Das Kreuzzeichen über das heilige Opfer

Der Priester steht in der heiligen Messe vor dem Hochaltar, hält die nach der Wandlung geweihte Hostie hoch, die Ministranten und das gläubige Volk knien mit gesenktem Haupt

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

§ 2. Das heilige Messopfer

Die verschiedenen Bedeutungen der Kreuzzeichen

Das Kreuzzeichen dient

1. zur Erinnerung an den Kreuzestod Christi. Die Kirche will nämlich, daß der Priester und die Gläubigen bei der hl. Messe immer dar jenes blutigen Opfers eingedenk seien, dessen unblutige Erneuerung sie ist. Dieses Andenken nun sollen die wiederholten Kreuzzeichen in uns rege machen, sie sollen uns immerfort ins Gedächtnis rufen, daß das Opfer auf dem Altar das nämliche ist wie das am Stamm des Kreuzes vollbrachte, und daß jenes von diesem alle Kraft empfängt. In diesem Sinne werden nicht nur vor, sondern auch nach der Wandlung Kreuzzeichen über das Opfer gemacht, so z. B. bei den Worten „ein reines, ein heiliges, ein unbeflecktes Opfer“; ebenso bei den Worten „durch ihn, mit ihm und in ihm“. Es wird dadurch angedeutet, daß Christus hier mit demselben Leib, der ans Kreuz geheftet war, und demselben Blut, das am Kreuz vergossen worden, zum Opfer dargebracht wird. Beim Aussprechen der Worte „dem Vater und dem hl. Geist“ macht der Zelebrierende das Kreuzzeichen nicht über den Kelch, sondern außerhalb desselben, weil das hl. Blut, welches im Kelch enthalten ist, nur Christus, dem Sohn Gottes, nicht dem Vater und dem Hl. Geist zugehört; jene Kreuzzeichen außerhalb des Kelches bedeuten jedoch, daß durch das Geheimnis des Kreuzes, welches vom göttlichen Sohn allein vollbracht worden, sowie durch die unblutige Erneuerung desselben, auch dem Vater und dem hl. Geist alle Ehre und Verherrlichung zuteil werde. –

2. Das Kreuzzeichen dient ferner dazu, den Gegenständen, die damit bezeichnet werden, eine gewisse Weihe oder Heiligung zu verleihen und dieselben eben dadurch zu einem gottesdienstlichen Zweck oder frommen Gebrauch zu bestimmen. Daher wird auch bei allen in der Kirche üblichen Weihungen, wie z. B. Bei der Weihung des Wassers, des Salzes, das Kreuzzeichen angewendet. – Auch in diesem Sinne wird bei der hl. Messe das Zeichen des Kreuzes über die Opfergaben gemacht. Dies geschieht jedoch nur vor der Wandlung; denn es wäre ganz unpassend, auch nur zu denken, daß der Priester den heiligen der Heiligen, der nach der Wandlung zugegen ist, durch das Kreuzzeichen segne und weihe. –

3. Das Kreuzzeichen dient endlich auch dazu, den Schutz und die Gnaden des Allerhöchsten auf uns herab zu flehen. So machen wir über manche Gegenstände das Kreuz, damit uns der Genuss oder Gebrauch derselben zur leiblichen oder geistlichen Wohlfahrt gereiche. Diese Bedeutung kann das Kreuzzeichen, welches über die Opfergaben, selbst nach der Wandlung, gemacht wird, in einem gewissen Sinne haben; allerdings nicht, insofern es das Opfer Jesu Christi und als solches an und für sich jederzeit höchst heilsam ist, wohl aber, insofern es ein von uns dargebrachtes Opfer ist und je nach unserer Würdigkeit und Empfänglichkeit für uns mehr oder minder fruchtbringend sein kann.Wir dürfen gleichfalls annehmen, das kraft des dreimal wiederholten Kreuzzeichens bei den Worten: „durch welchen du, o Herr, alles dieses Gute immerdar schaffest, heiligest, belebest, segnest und uns erteilest“ der Segen auch über die Erzeugnisse der Erde, die durch die sichtbaren Gestalten des Brotes und Weines vertreten sind, verliehen werde. Es ist ohne Zweifel ein schöner und erhabener Gedanke, daß im Kanon der hl. Messe, dieser unversiegbaren Quelle aller Güter, auch für die leblose, zu unserer leiblichen Wohlfahrt erschaffene Natur der Segen des Allerhöchsten erfleht werde. Wirklich finden wir in den ältesten Messliturgien durchgehends eigene, hierauf bezügliche Gebete, und es ist erwiesene Tatsache, daß in früheren Zeiten an bestimmten Tagen unmittelbar vor den Worten: „durch welchen du, o Herr, alles dieses Gute immer schaffest usw.“ verschiedene Früchte der Erde gesegnet wurden, wie auch heute noch in der Messe des Gründonnerstages das Krankenöl gesegnet wird. Daraus geht deutlich genug hervor, daß zu jener Zeit die angeführten Segensworte mit den zur Segnung dargebotenen Früchten in engster Verbindung standen. –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Ein Hilfsbuch für die Christenlehre und katechetische Predigt, 3. Band Lehre von den Gnadenmitteln, 1912, S. 189 – S. 190

Bildquellen

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Category: Linden, Messopfer
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