Die Weise die heilige Messe zu hören

Der Priester steht in der heiligen Messe vor dem Hochaltar, hält die nach der Wandlung geweihte Hostie hoch, die Ministranten und das gläubige Volk knien mit gesenktem Haupt

Von der heiligen Messe

Über die Weise, die heilige Messe anzuhören

Was die heilige Messe ist

Wer die heilige Messe anhört, soll sicher glauben, es komme ihm in seinem ganzen Leben kein Geschäft vor, das er mit größerer Ehrerbietigkeit, Aufmerksamkeit und Andacht verrichten müsste, als eben dieses. Denn die heilige Messe ist nichts anderes als eine Vorstellung des Kreuzopfers, bei welcher eben jenes Opfer, welches am am Kalvarienberg geschlachtet wurde, dargebracht wird, weil sich Jesus Christus Selbst Seinem himmlischen Vater als ein Brandopfer zur Auslöschung unserer Sünden aufopfert: Er läßt uns da den Wert Seines Blutes zukommen, welches Er am Kreuz vergossen hat; wir müssen also der heiligen Messe mit eben den Gesinnungen beiwohnen, mit denen wir am Kalvarienberg bei dem Tode des göttlichen Erlösers würden zugegen gewesen sein; oder wir müssen uns vielmehr bestreben eben solche Gesinnungen anzunehmen, welche Maria die seligste Jungfrau und der geliebte Jünger damals gehabt haben.

Ehrfurcht und lebendiger Glaube

Die äußerliche Eingezogenheit, die innerliche Versammlung, ein genaues Stillschweigen, eine demütige Stellung, und eine tiefe Ehrfurcht sind notwendige Vorbereitungen; doch würden sie unnütz sein, wenn sie nicht von lebendigem Glauben herkämen. Man muss Glauben haben, und über diesen Glauben oft Erwägungen anstellen. In der Kirche sind wir an einem Ort, welcher durch die Gegenwart Jesu Christi geheiligt und von der Herrlichkeit Gottes erfüllt ist, vor dem wir erscheinen, Ihm unsere Huldigung darzubringen, und um die notwendigen Gnaden zu bitten. Bei der heiligen Messe ist Jesus Christus Selbst das Opfer, und dieses Opfer wird für uns aufgeopfert. Ist es möglich, kein Vertrauen und keine Ehrerbietigkeit zu haben, wenn man von dieser Wahrheit recht überzeugt ist?

Vermeidung von Zerstreuungen

Wir müssen auf alle Handlungen des Priesters merken, und alle Zerstreuungen sorgfältig vermeiden; denn aus allen Weisen, die heilige Messe anzuhören, ist diese die heiligste, und kommt mit dem Geist der Kirche am besten überein. Die mündlichen Gebete sind sehr nützlich, wenn man sie mit Andacht spricht. Man soll sich aber nicht die ganze Zeit der heiligen Messe damit beschäftigen; wir müssen mit unseren Reden nicht zu ungestüm sein, sondern auch bisweilen still schweigen und anhören, was der Herr im Herzen zu uns spricht. Wir müssen es machen wie die Bettler; diese strecken die Hand aus und klagen ihr Elend, dann schweigen sie still und warten, bis man ihnen ein Almosen gibt. Dieses Stillschweigen unter dem heiligen Messopfer ist keineswegs eine Art Müßiggang, sondern vielmehr ein Zeichen einer lebhaften Aufmerksamkeit auf die Gegenwart Gottes, und eines demütigen Vertrauens auf Seine Barmherzigkeit. Wenn wir einige Male ernstlich erwägen, was auf dem Altar vorgeht, und bisweilen den Glauben über dieses Geheimnis erwecken, werden die heilsamsten Anmutungen in uns entstehen.

