Die Notwendigkeit des Glaubens

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

§ 4. Notwendigkeit des Glaubens

Ist der Glaube notwendig zur Seligkeit? 

Der Glaube ist zur Seligkeit durchaus notwendig, denn „ohne Glauben“, sagt der Apostel, „ist es unmöglich, Gott zu gefallen“. (Hebr. 11, 6) „Wer nicht glaubt“, spricht Christus, „der wird verdammt werden.“ (Mark. 16, 16)

So notwendig das Augenlicht zum Sehen, ebenso notwendig ist der Glaube zur Seligkeit. Ohne Glauben ist kein Mensch je selig geworden, kann auch kein Mensch jemals die Seligkeit erlangen; denn der Glaube ist nach der Lehre des Konzils von Trient „der Anfang des menschlichen Heiles, der Grund und die Wurzel aller Rechtfertigung“. Wer also nicht glaubt, der kann nie zur Gerechtigkeit gelangen, die allein die Pforte des Himmelreiches öffnet. Und zwar handelt es sich hier nicht um einen sog. Vernunftglauben, um eine Kenntnis der göttlichen Wahrheiten, die aus der Betrachtung der Natur geschöpft ist, sondern um einen Glauben, der auf übernatürlicher Offenbarung beruht. Denn von einem solchen redet das Konzil, von einem solchen der Apostel, von einem solchen Christus der Herr.

Wer diesen Glauben zurückweist, der macht sich eines schweren Vergehens gegen Gott schuldig, wie dürfte er Anspruch auf den Himmel machen? Bedenke nur: als der Mensch in der Finsternis umherirrte, weder das Ziel kannte, wohin er gelangen sollte, noch den Weg zu demselben, da erbarmte sich Gott und offenbarte ihm seine Verheißungen. Nicht bloß seine dienenden Geister, die Engel, sondern seinen eigenen Sohn sandte er in die Welt und verherrlichte ihn durch viele Zeichen und Wunder, damit alle Menschen seinem Worte glauben möchten. Wenn nun der Mensch, statt zu glauben, das Wort Gottes verwirft und sich nicht darum kümmert, fügt er dann der göttlichen Majestät nicht eine schwere Beleidigung zu? Sich weigern, die göttliche Offenbarung zu glauben, heißt das nicht so viel als leugnen, daß Gottes Wort Glauben verdiene, oder leugnen, daß Gott unser höchster Herr sei und ihm das Recht zustehe, die Unterwerfung unseres Verstandes zu fordern? Und eine solche Verachtung seines Wortes, eine solche Empörung gegen seine höchste Majestät sollte Gott nicht strafen? Nein, nicht ungestraft wird Gott die Sünde des Unglaubens lassen. Hätte auch irgendein Mensch sich keines anderen Vergehens schuldig gemacht, als daß er sich weigerte zu glauben, so würde ihn Gott schon deshalb auf ewig von sich verstoßen. Denn „wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet“ (Joh. 3, 18), dessen Urteil hat Christus schon gesprochen, „er wird verdammt werden“.

Ja, schwerer als viele andere Sünden wird der Unglaube im Jenseits gestraft werden. Woher wissen wir das? Aus den klaren Worten Jesu Christi. Als er nämlich die Apostel aussandte, seine Lehre zu predigen, sprach er zu ihnen: „Wer immer euch nicht aufnimmt und eure Rede nicht anhört, aus dessen Hause oder Stadt gehet hinaus und schüttelt den Staub von euren Füßen. Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Lande Sodoma und Gomorrha erträglicher ergehen am Tage des Gerichtes als jener Stadt.“ (Matth. 10, 14 u.15) Die Sünden der Bewohner von Sodoma und Gomorrha waren himmelschreiend; dennoch wird ihre Strafe in der Ewigkeit geringer sein als die Strafe derjenigen, welche sich weigerten, die Lehre Christi anzuhören und zu glauben. Welches Strafgericht wird demnach über Christen kommen, die in der Taufe eine besondere Gnade des Glaubens empfangen und das Versprechen zu glauben abgelegt, die Christi Lehre kennen gelernt und eine Zeitlang geglaubt haben, dann aber vom Glauben abgefallen sind? Und derlei Menschen wollen sich mitunter noch rühmen, daß sie rechtschaffene Leute seien! Es mag sein, daß sie keine Räuber oder Mörder sind und deshalb rechtschaffen erscheinen in den Augen der Menschen, aber wahrlich nicht rechtschaffen sind vor Gott; das werden sie erfahren am Tage des Gerichtes. Gebe Gott, daß sie es vorher einsehen! – Wir aber wollen der Mahnung des Apostels folgen, der uns zuruft: „Habet acht, daß ihr nicht den Herrn, der zu euch redet, abweiset. Denn wenn jene nicht entkommen sind, welche den Moses abwiesen, der auf Erden sprach, wieviel weniger wir, wenn wir uns von dem Sohne Gottes abwenden, der vom Himmel zu uns redet!“ (Hebr. 12, 25)

Es könnte jemand den Einwurf machen und fragen: Wenn der Glaube an die göttliche Offenbarung so unumgänglich notwendig ist, wie wird es dann den Heiden ergehen, welche dieselbe nie vernommen haben? Wie ist es ihnen noch möglich, selig zu werden? – Hierauf diene zur Antwort: Es ist sicher, und die unendliche Liebe , welche Gott bewog, für alle Menschen den Kreuzestod zu leiden, ist uns Bürge dafür, daß er alle selig machen und deshalb zur Erkenntnis der Wahrheit führen will. (1. Tim. 2, 4) Welche Mittel und Wege die göttliche Vorsehung sich zu diesem Zwecke vorbehalten hat, darüber ist uns der Herr keine Rechenschaft schuldig. Soviel aber können wir dennoch sagen: Auch zu den Heiden redet Gott durch die Stimme seiner inneren Gnade, damit sie das, was sie mittels der Vernunft als böse erkennen, mit dem Beistande der Gnade nach Kräften meiden; denn Christus, die Sonne der Gnaden, „erleuchtet jeden Menschen, der in diese Welt kommt“. (Joh. 1, 9) Verschließt der Mensch boshafterweise Auge und Herz diesem Gnadenlichte, so ist es seine Schuld, wenn ihm das Licht des Glaubens nicht leuchtet. Auch würde letzteres ihm bei so verkehrter Herzensstimmung nicht nützen, sondern ihn nur noch strafwürdiger machen. Folgt er aber den Einsprechungen der Gnade, sucht er nach bestem Wissen und Gewissen das Böse zu meiden und das Gute zu tun, dann wird Gottes liebevolle Vorsehung ihm entweder einen Boten des Heiles zusenden, der ihm in den notwendigen Glaubenswahrheiten unterrichtet oder ihm dieselben auf eine andere zuverlässige Weise offenbaren. Es leuchtet von selbst ein, und auch die Hl. Schrift bezeugt es uns, daß Gott auf mancherlei Weise zum Menschen zu reden und ihm seinen Willen kundzutun vermag…. Hingegen fehlt es auch nicht an Beispielen, die zeigen, wie Gott die Völker, die auf seinen Ruf nicht merken, den Lüsten ihres Herzens überläßt, „daß sie wandeln nach ihren Wegen“. (Ps. 80, 13) –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Ein Hilfsbuch für die Christenlehre und katechetische Predigt, 1. Band Lehre vom Glauben, 1911, S. 68 – S. 70

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