der süßeste Jesus unter diesen Gestalten verborgen sei. Der Ursachen aber, warum es sich nicht sehen läßt, sind viele, unter welchen diese die vornehmste ist, damit wir Gelegenheit haben, unsern Glauben in einer so hochwichtigen Sache zu üben, und in jeder heiligen Messe einen sehr großen Lohn zu verdienen. Auf daß wir aber seine persönliche Gegenwart desto sicherer glauben, so hat er sich von vielen frommen Christen, ja auch oftmals von Juden und Heiden sehen lassen. Davon werde ich noch mehrer Beispiele anführen. (siehe den Beitrag: Bekehrung der heidnischen Sachsen) –
aus: Martin von Cochem, Erklärung des heiligen Messopfers, 1875, S. 87 – S. 91

siehe dazu auch den Beitrag: Selige Ida von Nivella Ordensfrau

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