Erste Angriffe von Ketzern auf die Messe

Zu Fronleichnam und zur allgemeinen Anbetung: Auf dem durch drei Bögen aufgeteilte Bild sieht man in der Mitte den Altar, auf dem Monstranz mit dem allerheiligsten Altarsakrament steht sowie vier brennende Kerzen; links knien zwei Nonnen in anbetender Haltung, rechts kniet ein Mönch; über ihm sieht man Engel in dem Bogen

Von der Wesenheit der heiligen Messe

Die ersten Angriffe von Ketzern auf die heilige Messe

15. Auch aus der oft wütenden Bekämpfung des heiligsten Opfers, die der Widersacher zu verschiedenen Zeiten und in vielen Ketzereien gegen dasselbe erhob, läßt sich dessen hohe Bedeutung abnehmen. Daß in den ersten tausend Jahren das Sacrificium des neuen Bundes in seiner Wesenheit nicht angegriffen wurde, läßt sich daraus erklären, weil sowohl Juden als Heiden von Natur aus gewohnt waren, die Opfer als den Mittelpunkt ihrer Religion zu betrachten. Es durfte in jenen Zeiten also auch die verworfenste Ketzerei es nicht wagen, das Sacrificium in seiner Wesenheit anzutasten, es hätte sich ja Jedermann mit Entsetzen von ihr abgewendet. Der Widersacher musste zuvor vieles erschüttern, und lange darauf vorbereiten, bis er mit dieser Frechheit hervortreten durfte.

16. Das erste Werkzeug in seiner Hand war der aufgeblasene und eidbrüchige Berengar von Tours, welcher von ungefähr 1015 bis 1088 lebte. Doch kehrte dieser Unglückliche noch 8 Jahre vor seinem Tode zur wahren Lehre zurück, und starb als reuevolles Kind der katholischen Kirche. Was er aber ausgestreut, das wucherte im Stillen fort, und einige Jahrzehnte danach zeigte sich die Frucht davon in der überaus gott- und sittenlosen Sekte der Albigenser, welche alle Unzucht für erlaubt, dagegen das Amt und der heiligen Messe für verwerflich hielten, namentlich, wenn es in Gegenwart von nur wenigen Personen geschah. Wir lesen viele Gräuel, die sie namentlich den Priestern zufügten, welche dieses höchste Opfer dem ewigen Vater darbrachten. Der gottselige Cäsarius von Heisterbach, ein Zeitgenosse dieser Ereignisse (gestorben um das Jahr 1240), erzählt uns folgende Geschichte (Lib. 7. c. 24):

17. Die Albigenser verfolgten mit den schärfsten Strafen die – Privatmesse lesenden Priester. Ein frommer, für die Ehre und den Ruhm des höchsten Opfers glühender Priester aber ließ sich trotz aller Verbote und Drohungen nicht abhalten, sein Amt zu verrichten. Als dies die Ketzer erfuhren, ließ die Obrigkeit diesen frommen Mann durch Gerichtsdiener vor den Rat führen, der sprach: „Es ist uns als wahr hinterbracht worden, daß du gegen unser ernstliches Verbot eine Privatmesse gelesen, und einen großen Frevel begangen hast, deswegen haben wir dich hierher bringen lassen, und wollen von dir vernehmen, ob dem also sei.“ Der Priester sprach ohne Scheu: „Ich antworte mit den heiligen Aposteln, welche, als sie von dem jüdischen Rat befragt wurden, ob sie wider sein Verbot von Christus gepredigt hätten, sprachen: man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen. Darum habe ich ungeachtet eures ungerechten Verbotes die heilige Messe zur Ehre Gottes und seiner Mutter gelesen.“ Wegen dieser kecken Antwort wurden die Herren so sehr verbittert, daß sie den frommen Priester mit Schimpf überhäuften, ihn hin und her stießen, und ihm endlich durch den Henker vor allem Volk die Zunge aus dem Munde reißen ließen. Diese sehr bittere Pein und Schmach ertrug der fromme Priester mit großer Geduld, ging mit Blut triefendem Mund von selbem Platz hinweg zur Kirche, kniete vor dem Altar, auf welchem er die heilige Messe gelesen hatte, demütig nieder, klagte der Mutter Gottes sein großes Leid, und weil er mit der Zunge nicht reden konnte, so empfahl er sich mit dem Herzen dem Schutz dieser hohen Frau. Wie ihm geholfen wurde, gehört nicht hierher, da wir in diesem Beispiel nur zeigen wollten, mit welcher teuflischen Wut diese Ketzer jene Priester verfolgten, bei denen der Glaubenseifer für das Opfer des neuen Bundes stärker war, als die Furcht vor ihren Drohungen.

18. Daß dies eine wahre Geschichte sei, kann man aus den Worten des gottseligen Paters Cäsarius abnehmen, welche er seinem Exempelbuch voran gesetzt hat, indem er spricht: „Ich nehme Gott zum Zeugen, daß ich in diesem Büchlein nichts geschrieben habe, als was ich mit Augen gesehen, oder von solchen Männern gehört habe, welche lieber sterben, als eine Lüge begehen wollten.“ Dergleichen Wunder und Geschichten, welche Gott zur Bestätigung der heiligen Messe gewirkt hat, wirst du bei fünfzig in diesem Buch lesen, durch welche du nicht allein im Glauben gestärkt, sondern auch zur Andacht gegen das hochheiligste Messopfer wirst bewegt werden.

19. Die Ketzerei der Albigenser, welche neben dem Kampf gegen das Sacrificium des neuen Bundes auch alle bürgerliche Sitte und Ordnung zu verderben drohte, und selbst mit den Waffen in der Hand ihre Gottlosigkeit verbreiten wollte, kam auch durch die Waffen um (nach den Worten Christi: wer nach dem Schwert greift, kommt durchs Schwert um). Ein Krieg, der von 1209 bis 1227 andauerte, zerstreute sie, und sie verschwanden bald danach völlig von dem Angesicht der Erde.

20. Allein wenn der Widersacher unseres Erlösers Jesu Christi einmal etwas zu bekämpfen angefangen, so legt er die Waffen nicht sobald wiederum nieder, und wenn eine Ketzerei zu Schanden geworden, so wird sich alsbald eine andere erheben. Haben die früheren Ketzer-Häuptlinge aus den oben angegebenen Gründen das Sacrificium der Kirche nicht angegriffen, so ist von jetzt angefangen fast keine Sekte mehr aufgetaucht, welche unter andern Irrtümern nicht auch das hochwürdigste Messopfer angefeindet und verworfen hätte. – aus: Martin von Cochem, Erklärung des heiligen Messopfers, 1875, S. 10-13

Bildquellen

  • Bitschnau Allerheiligstes Altarsakrament: Bildrechte beim Autor

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