Die schwere Sünde des Aberglaubens

Das Bild zeigt die Sünde und ihre Folgen: Gottvater, ein Engel mit dem Flammenschwert zu Eva gewandt, ein anderer Engel mit einem Zweig zu Maria gewandt

Von der schweren Sünde des Aberglaubens

Ist es schwere Sünde, Aberglauben zu treiben?

Es ist an sich meistens eine sehr schwere Sünde, weil man dabei, wenn nicht ausdrücklich, so doch stillschweigend Hilfe vom bösen Geist erwartet oder wenigstens das Vertrauen, welches man auf Gott allein setzen soll, nichtigen Dingen oder Betrügereien zuwendet.

Zwar kann man nicht in allen Fällen diejenigen, welche auf irgend eine Art Aberglauben treiben, einer schweren Sünde beschuldigen. Vielfach vermindert Unwissenheit, Einfalt, Unbedachtsamkeit oder die Absicht, bloß Scherz zu treiben, die Größe der Schuld. Und und für sich betrachtet ist jedoch der Aberglaube meistens eine schwere Sünde. Denn abgesehen von solchen Fällen, wo jemand törichter Weise glaubt, Gott der Herr werde seine Hilfe an abergläubische Dinge knüpfen, erwartet man, wie schon bemerkt, Hilfe durch Dazwischenkunft eines andern übermenschlichen Wesens. Was für eine Wesen sollte das sein? Die Engel und Heiligen greifen in diese sichtbare Welt nicht ein ohne den bestimmten Willen Gottes und würden sich auch ohnehin nicht dazu verstehen, mit unverständigen, lächerlichen Dingen und Gebräuchen ihre Hilfe zu verbinden. Es kann also schließlich nur der Geist der Finsternis sein, von dem man die Hilfe erwartet. Oft genug geschieht dies voll bewußt und ausdrücklich, meistens freilich nur halb bewußt und stillschweigend. Wer sieht aber nicht ein, daß es eine schwere Entehrung Gottes sei, wenn der Mensch, statt sich zu ihm, dem Allmächtigen und Allgütigen, zu wenden, sein Vertrauen dessen Widersacher, dem Höllengeist, schenkt, als könnte oder wollte dieser ihm eher helfen als Gott? Und gesetzt auch, der Gedanke an eine Dazwischenkunft des Teufels liege ganz fern, so ist es doch immerhin sündhaft, das Vertrauen, welches man auf Gott allein setzen sollte, nichtigen Dingen oder Betrügereien zuzuwenden.

Die Sündhaftigkeit des Aberglaubens wird noch zuweilen dadurch gesteigert, daß dabei andere schwere Sünden mit unterlaufen. So geschieht es z.B., daß man sein zeitliches oder ewiges Wohl dem Los überläßt, das uns Gottes Urteil offenbaren soll. Solches ist nicht bloß Aberglaube, sondern zugleich eine Versuchung Gottes. Bei der Sterndeuterei und bei manchen eitlen Beobachtungen mischt sich der Glaube an ein unabänderliches Geschick oder irgend eine andere ungeziemende Meinung von Gott bei. So z. B. Ist es ganz ungeziemend zu denken, Gott habe in seinen ewigen Ratschlüssen festgesetzt, daß von dreizehn Gästen jedesmal einer innerhalb Jahresfrist sterben müsse. (*) Überdies führt der Glaube an Wahrsagerei öfters zum Unglauben, zu frevelhaften Urteilen über den Nächsten und unversöhnlichen Feindschaften, desgleichen der Gebrauch abergläubischer Mittel zur Unsittlichkeit und, was das schlimmste ist, zur endlichen Unbußfertigkeit, indem man im Vertrauen auf die besagten Mittel die Buße so lange verschiebt, bis man unversehens vom Tode hinweg gerafft wird.

Je schwieriger es ist, bei den sogenannten sympathischen Mitteln die Grenzen zu bestimmen, bis wohin die Kraft der Natur reicht, desto mehr Vorsicht ist im Gebrauch derselben anzuwenden, damit nicht der Geist der Finsternis oder gewissenlose Menschen sich derselben zum Verderben der Seele bedienen. (**) Ein heilsbeflissener Christ wird lieber sein ganzes Leben hindurch, wenn es Gott so haben will, krank bleiben als irgend ein verbotenes oder auch nur verdächtiges Mittel zur Erlangung seiner Gesundheit anwenden. (***)

(*) Für die törichte Meinung, daß die Zahl 13 eine Unglückszahl sei, beruft man sich wohl auf den Apostel Judas Iskarioth. Mit dem Apostel Paulus sagt man, sei es 13 Apostel gewesen, und so habe es mit einem aus dieser Unglückszahl zum Abfall kommen müssen. Man beachtet aber nicht, daß es bis zum Fall des Judas nur zwölf Apostel gab, später dagegen, als Matthias an die Stelle des Judas getreten und der hl. Paulus den Zwölfen beigesellt worden war, dreizehn. Und doch ist nachher kein Apostel mehr abgefallen.

(**) … nach der übereinstimmenden Lehre derer, die über die mystische Theologie geschrieben haben, läßt Gottes Vorsehung am ehesten in solchen Fällen, wo man unbegründeter Weise übernatürliche Erscheinungen verlangt und erwartet, Täuschungen durch diabolisches Eingreifen zu.

(***) Dem hl. Bernhard überfiel in seiner Kindheit einst ein heftiger Kopfschmerz. Da kam ein Weib zu ihm, welches einen abergläubischen Segen über ihn sprechen wollte. Sobald das fromme Kind dies merkte, sprang es eilends aus dem Bett, jagte das Weib von sich und rief, er sei bereit, eher zu sterben, als durch eine Sünde von seinen Schmerzen befreit zu werden. In demselben Augenblick waren die heftigen Schmerzen verschwunden.

Vor nicht langen Jahren erzählte dem Bearbeiter des vorliegenden Werkes ein Ordensgenosse folgenden Vorfall.der sich in seiner eigenen Familie in der Nähe von Aachen zugetragen hatte. Ein Kind der Familie lag an einem hartnäckigen Fieber darnieder. Da die angewandten Mittel erfolglos blieben, so kam die Mutter auf den Gedanken, einen Mann aus der Nachbarschaft herbei zu rufen, von dem man sagte, daß er das Fieber durch „Besprechen“ heilen könne. Der Vater, aber, ein ebenso verständiger als gewissenhafter Mann, wollte von einem solchen Mittel nichts wissen. Dasselbe erschien ihm als verdächtig und nicht frei von Aberglauben. Die Mutter hingegen hegte solche Bedenken nicht und benutzte deshalb eine Gelegenheit, wo der Vater verreist war, um den besagten Mann dennoch kommen zu lassen. Derselbe kam und schrieb über die Türe des Krankenzimmers einen Spruch, dann nahm er noch einige andere absonderliche Zeremonien vor und ging. Auffallender Weise ließ das Fieber alsbald nach, und der heimkehrende Vater fand sein Kind gesund. Er ahnte aber, was vor sich gegangen war, und da er den Spruch über der Türe sah, den man vergessen hatte auszulöschen, schrieb er dazu: „Wenn diese Heilung von Gott kommt, so sei ihm Dank dafür; kommt sie aber von einem bösen Geist, so möge das Fieber zurück kehren!“ Und siehe da, alsbald hatte der Knabe sein Fieber wieder.

aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Ein Hilfsbuch für die Christenlehre und katechetische Predigt, 2. Band Lehre von den Geboten, 1912, S. 85-87; 458-459; Hervorhebung hinzugefügt.

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