Die Andacht zum heiligsten Herzen Jesu

Man kann behaupten, aus allen Weisen, die heilige Messe anzuhören, sei jene eine der nützlichsten, zu welcher uns die Andacht zum göttlichen Herzen Jesu anleitet; sie besteht hauptsächlich aus innerlichen Übungen. Sobald der Priester gewandelt hat, betet man mit lebendigem Glauben Jesum Christum an; man bestrebt sich dem göttlichen Erlöser zu huldigen, und Ihm abzubitten wegen der Verachtungen und Beschimpfungen, denen Er Sich in diesem heiligsten Geheimnis aus Liebe ausgesetzt hat. Nach diesem betet man das göttliche Herz an, sagt dem göttlichen Erlöser Dank wegen der Liebe, wovon Sein Herz gegen uns entzündet ist, und wegen der unendlichen Güte, welche selbes so wunderbar gegen uns an den Tag legt; versenkt sich endlich in dieses göttliche Herz und bewundert die unermesslichen Schätze der Tugenden und Gnaden, welche darin enthalten sind.

Hier bewundert man die tiefste Demut, welche man nie genug begreifen kann; die unüberwindliche Geduld, welche Alles überträgt; die unbeschreibliche Güte gegen Alle, und den unendlichen schmerz wegen unserer Sünden, mit denen es sich selbst hat beladen wollen; man bewundert hier die unendliche Liebe des göttlichen Herzens für die Ehre des himmlischen Vaters, die unermessliche Liebe für alle Menschen, die Sorge, den Eifer und das Verlangen nach ihrem Heile und für mich insonderheit; man führt zu Gemüte, wie schmerzlich Jesu Christo auf dem Altar so viele Verachtungen und Beschimpfungen fallen müssen, und aus wahrer Liebe und Dankbarkeit sagt man dann Alles, was der Schmerz und die Liebe einem großmütigen und dankbaren Herzen eingeben können. Hernach bereitet man sich durch innerliche Anmutungen zur geistlichen Kommunion vor, welche hauptsächlich in einem inbrünstigen Verlangen wirklich zu kommunizieren besteht, um durch diese Ehrerbietigkeit und Liebe, mit welcher man Jesum Christum zu empfangen verlangt, den Kaltsinn, die Unempfindlichkeit und schlechte Zubereitung zu ersetzen, womit man Ihn vorhin so oft empfangen hat. (siehe auch den Beitrag: Heilige Messe zu Ehren des heiligen Herzens Jesu)

Wie Christen mit Verdruss die heilige Messe anhören

Es ist nicht zu begreifen, wie so viele Christen nur mit Verdruss und Ekel die heilige Messe anhören und nicht wissen, wie sie sich dabei beschäftigen sollen. Es kommt mir nicht anders vor, als wenn ein Kranker verdrießlich werden wollte, weil Andere sich bestreben, seine Gesundheit wieder herzustellen; oder als wenn ein mit Schulden beladener Mensch nicht wüßte, was er vor einem mächtigen Fürsten tun sollte, der ihm alle seine Schätze anbietet. Weißt du denn nicht, was du bei der heiligen Messe zu tun hast? Wie? fragt der Pater Colombiere in den Erwägungen über das heilige Messopfer, wie? Hast du denn keine Gnaden von dem gütigen Gott empfangen? Ach! Wir sind ja von allen Seiten mit Gnaden umgeben, beladen und gleichsam überhäuft; und doch haben wir Ihm den gebührenden Dank noch nicht erstattet; bedenke also wenigstens bei der heiligen Messe, wie viele Gnaden dir Gott erteilt, wie viele Gefahren Er von dir abgewendet, wie viele Sünden Er vor dir langmütig übertragen, wie liebreich und beständig Er dich mit Seiner Fürsicht geleitet, wie liebevoll Er sich immerfort bestrebt hat, dich an Sich zu ziehen, dein Herz zu gewinnen und aus dir einen Heiligen zu machen etc. etc. Wenn du die Gnaden insonderheit durchgehst, welche du an einem einzigen Tag empfängst, kannst du dich die ganze heilige Messe damit beschäftigen. Verdienen so viele Gnaden nicht, daß man daran denkt? – Nachdem du alle diese Guttaten dir zu Gemüte geführt hast, sage mit kindlichem Vertrauen zum himmlischen Vater:

