Jesus Christus Hoherpriester in der Messe

Zu Fronleichnam und zur allgemeinen Anbetung: Auf dem durch drei Bögen aufgeteilte Bild sieht man in der Mitte den Altar, auf dem Monstranz mit dem allerheiligsten Altarsakrament steht sowie vier brennende Kerzen; links knien zwei Nonnen in anbetender Haltung, rechts kniet ein Mönch; über ihm sieht man Engel in dem Bogen

In dem Bild, umrahmt von weiteren Bildern - Gott Vater oben in der Mitte und den Evangelisten, sitzt Jesus Christus auf einem Thron und hält die Hostie in Seiner rechten Hand hoch

Von der Wesenheit der heiligen Messe

Jesus Christus – Hoherpriester nach der Ordnung des Melchisedech

1. Die heilige Messe wird im Lateinischen „Sacrificium“ genannt, ein Wort, das im Deutschen nach seiner ganzen Bedeutung nicht ausgedrückt werden kann. Man übersetzt es zwar mit Opfer, diese Übersetzung aber umfaßt nicht den eigentlichen Sinn, weil ein Opfer viel weniger ist, als ein Sacrificium. Denn wenn man einen Pfennig auf den Altar legt, so ist dies zwar auch ein Opfer, allein keineswegs schon ein Sacrificium, weil ein Sacrificium viel mehr und etwas viel Höheres ist, als ein Opfer…

4. … Es wird sich kein vernünftiger Mensch denken können, daß Christus seine Kirche, welche er in allen Dingen auf´s vollkommenste eingerichtet, dieses höchsten Gottesdienstes berauben, und in einer so hochwichtigen Sache mangelhaft lassen wollte; denn die Kirche wäre dann in diesem Stücke hinter dem Judentum zurück, welches doch so herrliche Sacrificien hatte, daß sogar vornehme Heiden von fernen Ländern kamen, diesen jüdischen Gottesdienst zu sehen, und einige heidnische Könige die Kosten bestritten, welche zu diesem Gottesdienst erfordert wurden, wie II. Mach. 3 zu lesen ist.

5. Was für ein Sacrificium Christus seiner Kirche gegeben oder verordnet habe, das lehrt uns die heilige katholische Kirche in der letzten allgemeinen Kirchen-Versammlung zu Trient, Sess. 22. c.I., in dem sie spricht: Weil im alten Testament nach dem Zeugnis des heiligen Paulus Hebr. c. 7., wegen Schwäche des Levitischen Priestertums nichts vollkommen war, so erschien es als notwendig, daß unter der Anordnung des Vaters der Barmherzigkeit ein neuer Priester nach der Ordnung des Melchisedech sich erhöbe, unser Herr Jesus Christus, der alle, so opfern mussten, vervollkommnen und zur Vervollkommnung führen könnte. Indem sich also derselbe Herr und unser Gott, obwohl er sich nur einmal durch sein Sterben auf dem Altar des Kreuzes zur immer währenden Erlösung darbringen, jedoch durch diesen Tod sein Priestertum keineswegs zerstören wollte, indem er sich also, sage ich, beim letzten Abendmahl, ehe er verraten wurde, zum Priester für ewig nach der Ordnung des Melchisedech erklärte, brachte er seinen Leib und sein Blut unter den Gestalten von Brot und Wein Gott dem Vater dar, und damit seiner geliebten Braut der Kirche ein sichtbares Sacrificium, denn so fordert es die menschliche Natur, zu hinterlassen, wodurch jenes blutige, am Kreuz nur einmal darzubringende Opfer dargestellt werden, das Andenken an dasselbe bis ans Ende der Welt bleiben, und seine heilsame Kraft in der Nachlassung unserer täglich begangenen Sünden zeigen sollte, – und reichte sich hierauf den Aposteln, die er in jenem Augenblick zu Priestern des neuen Bundes bestellte, unter denselben Sinnbildern zur Speise dar, und befahl ihnen, sowie allen ihren Nachfolgern im Priestertum, daß auch sie opferten, mit den Worten: „Dies tut zu meinem Andenken“, wie es die katholische Kirche von jeher verstanden und gelehrt hat.

6. Dies und noch mehreres sagt die heilige katholische Kirche und befiehlt uns zu glauben, daß Christus am letzten Abendmahl nicht allein Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandelt, sondern Gott dem Vater aufgeopfert, also das Opfer des neuen Testamentes eingesetzt und in eigener Person verrichtet habe. Dies tat er deswegen, um zu zeigen, daß er als Priester nach der Ordnung des Melchisedech gesetzt sei. Von diesem spricht die heilige Schrift Gen. 14.: „Melchisedech, der König zu Salem, brachte Brot und Wein dar; denn er war Priester des Allerhöchsten, und segnete den Abraham.“ Hier sagt zwar der Text nicht ausdrücklich, daß Melchisedech dem allerhöchsten Gott geopfert habe; gleichwohl hat es die heilige katholische Kirche von Anfang an so verstanden, und die heiligen Väter haben es so erklärt; ja bereits David hat es so ausgelegt, indem er im Psalm 109 spricht: „Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du (mein Sohn) bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchidesech.“ Daß nun Melchisedech und Christus geopfert haben, ist aus dem heiligen Paulus abzunehmen, der an die Hebräer K. 8 schreibt: „Jeder Hohepriester wird darum aufgestellt, auf daß er darbringe Gaben und Opfer.“ Noch klarer spricht er allda K. 5.: „Jeder Hohepriester, aus den Menschen genommen, wird für Menschen bestellt in ihren Angelegenheiten bei Gott, damit er darbringe Gaben und Opfer für die Sünden.“ …

7. Aus diesen Schriftstellen wird klar, daß, weil Christus und Melchisedech Hohepriester gewesen, auch beide dem allerhöchsten Gott Opfer und Gaben dargebracht haben… Weil denn Christus von Gott dem Vater nicht nach der Ordnung Aarons, welcher Tiere geopfert, sondern nach der Ordnung des Melchisedech, der Brot und Wein dargebracht, zum Priester gesalbt worden, so folgt daraus, daß auch er während seines Lebens das priesterliche Amt verrichtet, und ein Opfer von Brot und Wein dargebracht habe.

