Heiliger Ladislaus König von Ungarn

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

27. Juni

Der heilige Ladislaus König von Ungarn

Der heilige Ladislaus, ein Sohn des ungarischen Königs Bela I. und Großneffe des heiligen Königs Stephan I., welchen man den Apostel von Ungarn nannte, wurde in Polen geboren im Jahre 1031, wo sein Vater sich damals, von dem König Petrus verfolgt, aufhielt. Für die Erziehung des Prinzen Ladislaus sorgte seine Mutter, und die Früchte derselben sah man im folgenden Alter. Ganz wunderbar gelangte er auf den königlichen Thron nach der Absetzung (1074) des Königs Salomon, der sich durch seine Grausamkeit und andere Schandtaten bei allen verhaßt gemacht hatte, und nach dem Absterben des Königs Geisa I., der dem König Salomon in der Regierung gefolgt war. Als Ladislaus 1077 den Thron bestiegen hatte, war seine erste Sorge, die alten christlichen Sitten bei seinen Untertanen wieder einzuführen und den Glauben zu befestigen. Dazu trug das gottesfürchtige Beispiel des Königs selbst am meisten bei, indem er stets der eifrigste im Bekenntnis dessen war, was der christliche Glaube lehrt, und der sorgfältigste in der Übung der christlichen Tugenden. Er regierte mit aller Milde und Herablassung; daher liebten ihn seine Untertanen wie einen Vater und gehorchten ihm bereitwillig.

Salomon, der von dem Thron mit Recht verstoßene König, suchte durch Unruhen aller Art sich der Krone wieder zu bemächtigen. Als Ladislaus dies bemerkte, ließ er ihm sagen, daß er zu jeder Stunde bereit sei, ihm den Thron wieder abzutreten, wenn die Reichsstände ihre Einwilligung dazu erteilten. Ein so seltenes Anerbieten machte auf das Herz des Königs Salomon einen solchen Eindruck, daß er versprach, dem König Ladislaus alle seine Rechte, welche er noch auf die Krone hätte, oder zu haben vermeinte, freiwillig zu überlassen und mit einer jährlichen Pension sich begnügen zu wollen. Es währte aber nicht lange, da bekam er wieder einen ganz anderenSinn. – Er wollte sich wieder auf den Thron setzen und spann deswegen eine heimliche Verräterei an wider den König Ladislaus; weil aber dieselbe vorzeitig entdeckt wurde, so ward der treulose Salomon gefangen genommen und wohl verwahrt. Doch wollte Ladislaus aus gar zu großer Milde und Liebe den gefangenen nicht lange eingesperrt halten; er schenkte ihm die Freiheit und befliß sich, dessen undankbares Gemüt durch neue Guttaten zu gewinnen und zu besserer Gesinnung zu bringen. Je gnädiger und freigebiger er sich aber gegen Salomon bezeigte, desto kecker wurde dieser; so weit vergaß er sich, daß er den König der wilden Hunnen zum Krieg wider Ladislaus aufreizte, ja er selbst führte eine Rotte dieser Barbaren gegen ihn an, wurde aber auf das Haupt geschlagen und gezwungen, die Flucht zu ergreifen.

Nachdem Ladislaus auf diese Weise die gewünschte Ruhe in seinem Reiche hergestellt hatte, berief er eine Versammlung, welche aus Kirchenprälaten, Adeligen und vornehmen Bürgern bestand. In dieser wurden viele sehr heilsame Gesetze und Verordnungen zum Besten der Untertanen beschlossen. Die Beobachtung derselben stellte in kurzer Zeit im Königreich den ersten Glanz der Gottesverehrung und der ersehnten Einigkeit wieder her. Allein zu gleicher Zeit, als sich der fromme König bemühte, die Ehre Gottes und das Seelenheil seiner Untertanen zu befördern, rüsteten verschiedene benachbarte Fürsten zum Kriege und zogen wider ihn zu Felde. Ladislaus, ein Feind des Blutvergießens, ließ ihnen den Frieden anbieten; als sie aber dieses Anerbieten hochmütig verwarfen, griff er zu den Waffen und siegte glorreich über dieselben. Er zeigte also in der Tat, daß er nicht minder ein tapferer Feldherr, als ein gottesfürchtiger König sei. Und in Wahrheit, sein Leben bezeugt, daß er ebenso oft den Sieg erhielt, als er sich gegen seine Feinde ins Feld begab. Die aufrührerischen Böhmen brachte er wieder zum Gehorsam; die Hunnen, welche Ungarn verheerten, verjagte er und zwang sie, um Frieden zu bitten. Auch nahm er Krakau, die Hauptstadt von Polen, ein und demütigte die Polen sowohl, als die Russen, welche den Feinden des Reiches Hilfe geleistet hatten. Dalmatien und Kroatien entriß er den Barbaren wieder, schlug die Tartaren und eroberte einen Teil von Bulgarien und Russland.

