Festtag des heiligen Apostels Bartholomäus

Der heilige Bartholomäus steht vor einem römischen Gericht, die Hand erhoben, vor einer Statue mit Weihrauchfaß; der Richter sitzt im Hintergrund; ebenfalls sieht man zahlreiches Volk, das dem Heiligen zuschaut

Der Festtag des heiligen Apostels Bartholomäus

(24. August)

Gebet zum hl. Bartholomäus.
O heiliger Bartholomäus! Der du aus Liebe zu Christus nicht nur deine Güter dahin gegeben, sondern auch den grausamsten Tod erduldet hast, bitte Gott für mich eitlen Weltmenschen, daß ich aus Liebe zu meinem Heiland alles Irdische und zeitliche willig und mit Freuden verlassen, mein Fleisch kreuzige und dadurch würdig werde, dir in den Himmel nachzufolgen. Amen.

Die heilige Messe

Eingang wie am Fest des hl. Apostels Andreas

Gebet der Kirche:

Allmächtiger, ewiger Gott! Der du am heutigen Tage durch das Fest des hl. Apostels Bartholomäus uns eine ehrwürdige und heilige Freude bereitet hast; wir bitten Dich, Du wollest deiner Kirche verleihen, das zu lieben, was er geglaubt, und das zu verkünden, was er gelehrt hat; durch Jesum Christum, deine Sohn, unsern Herrn. Amen.

Lesung aus dem zweiten Brief des hl. Apostels Paulus an die Korinther (Kap. 12, V. 27-31):

Brüder! Ihr seid der Leib Christi und unter einander Glieder. Und einige zwar hat Gott in der Kirche gesetzt, erstlich als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrmeister; dann (verlieh Er einigen) Wunderkräfte, ferner Gaben, zu heilen, Hilfe zu leisten, wohl zu verwalten, mancherlei Sprachen zu reden, Reden auszulegen. Sind etwa alle Apostel? Alle Propheten? Alle Lehrer? Haben alle Wunderkräfte? Alle die Gabe zu heilen? Reden alle in Sprachen? Sind alle Ausleger? Beeifert euch um die vorzüglicheren Gaben.

Erklärung und Anwendung:

Durch obige Worte lehrt uns der Apostel, daß alle Rechtgläubigen vermöge des einen wahren Glaubens den Leib Christi bilden. Keiner ist der ganze Leib, jeder ist nur ein Glied. Darum soll sich auch keiner über den andern erheben; denn es sind alle notwendig. Keiner soll nach Verrichtungen trachten, die nicht in seiner Bestimmung liegen, sondern jeder halte sich an die Stelle, die ihm am Leibe Christi angewiesen ist, d. h. an seinen Beruf, arbeite darin mit eifriger Liebe und trage dadurch zur Wohlfahrt der ganzen Kirche das seinige bei. Hat dich Gott in den Bauernstand gesetzt, so beneide die Herren nicht. Ist ein anderer geschickter als du, so sei mit den dir verliehenen Gaben zufrieden; bekleidet er ein höheres Amt, so murre nicht dawider; denn gleichwie an dem menschlichen Leibe nicht alle Glieder Augen sein können, so können auch in dem sittlichen Leibe der Kirche nicht alle in einem hohen Amt oder Stand sein. Das aber, was wir alle tun können und sollen, ist, daß wir eine immer größere Heiligkeit und Liebe anstreben, weil dieses für den König wie für den Bettler der einzige Weg zum ewigen Leben ist.

