Papst Liberius ein katholischer Papst

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Anfeindungen gegen das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes

Ein Porträt von Papst Liberius in seiner päpstlichen Kleidung; links oben ist das päpstliche Wappen

Papst Liberius – ein wahrer katholischer Papst

(regierte von 352-366)

Ein standhafter Papst

Am 17. Mai des Jahres 352 wurde Liberius zum Papst erwählt. Kaiser Konstantius verlangte vom Papst Liberius, er solle den heiligen Athanasius neuerdings verurteilen. Der Papst hielt zu Rom mit den Bischöfen eine Versammlung, in welcher die Unschuld des Patriarchen von Alexandria feierlich anerkannt wurde. Konstantius verwarf dieses Urteil und verlangte eine neue Versammlung nach Arles in Frankreich. Der Papst ordnete dahin seine Boten, die Bischöfe Vincentius von Capua und Mercellus aus Campanien ab. Inzwischen hatte der Kaiser bereits den heiligen Bischof Paulus von Konstantinopel entfernt und an seine Stelle den Macedonius, einen Arianer, zum Patriarchen ernannt. Auch den Bischöfen, welche in Gallien versammelt waren, befahl der Kaiser unter Androhung der Verbannung, den heiligen Athanasius zu verurteilen.

Und wirklich erlebte Papst Liberius den Schmerz, daß diese Bischöfe aus Furcht vor dem anwesenden Kaiser das Verbannungsurteil über den heiligen Athanasius aussprachen. Auch der päpstliche Gesandte, Bischof Vincentius, machte keine Ausnahme. Die Bischöfe fügten sich eben der kaiserlichen Gewalt. Der einzige standhafte Bischof Paulinus von Trier wurde verbannt. Tiefbekümmert schrieb der strenggläubige Papst: „Ich bin doppelt betrübt, und bitte Gott, lieber sterben zu dürfen, als daß ich die Ungerechtigkeit triumphieren sehe.“ Als der Bischof von Cagliari in Sardinien sich anbot, im Namen des Papstes zum Kaiser zu gehen, gab ihm der Papst den Priester Pankratius und den Diakon Hilarius zur Seite. Diese Gesandtschaft überbrachte dem Kaiser ein sehr ernstes Schreiben des Papstes. Er verurteilte seinen eigenen Gesandten und verlangte vom Kaiser eine neue Versammlung nach Mailand. Diese kam auch wirklich im Jahre 355 im kaiserlichen Palast in Anwesenheit des Kaisers zustande, allein die Heftigkeit des Kaisers machte jede freie Beratung unmöglich. Das erste, was der Kaiser und die arianischen Bischöfe wiederum begehrten, war die Verbannung des heiligen Athanasius.

Als der Kaiser endlich erkannte, daß die Bischöfe nicht zu bewegen seien, eine Schrift zu unterzeichnen, die den schuldlosen Athanasius verurteilte, und daß es fruchtlos sei, sie auf diese Weise durch eine gemeine List zur Annahme der arianischen Irrlehre zu bringen, wollte er zu roher Gewalt greifen und rief: „Mein Wille gilt als Kirchengesetz.“ Die rechtgläubigen Bischöfe erinnerten ihn mit apostolischem Freimut an das göttliche Gericht und erklärten, daß die geistliche und die weltliche Gewalt nicht vermengt werden dürfe. Was war die Antwort des Kaisers? Die rechtgläubigen Bischöfe Eusebius von Vercelli und Dionysius von Mailand wurden in den Kirchen, wohin sie sich zurückgezogen hatten, von den Altären hinweggerissen und in die Verbannung verwiesen, die verwaisten Bischofssitze mit Arianern besetzt. Nach einer arianischen Kirchenversammlung zu Rimini im Jahre 359 hatten die Irrlehrer große Fortschritte gemacht.

Im Morgenlande, wo die Arianer vom Kaiser Valens geschützt wurden, kämpften die heiligen Bischöfe Athanasius von Alexandrien und Basilius von Cäsarea unerschrocken für die kirchliche Rechtgläubigkeit. Auch sie wandten sich um Unterstützung ihrer Rechte an den Papst, der auch im Abendlande den Irrglauben der Arianer zu unterdrücken suchte. Der heilige Vater säumte nicht, mit aller Liebe an die Verfolgten zu schreiben und sie wegen ihrer Standhaftigkeit zu loben.

