Schutzengel als beigegebene Erzieher

In der Mitte ist der heilige Schutzengel, der das Kind bei der Hand hält; rechts davon steht ein Engel mit einem Buch, auf der linken Seite steht eine Frau, die als Versucherin erscheint, aber vom heiligen Schutzengel mit der rechten Hand abgewehrt wird

Die hl. Schutzengel, die uns beigegebenen Erzieher

„Wir anerkennen“, sagt der hl. Gregor der Wundertäter († 270) (Oratio in Origenem panegyrica n. 4, et 5.) „außer Gott, dem allgemeinen Lenker aller, auch einen besondern, jedem eigens beigegebenen Erzieher, den hl. Schutzengel. Dieser war und ist auch jetzt mein Lehrer und Führer auf der Bahn des Heiles. Er war es, der mich mit diesem Manne (mit Origenes) in nähere Beziehung brachte und im freundschaftlichen Verkehr mit ihm bewahrte… Dieser sorgsame Erzieher, dieser beständige Geleitsmann, Lenker und Beschützer auf dem weiten Lebenswege, führte mich im Umgehung meiner liebsten Wünsche hierher (nach Caesarea) und ließ nichts unversucht, um mich an denjenigen gleichsam zu fesseln, dem ich soviel Gutes zu verdanken habe.“ Zum Verständnis dieser Stelle ist zu bemerken, daß Gregor zu Caesarea von Origenes zum Christentum bekehrt und in demselben unterwiesen worden ist.

Es würde zu weit führen, alle die Beispiele anzuführen, in welchen der hl. Schutzengel belehrend, mahnend und ermunternd auftritt. Nachstehende mögen genügen: Zur hl. Margareta von Cortona sprach eines Tages der Schutzengel: „Gedenk, Margareta, der Wohltaten, mit welchen dich Gott in immer höherem Maße überhäuft.“ Und nachdem er ihr alle Gnaden-Erweisungen Gottes vor Augen gestellt hatte, fuhr er fort: „Darum laß es dir gesagt sein… kehre dich von ganzem Herzen und aus allen Kräften zu Gott, deinem Schöpfer und Herrn.“ Als dieselbe Heilige ein anders Mal zu Gott flehte, er möchte ihr doch eine Krankheit zusenden, damit sie ihn nie mehr beleidige, gab ihr der Schutzengel folgende lehrreiche Mahnung: „Der Herr will, daß du demütig, gehorsam und voll kindlicher Ehrfurcht gegen ihn seiest: was du jetzt verlangst, das wird er gewähren, wenn es ihm gefällt.“ – Den hl. Raimund von Pennafort pflegte sein Schutzengel des Nachts aufzuwecken und zum Gebet einzuladen. Derselben Gunstbezeugung erfreuten sich auch die selige Humaliana und die selige Aleydis von Brüssel. – Vom seligen Johannes Firmanus aus dem Orden der mindern Brüder wird berichtet, daß er das Glück hatte, drei Monate Tag für Tag seinen guten Engel zu sehen und sich mit ihm über das Kreuz Christi, über die Freuden des Paradieses, über die Wahrheiten des Evangeliums und über die Lehren und Tugendbeispiele der Heiligen auf das vertraulichste zu besprechen. – Der hl. Kamillus de Lellis stiftete wie der hl. Johannes von Gott einen geistlichen Orden zur Verpflegung der Kranken. Die frommen Ordensgenossen waren vor allem darauf bedacht, die Sterbenden durch heilsamen Zuspruch zu einem christlichen Tode vorzubereiten. Da sah öfters der hl. Philipp Neri, wie er es selbst bezeugte, die hl. Schutzengel den Priestern zur Seite stehen und ihnen die Worte eingeben, die sie zu den Kranken sprechen sollten.

Die hl. Franziska Romana wandelte stets mit der größten Ehrfurcht in der Gegenwart ihres hl. Engels und hütete sich vor jeglicher Sünde und Unvollkommenheit, weil sie wohl wußte, wie sehr ihn dieselben betrübten. Als eines Tages mehrere Freundinnen sie besuchten und im Laufe der Unterredung sich einige lügenhafte Worte erlaubten, bemerkte sie, wie der Schutzengel sein Angesicht unwillig von den Sprechenden abwandte. –

Im Leben der hl. Veronika von Binasko wird erwähnt, wie sie durch einen geringen Fehler ihren Engel gekränkt habe. Die Heilige selbst erzählt den Vorfall ihren Ordensschwestern auf folgende Weise: „Eines Tages schaute ich während der hl. Messe aus bloßer Zerstreuung neugierig auf eine Mitschwester hin, die am Altare kniete. Da gab mir aber mein guter Engel einen so derben Verweis, daß ich vor Entsetzen beinahe erstarrte. So schreckbar waren die Worte und Blicke des zürnenden Engels.“ –

Wie groß muss daher das Mißfallen des hl. Schutzengels sein, wenn sein Pflegling in schwere Sünden fällt oder gar in solchen leichtsinnig dahin lebt! Dies deutet folgende Begebenheit aus dem Leben des hl. Einsiedlers Paulus an, welcher seiner unvergleichlichen Schlichtheit wegen der „Einfältige“ genannt wurde.
Dieser heilige Greis befand sich eines Tages in der Nähe einer Kirche, in welcher sich die Gläubigen zur Feier des Gottesdienstes versammelten. Er sah, wie diese heiter und wohlgemut und begleitet von ihren Schutzengeln, die gleichfalls voller Freude waren, die Schwelle des Gotteshauses betraten. Nur einen bemerkte er, der finster und verstört einher schritt, und dem der gute Engel traurig und nur von weitem folgte. Dieser Anblick preßte dem Heiligen Tränen des Mitleids aus. Nach vollendetem Gottesdienst sah er nun zu seiner größten Freude auch denjenigen, welcher kurz vorher ein so klägliches Aussehen hatte, mit heiterem, Freude strahlendem Antlitz aus der Kirche treten. Der Schutzengel stand wieder zu seiner Rechten und schien hoch erfreut über seinen ganz umgewandelten Pflegling. Als hierauf der hl: Einsiedler zu diesem Gläubigen hintrat und sich vertraulich mit ihm unterhielt, erfuhr er, daß derselbe mit schweren Sünden auf dem Gewissen die Kirche betreten habe, daselbst aber durch reumütige Buße von denselben befreit worden sei. – So berichtet Rufinus, der Zeitgenosse und Lebensbeschreiber des Heiligen. –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 1, 1911, S. 642 – S. 643

Bildquellen

  • Bitschnau Die Heiligen Schutzengel: Bildrechte beim Autor

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