Evangelium nach dem hl. Lukas (Kap. 6, V. 12-19):

In derselben Zeit ging Jesus auf einen Berg, um zu beten; und Er brachte die Nacht im Gebet mit Gott zu. Und als es Tag geworden war, berief Er seine Jünger und wählte aus ihnen zwölf (welche Er auch Apostel nannte): Simon, den Er Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Matthäus und Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, mit dem Beinamen Eiferer, Judas, den Bruder des Jakobus, und Judas Iskariot, welcher der Verräter wurde. Und er stieg herab mit ihnen und trat auf einen ebenen Platz, wo die Schar seiner Jünger und eine große Menge Volkes von ganz Judäa, von Jerusalem, von der Meeresküste, von Tyrus und Sidon war, welche gekommen waren, um Ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden; und die von unreinen Geistern geplagt wurden, denen ward geholfen. Und alles Volk trachtete, Ihn anzurühren; denn es ging eine Kraft von Ihm aus und heilte alle.

Warum steigt Christus, da Er beten will, auf einen Berg?

Um sich dem Gedränge des Volkes zu entziehen und uns zu lehren, wie der hl. Bonaventura sagt, daß ein eifriger Beter sein Gemüt gänzlich zu Gott erheben und aus der Tiefe der zeitlichen und irdischen Dinge in die Höhe steigen müsse, wenn ihm sein Gebet nützen soll.

Warum betet Christus bei der Nacht?

Um uns zu lehren, 1) daß man nicht bloß arbeiten, sondern auch beten soll; 2) daß die Nacht hierzu sehr geeignet sei, weil alsdann alles still und ruhig ist, und man daher seine Gedanken besser sammeln kann; 3) daß man sich wider die Nachstellungen des bösen Feindes und die nächtlichen Versuchungen durch Gebet waffnen und 4) um die Gnaden bitten soll, die man bei Tage für sich und den Nächsten nötig hat. Deswegen pflegte Christus, wie der hl. Gregor sagt, zur Nachtzeit zu beten, während Er am Tage durch Lehren und Wunderwerke das Heil des Nächsten beförderte. – Wie löblich ist also auch die Einrichtung jener Haushaltungen, wo täglich der heilige Rosenkranz oder eine Litanei und das Nachtgebet gemeinschaftlich gebetet werden.

Warum betet Christus gerade in dieser Nacht?

Weil Er des Morgens zwölf aus seinen Jüngern zu Aposteln wählen wollte, was gewiß ein sehr wichtiges Geschäft gewesen. Nach seinem Beispiel und dem der Apostel (Apg. 13,3) fastet und betet die Kirche jetzt noch an den vier Quatember-Zeiten für diejenigen, welche die heiligen Weihen empfangen, weil von dem Priester das Wohl oder Wehe des Volkes abhängt. – Beten wir darum eifrig, namentlich an den Quatember-Tagen, daß uns Gott würdige Priester und Seelenhirten schenken und ihre Bemühungen für das Seelenheil mit reichlichem Erfolg krönen wolle!

Warum nennt Christus einen jeden Apostel mit Namen?

Unseretwegen, sagt der hl. Hieronymus; damit wir die wahren Apostel von den falschen leicht unterscheiden können.

Warum nennt Christus diese zwölf erst heute Apostel und zuvor nur Jünger?

Die apostolische Würde ist eine der größten und steht der Würde Christi am nächsten; daher wollte Christus, daß sie sich zuvor als Lehrjünger dazu recht vorbereiten sollten. Wer ein Lehrer werden will, muss zuvor lernen, und niemand soll ein Amt antreten, zu dem er untauglich ist.

Warum stieg das Volk nicht auf den Berg?

Christus hatte nur diejenigen auf den Berg gerufen, die Er zu Aposteln machen wollte; folglich durfte es das Volk nicht wagen. Wozu du nicht berufen bist, dazu dränge dich auch nicht ein.

Warum ist Christus in die Ebene herab gestiegen?

Zur Lehre für die Großen der Erde. Viele aus dem Volke getrauten sich nicht, auf den Berg zu steigen; viele konnten wegen ihrer Gebrechlichkeit nicht; deswegen steigt Christus selbst hinab. Die Fürsten müssen nicht beständig auf dem Throne sitzen, sondern sich auch in die Tiefe, d. h. zu dem Volk, herablassen. –
aus: Leonhard Goffine, Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 640 – S. 643

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