Die Todsünde ein schändlicher Undank gegen Gott

Das Bild zeigt die Sünde und ihre Folgen: Gottvater, ein Engel mit dem Flammenschwert zu Eva gewandt, ein anderer Engel mit einem Zweig zu Maria gewandt

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

Worin besteht die Bosheit der Todsünde ?

Teil 2

Die Todsünde – ein schändlicher Undank gegen Gott

2. Die Todsünde ist ferner ein schändlicher Undank gegen Gott, unsern gütigsten Herrn.

Wäre Gott ein harter, grausamer Herr, der mit unerbittlicher Strenge seine Untertanen, wie einst Pharao die Israeliten, Tag für Tag zu den beschwerlichsten Fronarbeiten antriebe, so ließe sich die Auflehnung gegen ihn einigermaßen erklären. Allein er ist für uns der beste und gütigste Vater. Was kann der Sünder da noch vorbringen zur Beschönigung seines Vorgehens? Und wirklich, o Mensch, wer du immer sein magst, „ist nicht Gott dein Vater?“ (5. Mos. 32,6) Verdankest du ihm nicht Dasein und Leben, alles, was du bist und hast? Hat er dich nicht mit zahllosen Beweisen seiner Güte und Liebe überhäuft? Oder von wem hast du deinen Leib, deine gesunden Sinne und Glieder? Von wem deine Seele mit jenen ausgezeichneten Fähigkeiten, die dich zum Ebenbild des Allerhöchsten, gewissermaßen zum König und Herrn der sichtbaren Welt machen? Wer hat dich bis auf den heutigen Tag im Dasein erhalten und dir so manche Freude bereitet? Dein himmlischer Vater und er allein. Doch das sind nur natürliche Wohltaten, die gar nicht in Vergleich kommen können mit jenen übernatürlichen Gaben, die dich zum Kind Gottes in einem ganz neuen Sinne machen und dich befähigen, einst an seiner eigenen, göttlichen Glückseligkeit teil zu nehmen. –

Dieselben hatte er bereits in der Person unsers Stammvaters dem ganzen Menschengeschlecht gegeben; und nachdem dieser sie durch seinen Ungehorsam für sich und seine Nachkommen verloren hatte, sandte Gott seinen eingeborenen, ewigen Sohn in die Welt, sandte ihn ungeachtet der zahllosen persönlichen Sünden, womit die Menschen ihn beleidigten; sandte ihn, damit er durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuze alle unsere Sünden tilge und uns die verlorenen Güter wieder erwerbe. Ist das nicht unerhörte Vaterliebe? Im Hinblick auf die unendlichen Verdienste dieses seines viel geliebten Sohnes überhäuft er dich, mein Christ, dich, sein vordem mit Recht verstoßenes, nun aber neuerdings huldvoll angenommenes Kind mit zahllosen Gnaden der Erleuchtung, Heiligung und Kräftigung. Im Hinblick auf Jesus, deinen Heiland, stellt er dir das reiche Erbe des Himmelreiches in Aussicht, bahnt dir den Weg zum himmlischen Jerusalem, öffnet dir dessen ewige Pforten und bereitet dir inmitten desselben eine Stätte ewiger Wonne in seiner beseligenden Anschauung. O Christ, beherzige das wohl! Ist dir Gott nicht in der Tat ein unendlich gütiger und liebevoller Vater? – Und was tust du, wenn du eine Todsünde begehst? Du lehnst dich gegen diesen deinen besten und liebreichsten Vater auf; ja du mißbrauchst gerade die Gaben, die du von ihm empfangen hast, um ihn damit zu beleidigen.

Absalom war der Liebling seines Vaters David. Er empfing, selbst nachdem er ein erstes Mal schwer gegen seinen Vater gesündigt hatte, Wohltaten über Wohltaten aus dessen Händen. Durch die Versöhnlichkeit und Güte eines solchen Vaters nicht gebessert, sondern nur kühner gemacht, benutzte der ungeratene Sohn die väterlichen Gunstbezeugungen nur dazu, das Volk aufzuwiegeln, eine Verschwörung gegen seinen Vater anzuzetteln und nach dessen Krone und Leben zu streben. War das nicht ein abscheulicher Undank? Doch unvergleichlich verabscheuungswürdiger ist der Undank, dessen du dich schuldig machst, wenn du es wagst, Gott, deinen Vater im Himmel, durch eine schwere Sünde zu beleidigen. Auch du bedienst dich der vom Allerhöchsten empfangenen Wohltaten, deines Gedächtnisses, deines Verstandes, deines Willens, aller Sinne und Kräfte deines Leibes, der Schönheit und Vortrefflichkeit der leblosen und belebten Geschöpfe, um dessen Vaterherz zu kränken und ihm somit Schmach anzutun, womit du ihn verherrlichen solltest; auch du gehst so weit, böse zu sein und in deiner Bosheit zu verharren, weil dein himmlischer Vater gut und langmütig ist; weil er verzeiht und abermals verzeiht, da er doch Ursache genug hätte, dich nach der ersten Auflehnung auf ewig von seinem Angesicht zu verstoßen. Wohl mit Recht klagt also Gott durch den Mund des Propheten (Isaias 1,,2): „Höret, ihr Himmel und Erde, merke auf, denn der Herr redet: Söhne habe ich erzogen und erhöht, sie aber haben mich verachtet.“

Quelle: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 2, 1912, S. 334-336

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