Die Marienfeste mit Andacht begehen

Warum die Marienfeste mit Andacht begehen – Das Lichtmessfest

Wir begehen jetzt das erste Marienfest, welches in dem neuen Jahr einfällt; darum möchte ich dich, o frommer Leser! vor der Erklärung dieses Festes treulich gebeten haben, daß du dieses, aber auch alle andern Liebfrauenfeste mit besonderer Andacht begehen wollest. Denn in diesem Stück sind uns nicht allein die lieben Heiligen Gottes mit einem guten Beispiel voran gegangen, sondern es sagen auch die Lehrer und heiligen Väter, daß es ein gewisses Zeichen der Erwählung zur Seligkeit sei, wenn ein Mensch besondere Liebe und Andacht zu Maria trägt. Dies sagt auch die Heilige Schrift, da die Weisheit unter dem Namen Mariä also spricht. „Selig ist der Mensch, der mich hört und der an meiner Türe wacht Tag für Tag, und meiner wartet an der Schwelle meiner Türe. Wer mich findet, der findet das Leben und schöpfet das Heil von dem Herrn. Wer aber gegen mich sündigt, verletzt seine eigene Seele. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.“ (Spr. 8, 34-36) Und anderswo sagt die Weisheit: „Ich bin die Mutter der schönen Liebe und der Furcht, der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung. Bei mir ist alle Gnade des Lebens und der Wahrheit, bei mir alle Hoffnung des Lebens und der Tugend. Kommt her zu mir alle, die ihr mein begehret, und sättigt euch von meinen Früchten. Denn mein Geist ist süßer als Honig, und mein Besitz über den süßesten Honigseim.“ (Eccli. 24, 24-28). Daß diese Worte von der Mutter Gottes zu verstehen seien, bezeugt die katholische Kirche, welche dieselben allezeit ihr zugeeignet hat; auch sagen die heiligen Väter einhellig, daß gleichwie Gott ohne Maria die Menschheit nicht annehmen wollte, da er doch als ein anderer Adam ohne Weib hätte Mensch werden können, er uns auch ohne ihre Fürbitte nicht selig machen wolle.

Wie leicht aber der Mensch durch ihre Fürbitte die Gnade Gottes erlangen könne, ist in den Offenbarungen der hl. Brigitta verschiedene Male zu lesen. Unter anderem sagte der hl. Johannes der Täufer, der ihr einmal erschien, also zu ihr: „Der Mensch sei in welcher Not er wolle – wenn er Maria mit ganzem Herzen anruft, wird ihm geholfen werden.“ Ebenso hörte auch St. Brigitta in einer Verzückung Christum also zu Maria reden: „Es wird keine deiner Bitten unerhört bleiben, und durch dich werden alle, die Gnaden begehren und den Willen haben, sich zu bessern, Gnade finden. Denn gleichwie die Wärme von der Sonne ausgeht, so wird durch dich alle Barmherzigkeit ausgehen. Denn du bist ein reicher Brunnquell, aus welchem Barmherzigkeit für die Armen fließt.“ – Bald danach sprach Christus wiederum: „Ein jeder, der deinen Namen anruft und auf dich hofft, auch den Vorsatz hat, seine Sünden zu bessern, dem wird gegeben werden Reue und Leid über die Sünden, und Stärke, Gutes zu tun, und dazu das Reich der Himmel.“ Zu diesem Zeugnis Christi muss ich noch hinzu setzen, was in derselben Offenbarung zu lesen ist von einem Kriegsmann, welchen die Teufel nach seinem Tode vor Gottes Gericht schrecklich verklagten, hoffend, ihn zur Hölle zu bringen. Die Mutter Gottes aber nahm sich seiner an, weil er sie an seinem Ende angerufen hatte.

Die Worte der Offenbarung lauten also: „Die Mutter der Barmherzigkeit sprach zu den umstehenden Engeln: ‚Diese Seele hat sich am Ende ihres Lebens zu mir gewendet und gesprochen: „O Mutter der Barmherzigkeit, du Erbarmerin der Elenden! Ich bin nicht wert, daß ich deinen Sohn bitte; denn meine Sünden sind schwer und es sind ihrer sehr viele, und ich habe ihn oft zum Zorn gereizt, weil ich mehr geliebt habe meine Wollust und die Welt, als Gott, meinen Schöpfer. Darum bitte ich dich, erbarme du dich meiner, weil du keinem Barmherzigkeit versagst, der dich darum bittet. Ich wende mich zu dir und verspreche dir, daß, wenn ich länger leben sollte, ich mich bessern und zu deinem Sohn bekehren und nichts anderes als nur ih allein lieben will. Vor allen Dingen aber ist mir leid, daß ich nichts Gutes getan habe zur Ehren deines Sohnes, meines Schöpfers. Darum bitte ich, o gütigste Frau! Erbarme dich meiner, weil ich sonst keine Zuflucht habe als dich allein.“ Mit solchen Worten und Gedanken (sprach Maria) kam diese Seele am Ende zu mir; hätte ich sie also nicht erhören sollen? Denn wer ist, welcher mit ganzem Herzen und dem willen, sich zu bessern, einen anderen bittet und nicht verdient, daß man ihn erhöre? Wie viel mehr muss ich dann die erhören, die zu mir rufen, da ich ja eine Mutter der Barmherzigkeit bin?‘ Da sprach der Richter zu seiner Mutter: ‚Du hast wahrhaftig den Spruch abgewendet und mit Recht diese Seele gewonnen.’“

Aus dieser Geschichte siehst du, wie gut es sei, Maria im Leben und Sterben anzurufen, und wie viel sie durch ihre Fürbitte vermag. Deswegen lasse dir treulich gesagt sein, daß du Maria zu deiner Fürbitterin erwählst und sie fleißig, besonders an ihren heiligen Festtagen, anrufest.

aus: Des ehrw. P. Martin von Cochem großes Leben und Leiden unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi und seiner glorwürdigen Mutter Maria, 1898, S. 154 – S. 156

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