Doch es kam die Reihe des Martyriums auch an ihn. Der Kaiser verlangte vom Papst abermals die Verurteilung des heiligen Athanasius, die natürlich verweigert wurde. Darum ging der unschuldige Patriarch Athanasius von Alexandria im Jahre 356 abermals in die Verbannung. Auch das genügte dem gottlosen Herrscher noch nicht. Er ließ die katholischen Christen verfolgen, Frauen und Jungfrauen mißhandeln. Sechsundvierzig ägyptische Bischöfe mussten ihre Diözesen verlassen; alle Rechtgläubigen wurden als Majestätsverbrecher behandelt und starben teilweise als Martyrer. Der Kaiser schickte Gesandte nach Rom, um den Papst gegen den Bischof Athanasius zu gewinnen. Da aber dieser sich standhaft weigerte, seine Mithilfe zu einem offenbaren Unrecht zu leisten, wurde er als Gefangener mitten in der Nacht zum Kaiser nach Mailand fortgeführt. Dort verteidigte sich der Papst mit mutigen und beredten Worten. Er blieb unbeugsam und wurde darum gegen Ende des Jahres 355 nach Beröa in Thracien geschleppt. Man hoffte, den Papst in der Einsamkeit leichter umstimmen zu können. Da er ohne alle Mittel war, schickte ihm der Kaiser fünfhundert Goldstücke. Allein voll Entrüstung wies der Papst dieses Geld zurück. Der Anfang der Verbannung des Papstes fällt in das Ende des Jahres 355 und dauerte etwa bis in den Sommer des Jahres 358. Was er unter dem wilden, barbarischen Volk litt, ist leicht einzusehen.

In Rom aber herrschte über den Verlust des obersten Hirten die tiefste Trauer. Die Geistlichkeit leistete den Schwur, nie einen andern als Liberius als Papst anerkennen zu wollen. Auch das Volk blieb dem Papst treu und mied jede Gemeinschaft mit dem neu aufgestellten Gegenpapst Felix, der bisher Diakon war und selbst vor allen andern geschworen hatte. Felix ließ sich wirklich auf Veranlassung des Kaisers zum Bischof von Rom weihen. Als Kaiser Constantius im Mai des Jahres 357 nach Rom kam, bestürmten zuerst die römischen Frauen ihre Männer, die Zurückberufung des Papstes vom Kaiser zu verlangen. Als die Männer aus Furcht vor dem Zorne des arianischen Herrschers sich weigerten, wandten sich die Frauen selbst an Constantius, der endlich nachgab. Anfangs wollte er die Bedingung aufstellen, daß Papst Liberius nach seiner Rückkehr gemeinsam mit dem Gegenpapst Felix die Kirche regiere. Aber das Volk rief: „Ein Gott! Ein Christus! Ein Papst!“

Da nun Papst Liberius wirklich nach wenigen Monaten nach Rom zurückkam, wurde das Gerücht verbreitet, er habe seine Rückkehr mit der Zustimmung zur Irrlehre erkauft. Diesen Vorgang haben die Feinde der Päpste aufgegriffen, um damit gegen die päpstliche Unfehlbarkeit zu kämpfen. Sie behaupten, daß Papst Liberius infolge der Qualen und Misshandlungen nachgegeben und ein falsches Glaubensbekenntnis unterzeichnet habe.

Beweise für seine Unschuld

Für die Unschuld des Papstes Liberius lassen sich aber folgende glänzende Beweise anführen.