Gebet zum himmlischen Vater

Mein Gott und Herr! So viele Guttaten habe ich von Dir empfangen; aber hier bringe ich Dir ein Dankopfer, ich bringe Dir den Leib und das kostbare Blut Deines Sohnes, dieses anbetungswürdige Opfer bringe ich Dir dar, für alle diese Guttaten; ich kann nicht zweifeln, durch ein so kostbares Geschenk seien alle reichlich bezahlt. Was kann ich aber Dir, o anbetungswürdiger Heiland! erstatten, da Du mir ein so vortreffliches Opfer gegeben hast, mit welchem ich Deinem himmlischen Vater Seine Guttaten überflüssig (= überreichlich) vergelten und alle meine Sünden auslöschen kann? Ich habe Nichts, was ich Dir geben könnte, als mein Herz; wirst Du Dich aber auch würdigen, mein von so vielen bösen Neigungen beunruhigtes, und von so vielen Sünden verunreinigtes Herz anzunehmen? aber sieh, es ist wenigstens von Schmerz und Reue durchdrungen, und so bringe ich es Dir dar. Du, o liebenswürdigster Heiland! öffnest und schenkst mir Dein Herz, darf ich`s wagen Dir das meinige abzuschlagen? O Gott der höchsten Herrlichkeit! Wer bin ich, daß Du Dich würdigst, das Opfer meines Herzens so gnädig anzunehmen? Mein Herz soll künftig ganz Dein sein, die Geschöpfe werden keinen Teil mehr daran haben.
O liebenswürdigster Jesus! Sei also Du mein Vater, mein Freund, mein Lehrmeister und mein Alles; weil Du mit meinem Herzen zufrieden sein willst, sollte nicht auch mein Herz mit dem Deinigen zufrieden sein? Künftig will ich nur für Dich leben. O liebevollster Erlöser der Menschen! Nimm also das Opfer an, welches ich undankbarster Mensch Dir jetzt darbringe, nimm an mein herz zum Ersatz für so viele Unbilden, welche ich Dir bis auf diese Stunde durch meine Sünden zugefügt habe.

Weißt du nicht, was du bei der heiligen Messe tun sollst?

Wie? Du weißt nicht, was du bei der heiligen Messe tun sollst? Hast du Gott niemals beleidigt? Ja beleidigst du Ihn nicht noch täglich und stündlich? Durchgehe während der heiligen Messe alle Fehler und Sünden, welche du seit der gestrigen Messe begangen hast etc. Bitte um Verzeihung. Hast du um Nichts anzuhalten? Mangelt Dir Nichts? Du klagst so oft über dein Verwandte, Freunde und Kinder; bitte also Gott, Er wolle machen, daß dein Freund vernünftiger werde, deine Tochter eingezogener lebe, und dein Gemahl den Zorn mäßige; bitte Gott, daß Er das Herz deines Sohnes ändere, und dir selbst mehr Sanftmut, Geduld, Starkmut und Eifer für dein Heil, vor Allem aber Seine vollkommene Liebe gebe.Um nun alle diese Gnaden zu erhalten, opfere dem himmlischen Vater Jesum Christum Seinen Sohn zum Bittopfer auf; Er kann Dich dann nicht abweisen; denn was du Ihm aufopferst, ist unendlich mehr wert, als was du begehren kannst.

Es ist unbegreiflich, daß der Herr Sein Haus nicht anfüllen kann, wenn Er nicht Gewalt braucht, und daß Er uns gleichsam zwingen muss hinein zu gehen; es ist aber auch nicht weniger unbegreiflich, daß wir so oft in das Haus des Herrn gehen, und täglich der heiligen Messe, diesem höchsten Opfer, beiwohnen, und doch keinen Nutzen daraus schöpfen, ja, nicht einmal wissen, welch` große und unaussprechliche Früchte wir daraus ziehen könnten. Diese Unwissenheit und Nachlässigkeit ist im Christentum am meisten zu beklagen. Was ist es nicht für ein Unheil für uns, daß wir mitten unter uns einen unermeßlichen und unerschöpflichen Schatz haben, und dennoch in der äußersten Armut leben, weil wir ihn nicht kennen? Sind wir aber nicht unglücklicher, wenn wir diesen Schatz kennen, und doch keine Frucht daraus ziehen? –
aus: Johannes Croiset SJ, Die Andacht zum göttlichen Herzen unseres Herrn Jesu Christi, 1836, S. 183 – S. 189

Category: Messopfer
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