8. Nun aber ist die Frage, wann Christus sein priesterliches Amt nach der Ordnung des Hohenpriesters Melchisedech vollbracht habe? Ich antworte: In den Evangelien liest man nirgends etwas von einem Opfer in Brot und Wein, außer nur bei der Beschreibung des letzten Abendmahles. Dort heißt es: „Da sie zu Nacht aßen, nahm Jesus das Brot, dankte, segnete es, brach es, und gab es ihnen, indem er sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch dargegeben wird, das tut zu meinem Andenken. Desgleichen nahm er auch den Kelch, dankte und gab ihnen denselben, und sprach: Trinket alle daraus; denn dies ist mein Blut des neuen Testamentes, das für viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden.“

9. In diesen Worten steht zwar nicht ausdrücklich, daß Christus Brot und Wein geopfert habe, doch es ist so klar im ganzen Zusammenhang, daß es einer ausdrücklichen Erwähnung gar nicht bedurfte. Ferners sagen wir: wenn Christus damals nicht Bot und Wein geopfert hat, so hat er es niemals getan, und so wäre er auch kein Priester nach der Ordnung des Melchisedech gewesen, da doch der heilige Paulus sein Priestertum so herrlich beschreibt, indem er Hebr. 7 spricht: „Jene sind ohne Eidschwur Priester geworden, dieser aber mit Eidschwur durch den, der zu ihm sprach: Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech. Denn weil er ewig bleibt, so hat er auch ein ewiges Priestertum.“

10. Es bleibt demnach wahr, was die katholische Kirche in dem Concilium zu Trient Sess. 22 c. 1. beschlossen hat, indem es sagt: „Er hat am letzten Abendmahl seinen Leib und sein Blut unter den Gestalten des Brotes und des Weines Gott dem Vater aufgeopfert, und seinen Aposteln, wie auch ihren Nachfolgern im Priestertum befohlen, daß sie ihn unter denselben Gestalten opfern sollten, sprechend: „Dies tut zu meinem Andenken“, welche Worte die kath. Kirche stets auf diese Weise verstanden und ausgelegt hat. Und dies ist jenes reines Opfer, welches durch keine Unwürdigkeit noch Bosheit der Opfernden befleckt werden kann, und das der Herr durch Malachias (I,11) als ein reines, seinem Namen überall darzubringendes Opfer vorher verkündet hat.“

12. … Christus allein ist ja der vornehmste und oberste Priester, die gewöhnlichen Priester aber sind nur seine Diener, und leihen ihm ihre Hände und ihren Mund zur Vollbringung dieses sichtbaren Opfers. Weil nämlich Christus unsichtbar ist, das Opfer aber sichtbar sein muss, damit es die Menschen sehen und hören können, deswegen hat er die Hilfe der Priester zur Verrichtung seines Opfers vonnöten. Dieses Opfer wird auch bis zum Ende der Welt fortdauern, und alsdann erst von dem Antichrist, wie aus der Weissagung Daniels am 11. und 12. K. abzunehmen ist, abgeschafft werden.

14. Daß auch die heiligen Apostel dieses Opfer dargebracht haben, ist in ihren Legenden zu lesen. Der heilige Matthäus ist am Altar unter dem Amt der heiligen Messe erstochen worden. Vom heiligen Andreas sagt die Legende, daß er zu dem Richter Aegäas gesprochen habe: „Ich opfere dem allmächtigen wahren Gott täglich, nicht das Fleisch der Ochsen, noch das Blut der Böcke, sondern das unbefleckte Lamm Gottes auf dem Altar.“ Von den Heiligen Jakobus und Markus haben wir noch Messliturgien, d. h. die Zeremonien und Gebete beim Opfer der heiligen Messe, welche im I. Band der Biblioth. PP. zu finden sind, von denen die eine zu Jerusalem, die andere zu Alexandria in Ägypten gebraucht wurde. Vom heil. Petrus wird der Kanon der Messe, d. h. der Teil vom Sanctus bis zur Kommunion abgeleitet; nur wenige Zusätze, die zum ursprünglichen Kanon als Ergänzung gemacht wurden, rühren von späteren heiligen Päpsten her. Daher folgt denn, daß die heilige Messe vom Anfang der Kirche in Übung gewesen, und allzeit für das wahre Sacrificium des neuen Testamentes gehalten worden sei. –
aus: Martin von Cochem, Erklärung des heiligen Messopfers, 1875, S. 1 – S. 10

Bildquellen

  • Ott Jesus Eucharistie: Bildrechte beim Autor
  • Bitschnau Allerheiligstes Altarsakrament: Bildrechte beim Autor

Verwandte Beiträge

Die Glaubensquellen des Lehramtes
Requiem-Sequenz: Dies Irae Tag der Rache
Menü