Selbsterneuerung der französischen Kirche

Frankreich – Zeit der modernen Politik und der kirchlichen Revolution

Schutz der französischen Kirche durch innere Selbsterneuerung

Mehr als durch die Waffen wurde die katholische Kirche in Frankreich geschützt und zum Sieg über den Protestantismus geführt durch die innere Selbsterneuerung, welche sich in ihr vollzog. Bereits im Jahre 1551 tagte vom 10. bis 20. Dezember eine Reformsynode zu Narbonne, welche heilsame Vorschriften erließ, wenngleich dieselben der Zeitverhältnisse wegen nicht zur Ausführung gelangten. Gleiches gilt von den Beschlüssen der Synode zu Poissy (1561). Als das Konzil von Trient eröffnet war, befand sich der Papst mit Heinrich II. im Konflikt wegen des Herzogtums Parma, weshalb dieser die Bischöfe seines Landes nicht zum Konzil entließ. Erst Karl IX. schickte im Jahr 1562 eine Gesandtschaft mit Vitus Faber an der Spitze, welche die Forderung stellte, die Verhandlungen bis zur Ankunft der französischen Bischöfe zu verschieben. Das Konzil ging auf diese Forderung nicht ein. Im Laufe des Novembers 1562 kam der Kardinal Guise von Lothringen mit 14 französischen Bischöfen, 3 Äbten und 18 Theologen, größtenteils Mitgliedern der Sorbonne, in Trient an. (Des Kardinals Rede s. Hist.-pol. Blätter XVI, 343ff) Die Lehrbestimmungen des Konzils wurden in Frankreich unbedingt angenommen, die Disziplinar-Verordnungen aber erst allmählich (Alzog II, 406); Heinrich IV. musste bei seiner Konversion geloben, die Kirche zu schützen und die tridentinischen Dekrete zu publizieren.

Der ausgezeichnete Episkopat Frankreichs führte die Reformen des Konzils durch; Männer wie Franz von Sales und Vinzenz von Paul bildeten einen tüchtigen Klerus und wurden so die geistigen Wiedererneuerer des Landes. Auch der Jesuiten-Orden fand bald in Frankreich Eingang (1550), stieß jedoch anfangs auf Schwierigkeiten. Besonders erhob sich gegen ihn der Bischof von Bellay von Paris und setzte 1554 in einem Gutachten seine Klagen gegen ihn auseinander (Hist.-pol. Blätter XVI, 348). Noch heftigeren Widerspruch fand der neue Orden von Seiten der Sorbonne. „Diese Gesellschaft“, so berichtete 1554 die theologische Fakultät an das Parlament, „scheine gefährlich für den Glauben, drohe den Frieden der Kirche zu stören, sei den Mönchsorden gefährlich und sei mehr zum Zerstören als zum Erbauen eingerichtet.“ Da der Hof sich jedoch der Jesuiten annahm, so durften sie in Paris ein Kolleg errichten; die Aufnahme in die Universität aber wurde ihnen verweigert mit den Worten: „Die Universität nimmt, gleich der ganzen gallikanischen Kirche, an, die Macht des Konzils gehe über die des Papstes; sie kann also keine Gesellschaft zulassen, welche den Papst über das Konzil setzt“ (Bulaeus, Hist. Univers. VI, 587). Der Orden gelangte aber trotz dieser Anfeindungen in Frankreich zur Blüte, und hieraus läßt sich auch ersehen, welche wahrhaft reformatorische Tätigkeit derselbe entfaltete. Somit wurde dem Katholizismus des Landes ein neuer kirchlicher Geist eingehaucht und damit auch das beste Bollwerk gegen den Calvinismus geschaffen. Zahlreiche Konversionen nicht bloß einzelner Personen, sondern ganzer Städte, Dörfer und Gegenden, folgten bald, und die Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685), in Folge dessen gegen 70000 Calvinisten auswanderten, bleibt daher eine bedauernswerte Maßregel, da alle diese allmählich zur katholischen Kirche zurück gekehrt sein würden.

Als Heinrich IV., von Mörderhand getroffen, sein Leben ließ, folgte ihm sein minderjähriger Sohn Ludwig XIII. (1610 – 1643). Unter ihm erhob der Kardinal Richelieu das Königtum zu noch größerer Macht empor und schob das bis dahin einflußreiche Parlament vollständig bei Seite. Ebenso strebte er darnach, Frankreichs Einfluss nach Außen geltend zu machen, und bediente sich hierzu aller ihm tauglich scheinenden Mittel. Gegen das deutsche Reich gebrauchte er die Protestanten Deutschlands, obgleich er die Calvinisten seines Landes unterdrückte. Es gelang ihm in der Tat, in Deutschland die Kaisermacht zu vernichten und im Innern das Ansehen der königlichen Macht zu heben, so daß Ludwig XIV. (1643 – 1715) der absolute Monarch sein konnte, und Frankreichs Übergewicht in Europa unter seiner Selbstregierung ein unbestrittenes war. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 4, 1886, Sp. 1773 – Sp. 1774

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