Alle katholischen Bischöfe blieben vor und nach der Verbannung in Gemeinschaft mit Liberius. Sie schickten ihm die Akten der von ihnen gehaltenen Kirchenversammlungen zu und fragten ihn in allen schwierigen Angelegenheiten um Rat. Ist eine solche Verehrung denkbar, wenn der Papst der Irrlehre verdächtig war? Papst Liberius erhält wegen seines Mutes und seiner Tugenden von allen Seiten die größten Lobsprüche. Der spätere Papst Siricius nennt ihn einen „ausgezeichneten Vorgänger“. Der heilige Epiphanius sagt, Liberius sei ein Papst „von sehr gutem Andenken“. Cassiodorus gibt ihm sogar den Titel „Der große Liberius“. Der heilige Ambrosius schreibt über ihn: „Es ist Zeit, an die Verordnungen des Liberius, dieses heiligmäßigen Papstes zu erinnern. Seine Worte sind eben so schön als seine Tugenden groß sind.“ Nach dem griechischen Märtyrer-Kalender wird das Fest dieses Papstes am 24. September mit folgenden Worten gefeiert: Der selige Liberius, ein Verteidiger der Wahrheit, war Bischof von Rom unter der Regierung des Kaisers Konstantius. Sein brennender Glaubenseifer trieb ihn an, den großen Athanasius zu verteidigen, der wegen seiner Hingabe an den wahren Glauben von den Irrlehrern verfolgt und aus Alexandria vertrieben war. Solange Konstantin und Konstans, die beiden ältesten Söhne des großen Konstantin, lebten, triumphierte der wahre Glaube. Als aber nach dem Tode dieser zwei Fürsten der junge Konstantius Alleinherrscher wurde, bekam die Irrlehre die Oberhand. Daher geschah es, daß Papst Liberius, welcher mit aller Kraft die Bosheit der Irrlehrer bekämpfte, nach Beröa, einer Stadt in Thracien verbannt wurde. Aber die Römer, deren Liebe und Verehrung der Papst in hohem Maße besaß, blieben ihm ergeben und erflehten vom Kaiser seine Rückkehr. Papst Liberius kam nach Rom und starb dort, nachdem er mit Weisheit seiner Kirche vorgestanden war.“

Als in späteren Jahrhunderten der Irrlehrer Photius auftrat, und die römischen Päpste verdächtigte, um eine Ursache zu haben, sich von der römischen Kirche trennen zu können, da beschuldigte er sie der Irrlehre der Manichäer; aber daß es ein Papst mit den Arianern gehalten habe, davon sagt er nicht ein Wort. Sicher würde Photius sich auf Liberius berufen haben, wenn sich dieser Papst in Glaubenssachen wirklich geirrt hätte. Die ganze Angelegenheit des Papstes Liberius geht also nur darauf hinaus, daß der Papst von den Irrlehrern, den Arianern, betrogen wurde. Die Arianer gaben sich nämlich den Anschein, als ob sie im Ernst die wahre kirchliche Lehre annehmen wollten. Der Papst wurde auf den Glauben gebracht, es handle sich in der ganzen Angelegenheit eigentlich gar nicht um wichtige Dinge; Liberius meinte, die Arianer seien der Hauptsache nach mit ihm einverstanden, nur in ein paar nebensächlichen Fragen sei man noch nicht ganz einig. Und so unterschrieb er das von ihnen vorgelegte Glaubensbekenntnis und erklärte damit dasselbe für richtig. Der Papst ist wohl unfehlbar und kann genau sagen, was der wahre Glaube ist; aber allwissend ist der Papst nicht und kann darum auch betrogen werden. Das ist also der Hergang jenes Ereignisses, aus dem die Feinde der unfehlbaren Päpste beweisen wollen, daß ein Papst in Glaubenssachen einmal geirrt, etwas Falsches gelehrt habe!

Der Papst hatte in Rom eine glänzende Kirche gebaut, die den Namen Maria Maggiore führt…. Kurz vor seinem Tode erlebte der Papst noch die große Freude, daß viele abgefallene Bischöfe wieder zur Kirche zurückkehrten und sich mit dem Papst aussöhnten. Am 22. September des Jahres 366 starb Papst Liberius und wurde an der salarischen Straße über der Gruft der heiligen Priscilla in der vom Papst Silvester erbauten Kirche begraben. Eine jetzt verloren gegangene Inschrift besagte, immer sei der Papst in der Treue gegen Gott und seinen Glauben der gleiche geblieben, kein trüber Schatten sei über seinem Angesicht. Er lenkte das Schifflein der Kirche sicher in einer Zeit, in der viele sich durch die Lüge irre führen ließen. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 75 –  S. 81

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