Bei so vielfältigen Kämpfen unterließ er niemals, die Ehre Gottes durch Erbauung verschiedener Kirchen und Ausbreitung des wahren Glaubens zu befördern. Während seiner ganzen Regierung bewies er eine besondere Hochachtung für alles, was dem Dienst Gottes gewidmet ist. In der Kirche sah man ihn mit höchster Ehrerbietung und Demut vor Gott. Kein Tag ging vorüber, an welchem er nicht der heiligen Messe kniend beiwohnte. Seine liebste Unterhaltung waren das Gebet und die Reichsgeschäfte. Täglich gab er den Untertanen Audienz, hörte ihre Klagen an und ließ niemand ohne Trost von sich. Im Essen und Trinken war er sehr mäßig. Außer den von der Kirche gebotenen Fasttagen fastete er auch an selbst bestimmten Tagen. Gewöhnlich nahm er seine kurze Nachtruhe auf bloßer Erde und züchtigte seinen Leib auf verschiedene Weise, als ob er unter den Ordens-Geistlichen lebte. Gegen die Armen war er nicht nur freigebig, sondern fast verschwenderisch, also , daß man dieses Sprichwort in Ungarn führte: „Der König von Ungarn kann nichts, als Spitäler stiften, Kirchen bauen und den Armen Gutes tun.“ Er zeigte aber auch im Felde, daß er mehr konnte. Ehe er einen Feldzug wider seine Feinde wagte, pflegte er allzeit seinen Untertanen ein dreitägiges Fasten und öffentliche Gebete anzukündigen, und ging hierin mit seinem Beispiel eifrig voran. Bei mehreren Schlachten bemerkte man, daß er himmlische Geister zu Beschützern hatte.

Der heilige König wünschte öfters, sein Leben Christo zuliebe und zur Beschützung seiner Ehre hingeben zu können. Dazu schien ihm die schönste Gelegenheit der heilige Krieg, zu welchem sich damals die ganze Christenheit rüstete, um das heilige Land aus der Gewalt der Sarazenen zu befreien. Ladislaus wurde von den Königen Spaniens, Frankreichs und Englands und anderen Fürsten ersucht, den Oberbefehl über die ganze christliche Armee zu übernehmen. Er willigte ein, weil das Ziel und die Absicht des ganzen Krieges heilig und bei diesem Kreuzzug auf die Beförderung der Ehre Gottes allein gerichtet war. Als er sich aber mit allem Ernst dazu rüstete, schickte ihm der in seinen Urteilen unerforschliche Gott eine schwere Krankheit zu, an welcher er auch nach andächtig empfangenen heiligen Sakramenten heilig verschied am 30. Juli im Jahre 1095. Viele und große Wunder, welche bei dem Grabe des Heiligen in Großwardein sich ereigneten, bewiesen, wie mächtig seine Fürbitte bei dem König aller Könige im Himmel sei. Ladislaus wurde vom Papst Cölestin III. 1192 heilig gesprochen. Sein heiliger Leib wurde 1192 erhoben am 29. Juni, welcher nun als sein Verehrungstag bestimmt wurde. Der Fürst Rakoczy von Siebenbürgen raubte 1631 den silbernen Sarg und die kostbare Krone des Heiligen. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 486 – S. 488

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